Signa-Gründer will Handwerk erlernen während Untersuchungshaft
Nach über einem Jahr U-Haft beantragt der gefallene Immobilien-Mogul René Benko eine Ausbildung zum Tischler in der Justizanstalt Josefstadt.
René Benko, der einstige Immobilien-Tycoon und Gründer der insolventen Signa-Gruppe, hat in der Justizanstalt Josefstadt um eine Arbeitsbewilligung als Tischler angesucht. Nach mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft möchte der prominente Häftling seine Zeit produktiv nutzen und das Handwerk des Tischlers erlernen.
Die Nachricht über Benkos berufliche Neuorientierung hinter Gittern überrascht viele Beobachter. Der Mann, der einst ein Immobilienimperium im Wert von mehreren Milliarden Euro aufbaute, will nun mit Holz und Werkzeugen arbeiten. Laut Informationen des Wirtschaftsmagazins "trend" wurde seinem Antrag sowohl von der Justizanstalt Josefstadt als auch von der Staatsanwaltschaft stattgegeben.
Norbert Wess, Benkos Anwalt, bestätigte gegenüber "trend", dass sich sein Mandant tatsächlich um einen Arbeitsplatz in der Tischlerei beworben hat. Diese Entscheidung markiert einen bemerkenswerten Wandel für den 47-jährigen Tiroler, der bis zu seiner Verhaftung zu den einflussreichsten Geschäftsmännern Österreichs zählte.
Bis vor kurzem war Benko nahezu vollständig mit der Bearbeitung seines umfangreichen Strafaktes beschäftigt. Die Komplexität der Vorwürfe gegen den ehemaligen Signa-Chef - darunter Betrug, Untreue und Gläubigerbegünstigung - erforderte intensive juristische Aufarbeitung. Doch nun, da keine neuen Ermittlungsstränge oder substanziellen Neuerungen mehr hinzukommen, eröffnet sich für den Untersuchungshäftling die Möglichkeit, einer regulären Beschäftigung nachzugehen.
Die Arbeit in der Gefängnis-Tischlerei bietet Benko nicht nur eine sinnvolle Beschäftigung, sondern auch die Chance, ein traditionelles Handwerk zu erlernen. In österreichischen Justizanstalten ist es üblich, dass Häftlinge verschiedene Arbeiten verrichten können - von der Küche über die Wäscherei bis hin zu handwerklichen Betrieben.
Benkos Untersuchungshaft wurde zuletzt bis April 2025 verlängert. Die Justiz begründet die weitere Haft mit Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Angesichts des Umfangs der Ermittlungen und der Komplexität des Falls ist davon auszugehen, dass sich der Prozessbeginn noch weiter verzögern könnte.
Für den einstigen Immobilien-Mogul bedeutet dies, dass er noch mehrere Monate in der Justizanstalt Josefstadt verbringen wird. Die Tischler-Ausbildung könnte ihm dabei helfen, diese Zeit strukturiert und produktiv zu nutzen, anstatt untätig in seiner Zelle zu verbringen.
Der Kontrast zu Benkos früherem Leben könnte kaum größer sein. Als Gründer und Eigentümer der Signa-Gruppe kontrollierte er ein Immobilienportfolio, das prestigeträchtige Objekte wie das KaDeWe in Berlin, die Goldener Hirsch-Gruppe in Salzburg und zahlreiche Einkaufszentren umfasste. Seine Geschäfte führten ihn regelmäßig in die Vorstandsetagen internationaler Konzerne und zu Terminen mit Politikern und Investoren.
Nun soll derselbe Mann, der einst über Milliardensummen verfügte, in einer Gefängnis-Tischlerei das Handwerk von der Pike auf lernen. Diese Wendung verdeutlicht den dramatischen Fall des einstigen Wirtschaftsstars, der lange Zeit als einer der erfolgreichsten Unternehmer Österreichs galt.
Die Staatsanwaltschaft wirft Benko schwere Wirtschaftsdelikte vor. Im Zentrum der Ermittlungen stehen Vorwürfe des Betrugs, der Untreue und der Gläubigerbegünstigung im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch seines Immobilienimperiums. Die Signa-Gruppe meldete Ende 2023 Insolvenz an, nachdem sich die finanziellen Probleme des Konzerns nicht mehr verbergen ließen.
Gläubiger und Investoren erlitten durch den Kollaps der Signa-Gruppe Verluste in Milliardenhöhe. Besonders betroffen sind auch Kleinanleger, die in Signa-Projekte investiert hatten. Die Ermittlungen konzentrieren sich darauf, ob Benko bewusst irreführende Informationen über die finanzielle Lage seiner Unternehmen verbreitet und dadurch Schäden verursacht hat.
Die Möglichkeit, in der Haft einer geregelten Arbeit nachzugehen, ist für Untersuchungshäftlinge von großer Bedeutung. Sie bietet nicht nur eine sinnvolle Beschäftigung und Struktur im Haftalltag, sondern kann auch positive Auswirkungen auf das Strafmaß haben, sollte es zu einer Verurteilung kommen. Gerichte würdigen es oft, wenn Angeklagte bereits während der U-Haft Reue und Besserungswillen zeigen.
Für Benko könnte die Tischler-Ausbildung auch symbolischen Wert haben. Sie demonstriert seine Bereitschaft, sich von seinem früheren Leben als Großunternehmer zu distanzieren und einen neuen Weg einzuschlagen. Ob diese Geste von den Richtern und der Öffentlichkeit als glaubwürdig wahrgenommen wird, bleibt abzuwarten.
Wann der Prozess gegen René Benko beginnen wird, ist noch unklar. Die Komplexität der Vorwürfe und die Vielzahl der betroffenen Unternehmen und Transaktionen erfordern eine umfassende Aufarbeitung durch die Staatsanwaltschaft. Bis dahin wird der ehemalige Immobilien-Tycoon seine Zeit in der Justizanstalt Josefstadt verbringen - möglicherweise mit Hobel und Säge in der Hand.
Die Geschichte von René Benko zeigt exemplarisch, wie schnell sich Erfolg in Misserfolg verwandeln kann. Vom gefeierten Unternehmer zum Untersuchungshäftling, der eine Handwerksausbildung anstrebt - dieser Wandel verdeutlicht die Dramatik wirtschaftlicher und persönlicher Abstürze in der modernen Geschäftswelt.