Ein spektakulärer Ermittlungserfolg der österreichischen Zollfahndung: In einer niederösterreichischen Lagerhalle hoben Ermittler eine vollständig ausgestattete Zigarettenfabrik aus und beschlagnahmten rund 8 Millionen Zigaretten.
In einer niederösterreichischen Lagerhalle hoben Ermittler der Zollfahndung eine illegal betriebene Zigarettenfabrik aus und beschlagnahmten dabei rund 8 Millionen Stück Zigaretten. Der entstandene Steuerschaden liegt bei etwa 6 Millionen Euro. Drei Personen wurden vorläufig festgenommen, die Ermittlungen dauern an.
Ins Rollen gebracht wurde der Fall durch umfangreiche Ermittlungsarbeit, in die aufgrund der internationalen Dimension auch der polnische sowie slowakische Zoll eingebunden war. Nach wochenlangen Observationen, bei denen auch Drohnenüberwachung eingesetzt wurde, erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) am 18. März der Zugriff vor Ort. An der Hausdurchsuchung waren rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zolls beteiligt; auch Beschäftigte von EUROPOL sowie vom polnischen und slowakischen Zoll waren anwesend.
In der Halle wurde eine voll funktionstüchtige Fabrikationsanlage vorgefunden, inklusive provisorisch und sehr spartanisch eingerichteten Schlafräumen für Arbeiterinnen und Arbeiter. Um Lärmbildung zu vermeiden, war die gesamte Halle mit Dämmmaterial ausgestattet. In der Halle wurden 30 Paletten mit rund 40.000 Stangen fertig produzierten Filterzigaretten beschlagnahmt, die bereits zur Abholung bereitstanden. Nach bisherigem Ermittlungsstand wird davon ausgegangen, dass in der illegalen Fabrik insgesamt mehr als 200.000 Stangen Zigaretten für den europäischen Schwarzmarkt produziert wurden. Die Tabaksteuer für die beschlagnahmten Zigaretten allein beläuft sich auf 1,5 Millionen Euro; der gesamte Steuerschaden beträgt mehr als 6 Millionen Euro.
Darüber hinaus konnten 22 Paletten Filterkarton, 4 Paletten Filterpapier, 2 Paletten Alupapier und 10 Paletten Zigarettenschachtelpackungen sichergestellt werden. Damit hätten rund 80.000 Stangen Zigaretten hergestellt werden können. Auf dem Auflieger eines LKW-Zugs befand sich eine weitere Zigarettenproduktionsmaschine, die offensichtlich von einer zweiten Fabrik stammte; sie wurde ebenfalls mitsamt dem LKW und Auflieger beschlagnahmt. Ein weiterer LKW sowie ein PKW wurden ebenso sichergestellt. Vor Ort führte das LKA NÖ die kriminaltechnische Untersuchung durch, um eine Zuordnung der Täter zu erleichtern.
Von den vor Ort angehaltenen Personen wurden drei vorläufig festgenommen; mittlerweile wurde bei einer Person Untersuchungshaft verhängt. Weitere Ermittlungen der Zollfahndung und der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft zu den Hintermännern laufen. Bei einer Anklage drohen den mutmaßlichen Tätern hohe Geldstrafen bzw. Freiheitsstrafen von bis zu vier Jahren Haft.