Experten warnen vor Sparmaßnahmen im Kinderschutz - 8 Millionen Euro Förderung läuft 2026 aus
Das digitale Kinderschutzzentrum bietet anonyme Online-Beratung. Kinderschutzexperten fordern nachhaltige Finanzierung.
Das Digitale Kinderschutzzentrum ist aus Mitteln der seit 2024 ausgeweiteten Förderung zur Krisenintervention entstanden und bietet Kindern und Jugendlichen anonyme und niederschwellige Online-Beratung via Chat. Gleichzeitig warnen Expertinnen und Experten des Bundesverbands Österreichischer Kinderschutzzentren vor möglichen Sparmaßnahmen, die dieses und andere Unterstützungsangebote gefährden könnten.
Kinder und Jugendliche in Österreich haben ein zwei- bis dreimal höheres Risiko, von Gewalt betroffen zu sein, als Erwachsene. Gewalt in der Kindheit – ob körperlich, psychisch oder sexualisiert, durch Vernachlässigung oder das Miterleben von Partnerschaftsgewalt – hat oft langfristige Folgen. Traumatisierungen erhöhen das Risiko für spätere psychische und körperliche Erkrankungen und wirken sich auch gesellschaftlich aus, etwa durch Folgekosten im Gesundheits- und Sozialsystem. Frühzeitige Hilfe ist daher entscheidend. „Wenn von Gewalt betroffene Kinder rasch Unterstützung erhalten und ihnen geglaubt wird, stärkt das ihr Vertrauen und verbessert ihre Zukunftsperspektiven nachhaltig“, sagt Petra Birchbauer, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Österreichischer Kinderschutzzentren.
Seit 2024 fließen rund 8 Millionen Euro aus der Förderung direkt in die 36 Kinderschutzzentren österreichweit. Dadurch konnten etwa 300 spezialisierte Fachkräfte finanziert und rund 45.000 Stunden Krisenintervention ermöglicht werden. Insgesamt profitieren rund 18.000 Kinder, Jugendliche und ihre Familien von diesen Maßnahmen. Zusätzlich wurden Wartezeiten verkürzt, Öffnungszeiten erweitert und Angebote – insbesondere in strukturschwachen Regionen – ausgebaut.
Das Digitale Kinderschutzzentrum bietet anonyme Online-Beratung via Chat. Gabriela Ulram, Leiterin des Digitalen Kinderschutzzentrums, sagt: „Das Angebot des Digitalen Kinderschutzzentrums reagiert auf die Lebensrealität junger Menschen, für die der digitale Raum ein zentraler Kommunikationsort ist. Viele Betroffene finden gerade in der Anonymität den Mut, über Gewalt zu sprechen und erste Hilfe in Anspruch zu nehmen.“
Miriam Sturm, Sozialarbeiterin im Digitalen Kinderschutzzentrum, berichtet: „Oft ist bereits eine erste Nachricht, die ein Kind oder Jugendlicher mit Gewalterfahrung in den Beratungs-Chat schreibt, ein entscheidender Schritt aus der Isolation und hin zu weiterer Unterstützung.“ Das digitale Angebot ergänzt die bestehenden Kinderschutzzentren und erreicht insbesondere jene, die bislang keine Hilfe gesucht haben.
Die Förderung läuft im September 2026 aus. Die Kinderschutzzentren betonen die Notwendigkeit nachhaltiger Finanzierung im Kinderschutz. „Ohne nachhaltige Finanzierung im Kinderschutz drohen nicht nur Projekte zu enden, sondern auch wertvolle Strukturen und Fachkompetenzen verloren zu gehen“, so Karin Thiller, Geschäftsführerin des Bundesverbands Österreichischer Kinderschutzzentren.
Der Bundesverband appelliert daher an die Politik, den Kinderschutz langfristig abzusichern. Investitionen in Prävention und Unterstützung seien nicht nur eine gesellschaftliche Verpflichtung, sondern auch eine nachhaltige Entscheidung für die Zukunft. Nur mit stabiler Finanzierung könne gewährleistet werden, dass gewaltbetroffene Kinder und Jugendliche weiterhin rasch und wirksam Hilfe erhalten.