Öffentliche Gebäude hinken bei Energiestandards stark hinterher
Die Sanitär-, Heizungs- und Lüftungsbranche erholt sich langsam. Ein Drittel der Bundesgebäude wird noch fossil beheizt - hier sieht die Branche großes Potenzial.
Die österreichische Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik-Branche (SHL) zeigt nach einer längeren Rezessionsphase erste Erholungszeichen, kämpft aber weiterhin mit einer verhaltenen Marktentwicklung. Während der Neubausektor nach wie vor schwächelt, fungiert die Gebäudesanierung als wichtigster Wachstumstreiber der Branche.
"Bei vielen Betrieben kommt der Aufschwung noch nicht an. Der Neubaubereich schwächelt weiterhin. Was uns trägt, ist momentan die Sanierung – vor allem der Heizungstausch und im Sanitärbereich", erklärte Anton Berger, der seit Juni 2025 als neuer Bundesinnungsmeister der SHL-Branche fungiert. Seine Einschätzung gab er bei einem Pressegespräch im Rahmen der Energiesparmesse Wels bekannt.
Die Branche, die einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende in Österreich leisten könnte, sieht sich mit gemischten Marktbedingungen konfrontiert. Während private Haushalte zunehmend auf energieeffiziente Heizsysteme setzen, hinkt ein wichtiger Sektor deutlich hinterher: die öffentlichen Gebäude.
Eine kürzlich veröffentlichte Studie offenbart erschreckende Zahlen zum Sanierungsstand öffentlicher Gebäude in Österreich. Demnach wird ein Drittel aller Bundesgebäude im öffentlichen Eigentum weiterhin mit fossilen Brennstoffen beheizt. Noch dramatischer: Nur fünf Prozent der öffentlichen Gebäude erreichen derzeit gute Energiestandards.
"Die öffentliche Hand sollte bei ihren Gebäuden mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es darum geht, die gesetzlichen Umweltvorgaben und -ziele zu erreichen", fordert Berger. Diese Forderung gewinnt angesichts der ambitionierten Klimaziele Österreichs zusätzliche Brisanz.
Die öffentliche Hand verwaltet in Österreich einen beträchtlichen Gebäudebestand, der von Schulen und Universitäten über Krankenhäuser bis hin zu Verwaltungsgebäuden reicht. Eine konsequente Modernisierung dieser Liegenschaften könnte nicht nur erhebliche CO₂-Einsparungen bewirken, sondern auch als Signalwirkung für private Eigentümer dienen.
Die österreichische Bundesregierung hat mit der Sanierungsoffensive 2026 ein umfangreiches Förderprogramm aufgelegt. Ursprünglich setzte das Programm auf zwei Hauptinstrumente: den Kesseltausch für energieeffiziente Heizsysteme und den Bonus für thermisch-energetische Sanierungen. Für den Zeitraum von 2026 bis 2030 sind jährlich 360 Millionen Euro vorgesehen, was einem Gesamtvolumen von 1,8 Milliarden Euro entspricht.
Die Praxis zeigte jedoch ein unerwartetes Antragsverhalten: Rund zwei Drittel des Antragsvolumens entfielen seit der Neuauflage Ende November 2025 auf den Sanierungsbonus, während nur etwa ein Drittel für den Kesseltausch beantragt wurde.
Da der Kesseltausch im Vergleich deutlich höhere CO₂-Einsparungen pro eingesetzten Euro ermöglicht, erfolgte eine strategische Anpassung der Sanierungsoffensive. Seit Februar 2026 sind neue Förderanträge ausschließlich für den Kesseltausch möglich.
"Wenn wir mit dem eingesetzten Geld möglichst viel CO₂ einsparen wollen, dann ist der Kesseltausch ein starker Hebel", begründet Berger diese Entscheidung. Gleichzeitig betont er die verbesserte Planungssicherheit: "Wichtig ist auch: Die Konsumentinnen und Konsumenten und die Betriebe können endlich besser planen."
Besonders positiv bewertet der Bundesinnungsmeister die mehrjährige Perspektive der Förderperiode 2026 bis 2030. Diese Langfristigkeit ermöglicht es Unternehmen und Haushalten, ihre Investitionen besser zu planen und trägt zur Stabilisierung des Marktes bei.
Ein zusätzlicher Anreiz wurde für thermische Solaranlagen geschaffen: Bei gleichzeitigem Einbau eines förderungsfähigen Heizungssystems erhalten Antragsteller einen zusätzlichen Bonus von 2.500 Euro. Diese Maßnahme soll die Kombination verschiedener erneuerbarer Energietechnologien fördern und die Effizienz der eingesetzten Fördermittel weiter steigern.
Eine rasche und konsequente Modernisierung öffentlicher Gebäude könnte nach Einschätzung der SHL-Branche einen doppelten Verstärkungseffekt erzielen. Einerseits würde sie einen messbaren Beitrag zu den nationalen Energiezielen leisten, andererseits ein sichtbares Signal an die Bevölkerung und die Wirtschaft senden.
"Die Sanierungsoffensive schafft dafür einen finanziellen Rahmen. Entscheidend wird sein, dass die Umsetzung in der Breite gelingt und Modernisierung punktgenau dort stattfindet, wo die CO₂-Einsparungen pro Euro besonders hoch sind", so Bergers abschließende Einschätzung.
Die SHL-Branche steht vor der Herausforderung, die schwächelnde Nachfrage im Neubausektor durch verstärkte Sanierungstätigkeiten zu kompensieren. Gleichzeitig eröffnet die Fokussierung der Förderpolitik auf den Heizungstausch neue Geschäftschancen für Fachbetriebe.
Die Branche hofft, dass die verbesserte Planungssicherheit durch die mehrjährige Förderperspektive zu einer nachhaltigen Belebung des Marktes führt. Besonders die Spezialisierung auf energieeffiziente Technologien und erneuerbare Energiesysteme könnte sich als Wachstumsmotor erweisen.
Die Neuausrichtung der Sanierungsoffensive unterstreicht die zentrale Rolle, die der Gebäudesektor bei der Erreichung der österreichischen Klimaziele spielt. Mit dem Fokus auf maximale CO₂-Effizienz pro eingesetzten Fördereuro sollen die begrenzten öffentlichen Mittel optimal eingesetzt werden.
Für die SHL-Branche bedeutet dies eine klare Perspektive: Die Zukunft liegt in der effizienten Sanierung bestehender Gebäude, wobei der Austausch veralteter Heizsysteme im Mittelpunkt steht. Die öffentliche Hand ist dabei nicht nur als Fördergeber, sondern auch als Eigentümerin zahlreicher sanierungsbedürftiger Gebäude gefordert, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen."