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EU Inc.: Neue Unternehmensform soll Startups in Europa halten

Junge Wirtschaft begrüßt Vorstoß der EU-Kommission, sieht aber weiteren Handlungsbedarf bei Risikokapital

18. März 2026 um 12:30
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Die geplante einheitliche europäische Gesellschaftsform "EU Inc." könnte Gründungen erleichtern - doch der Zugang zu Kapital bleibt problematisch.

Die Europäische Kommission hat einen wegweisenden Vorschlag zur Einführung einer neuen, einheitlichen Unternehmensform vorgelegt: die "EU Inc.". Diese optionale europäische Gesellschaft soll als "28. Regime" neben den bestehenden nationalen Rechtsformen etabliert werden und könnte die Landschaft für Startups und innovative Unternehmen in Europa grundlegend verändern.

Positive Signale aus der österreichischen Wirtschaft

Die Junge Wirtschaft (JW) der Wirtschaftskammer Österreich zeigt sich erfreut über den Kommissionsvorschlag. "Die geplante 'EU Inc.' ist ein wichtiges Signal hin zu einem modernen und wettbewerbsfähigen Unternehmensstandort Europa", erklärt JW-Bundesvorsitzende Verena Eugster. Besonders positiv bewertet die Organisation, dass der Vorschlag als Verordnung und nicht als Richtlinie ausgestaltet ist, wodurch eine einheitliche und unmittelbare Anwendung in allen EU-Mitgliedstaaten sichergestellt wird.

Fragmentierung als größte Herausforderung

Trotz jahrzehntelanger Harmonisierungsbemühungen bleibt der EU-Binnenmarkt fragmentiert. Diese Zersplitterung stellt insbesondere für Startups eine erhebliche Herausforderung dar. Ihre Geschäftsmodelle sind häufig auf internationale Skalierung ausgelegt, treffen jedoch innerhalb der EU auf unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen. Gleichzeitig müssen sie im direkten Wettbewerb mit Unternehmen aus China und den USA bestehen, die von großen, integrierten Heimatmärkten profitieren.

"Für ein österreichisches Startup, das nach Deutschland, Frankreich oder Italien expandieren möchte, bedeutet das derzeit oft einen komplexen Rechts- und Verwaltungsdschungel", erklärt ein Branchenexperte. "Jedes Land hat seine eigenen Vorschriften, Gründungsprozesse und rechtlichen Anforderungen."

Konkrete Verbesserungen durch EU Inc.

Die geplante "EU Inc." verspricht konkrete Erleichterungen für Unternehmensgründungen und den laufenden Betrieb. Kernpunkte des Vorschlags sind:

  • Vollständig online Unternehmensgründung innerhalb von 48 Stunden
  • Verzicht auf Mindestkapitalanforderungen
  • Konsequente Digitalisierung im laufenden Betrieb
  • Attraktivere EU-weite Mitarbeiterbeteiligungsprogramme
  • Flexible Governance-Tools

"Digitale Gründungsprozesse, flexible Governance-Tools und attraktivere Beteiligungsprogramme sind wichtige Schritte, um die Rahmenbedingungen für europäische Gründer:innen und Jungunternehmen nachhaltig zu verbessern", betont Eugster. Diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, dass Europa als Gründungsstandort wieder attraktiver wird.

Das Problem der Abwanderung

Die Notwendigkeit für solche Reformen wird durch alarmierende Zahlen verdeutlicht: Rund 25 Prozent der weltweiten "Unicorns" - Startups mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar - gehen auf europäische Gründerinnen und Gründer zurück. Doch etwa die Hälfte dieser Unternehmen wird in den USA gegründet oder dorthin verlagert.

Diese in Amerika angesiedelten Unicorns erzielen Unternehmensbewertungen, die den Wert aller europäischen Startups bei weitem übertreffen. "Das zeigt deutlich, dass wir nicht nur ein Gründungsproblem haben, sondern vor allem ein Skalierungsproblem", analysiert Lukas Sprenger, JW-Bundesgeschäftsführer.

Risikokapital als entscheidender Engpass

Während die "EU Inc." wichtige strukturelle Verbesserungen bringt, identifiziert die Junge Wirtschaft den Zugang zu Risikokapital als weiterhin entscheidenden Engpass. "Gerade in Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten muss Europa seine größte Stärke nutzen und den Binnenmarkt konsequent vertiefen", erklärt Eugster.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zwar gelingt es zunehmend, europäische Jungunternehmen in frühen Wachstumsphasen besser zu unterstützen, doch in der Skalierungsphase erhalten US-Startups rund sechsmal so viel Risikokapital wie europäische Startups. Diese Finanzierungslücke führt dazu, dass vielversprechende europäische Unternehmen ihre Expansion in die USA verlagern, wo sie leichteren Zugang zu großvolumigen Finanzierungsrunden haben.

Weiterer Handlungsbedarf erkannt

"Die EU Inc. kann ihr volles Potenzial nur entfalten, wenn sich auch die Finanzierungsbedingungen in Europa deutlich verbessern. Es braucht stärkere Kapitalmärkte, damit europäische Startups ausreichend Risikokapital für ihre Skalierung und Expansion erhalten", ergänzt Sprenger.

Experten sehen verschiedene Ansatzpunkte für Verbesserungen: Eine stärkere Integration der europäischen Kapitalmärkte, steuerliche Anreize für Risikokapitalinvestitionen und die Förderung von Pensionsfonds-Investments in Startups könnten helfen, die Finanzierungslücke zu schließen.

Europäische Perspektive von Beginn an

Die "EU Inc." eröffnet Startups und Scaleups von Beginn an eine europäische Perspektive. Statt sich zunächst auf den nationalen Markt zu konzentrieren und später mühsam zu expandieren, könnten Unternehmen direkt auf den gesamten EU-Binnenmarkt ausgerichtet gegründet werden.

Dies ist besonders wichtig, da viele digitale Geschäftsmodelle erst ab einer gewissen Größe profitabel werden. "Ein Startup, das von Anfang an für 450 Millionen EU-Bürger entwickelt, hat ganz andere Skalierungsmöglichkeiten als eines, das sich zunächst nur auf den österreichischen Markt beschränkt", erklärt ein Venture-Capital-Investor.

Ausblick und nächste Schritte

Der Vorschlag der Europäischen Kommission muss nun das legislative Verfahren durchlaufen, bei dem sowohl das Europäische Parlament als auch der Rat zustimmen müssen. Erste Reaktionen aus verschiedenen Mitgliedstaaten sind überwiegend positiv, wobei Details noch diskutiert werden.

Für österreichische Unternehmer und Startups könnte die "EU Inc." in den kommenden Jahren eine interessante Alternative zu bestehenden Rechtsformen darstellen. Besonders für international ausgerichtete Geschäftsmodelle verspricht sie erhebliche Vereinfachungen und Kostenersparnisse.

Die Junge Wirtschaft wird den Gesetzgebungsprozess weiter begleiten und sich dafür einsetzen, dass parallel zur strukturellen Reform auch die Kapitalmarktbedingungen in Europa verbessert werden. Nur so könne Europa langfristig als Standort für innovative Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben.

Schlagworte

#EU Inc.#Startups#Junge Wirtschaft#Unternehmensgründung#Risikokapital#Wirtschaftskammer#EU-Binnenmarkt

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