Weisser Ring begrüßt Entscheidung als wichtiges Signal für verantwortungsvollen Journalismus
Der ORF nahm eine geplante Dokumentation über Natascha Kampusch aus dem Programm. Opferhilfe-Organisation sieht darin wichtigen Schritt für Opferschutz.
Der Österreichische Rundfunk (ORF) hat eine für Montag geplante Dokumentation über Natascha Kampusch aus dem Programm genommen. Die Entscheidung wurde vom WEISSEN RING begrüßt; die Organisation hatte im Vorfeld gegenüber dem ORF Bedenken hinsichtlich der Ausstrahlung geäußert und rechtliche Schritte zur Prüfung eingeleitet.
„Mediale Aufmerksamkeit kann für Betroffene sehr belastend sein und unabsehbare Konsequenzen mit sich ziehen. Zentral ist, dass identifizierbare Betroffene von schweren Straftaten immer eine selbständige und absolut informierte Entscheidung treffen können, ob und wie medial über sie berichtet wird.“, betonen Caroline Kerschbaumer und Claudia Mikosz, Geschäftsführerinnen des WEISSEN RINGS.
Erfahrungen aus der Arbeit mit Betroffenen von Straftaten zeigen, dass mediale Berichterstattung bei Betroffenen schwerer Gewalt zu starken Retraumatisierungen führen kann – insbesondere dann, wenn sie sich ohnehin in einer psychisch belasteten Situation befinden.
Der WEISSE RING weist darauf hin, dass bereits durch die Vorberichterstattung ein erheblicher Schaden entstanden ist. Zahlreiche Medien haben im Zusammenhang mit der angekündigten Sendung über höchstpersönliche Details zum Gesundheitszustand von Natascha Kampusch berichtet.
Die Entscheidung des ORF, die Ausstrahlung derzeit nicht vorzunehmen, wertet der WEISSE RING als wichtiges Signal für einen verantwortungsvollen Umgang mit Betroffenen von Straftaten. Opferschutz und die Wahrung höchstpersönlicher Lebensbereiche müssten auch im medialen Kontext oberste Priorität haben.
Der WEISSE RING setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass die Interessen und Bedürfnisse von Betroffenen von Straftaten im Zentrum stehen – auch in der öffentlichen Berichterstattung.