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20 Millionen Euro liegen ungenutzt in Österreichs IT-Systemen

25. März 2026 um 07:20
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In den Serverräumen österreichischer Unternehmen schlummert ein verborgener Schatz: Während Betriebe in wirtschaftlich angespannten Zeiten jeden Euro zweimal umdrehen, übersehen viele einen million...

In den Serverräumen österreichischer Unternehmen schlummert ein verborgener Schatz: Während Betriebe in wirtschaftlich angespannten Zeiten jeden Euro zweimal umdrehen, übersehen viele einen millionenschweren Vermögenswert in ihren eigenen IT-Systemen. Software-Lizenzen im Wert von bis zu 20 Millionen Euro jährlich bleiben ungenutzt und könnten durch legalen Weiterverkauf wieder zu liquiden Mitteln werden. Diese Erkenntnis gewinnt besonders vor dem Hintergrund steigender IT-Kosten und knapper Budgets an Brisanz.

Das versteckte Millionenpotenzial in österreichischen Unternehmen

Stefan Tauchhammer, Geschäftsführer des spezialisierten Unternehmens Software ReUse, hat eine bemerkenswerte Analyse des österreichischen Software-Lizenzmarktes vorgelegt. Seine Berechnungen zeigen: Allein bei Microsoft-Perpetual-Lizenzen wird in Österreich jährlich ein Marktvolumen von etwa 90 Millionen Euro generiert. Davon entfallen rund 50 Millionen Euro auf private Unternehmen und weitere 40 Millionen Euro auf den öffentlichen Sektor.

Das Besondere an diesen Zahlen: Ein erheblicher Anteil dieser Software-Investitionen wird nicht mehr aktiv genutzt. Der Grund liegt in der fortschreitenden Digitalisierung und dem Wandel hin zu Cloud-basierten Lösungen. Wenn Unternehmen von traditionellen On-Premise-Lösungen auf moderne Cloud-Services umsteigen, bleiben die ursprünglich erworbenen Dauerlizenzen oft ungenutzt in den IT-Beständen zurück.

Rechtliche Grundlagen des Software-Lizenzhandels

Der Weiterverkauf gebrauchter Software-Lizenzen ist in der Europäischen Union seit dem wegweisenden Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem Jahr 2012 vollständig legal. Das Gericht stellte damals klar, dass das sogenannte "Erschöpfungsprinzip" auch für digitale Güter gilt. Konkret bedeutet dies: Wer eine Software-Lizenz rechtmäßig erworben hat, darf diese auch weiterverkaufen - vorausgesetzt, er nutzt sie selbst nicht mehr.

Diese rechtliche Klarstellung hat einen völlig neuen Markt geschaffen, der jedoch vielen Unternehmen noch unbekannt ist. Während in anderen Bereichen - etwa beim Handel mit gebrauchten Maschinen oder Fahrzeugen - der Weiterverkauf selbstverständlich ist, herrscht bei Software-Lizenzen oft noch Unwissen über die rechtlichen Möglichkeiten.

Konkrete Zahlen: So viel Geld bleibt liegen

Tauchammers Schätzungen zufolge könnten etwa 30 Prozent der Microsoft-Lizenzen in österreichischen Unternehmen nach einem Cloud-Umstieg weiterverkauft werden. Bei einem jährlichen Marktvolumen von 90 Millionen Euro entspricht dies einem Potenzial von 30 Millionen Euro allein bei Microsoft-Produkten. Erweitert man die Betrachtung auf andere große Software-Hersteller wie Oracle, VMware by Broadcom oder Adobe, könnte sich das Volumen sogar auf bis zu 60 Millionen Euro jährlich erhöhen.

Der tatsächliche Erlös für verkaufende Unternehmen liegt dabei typischerweise bei etwa einem Drittel des ursprünglichen Neupreises. Dies mag auf den ersten Blick bescheiden erscheinen, bedeutet aber dennoch, dass österreichische Unternehmen jährlich rund 20 Millionen Euro an gebundenem IT-Kapital wieder mobilisieren könnten - Geld, das anderweitig für Innovationen, Modernisierung oder zur Stärkung der Liquidität eingesetzt werden könnte.

Beispiele aus der Praxis: Große Einzeltransaktionen

Die Praxis zeigt, dass es sich keineswegs nur um Kleinbeträge handelt. Nach Angaben von Software ReUse lagen die größten Ankäufe bei österreichischen Unternehmen deutlich über 500.000 Euro pro Transaktion. Solche Summen können für mittelständische Betriebe einen erheblichen Liquiditätszufluss bedeuten und strategische Investitionen ermöglichen, die sonst nicht finanzierbar wären.

Besonders interessant wird das Thema für Unternehmen, die größere IT-Transformationsprojekte durchgeführt haben. Wer beispielsweise seine gesamte Office-Landschaft von lokalen Installationen auf Microsoft 365 Cloud-Services umgestellt hat, sitzt möglicherweise auf hunderten oder sogar tausenden ungenutzter Lizenzen. Diese Bestände systematisch zu erfassen und zu verwerten, kann zu erheblichen einmaligen Erlösen führen.

Warum das Potenzial oft unerkannt bleibt

Ein wesentlicher Grund für das ungenutzte Potenzial liegt in der traditionellen Betrachtungsweise von Software-Lizenzen in Unternehmen. "Viele Unternehmen betrachten Software-Lizenzen ausschließlich aus technischer Perspektive", erklärt Tauchhammer. Diese Sichtweise vernachlässigt jedoch den Vermögenswert-Charakter von Software-Lizenzen.

In der Bilanz werden Software-Lizenzen als immaterielle Vermögensgegenstände geführt und über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben. Wenn jedoch ein vorzeitiger Ausstieg aus der Nutzung erfolgt - beispielsweise durch den Wechsel zu Cloud-Lösungen - bleibt oft ein nicht abgeschriebener Restwert bestehen. Dieser kann durch den Verkauf der Lizenzen realisiert werden, was sich positiv auf das Betriebsergebnis auswirkt.

IT-Abteilungen im Wandel: Von Technik zu Business

Die zunehmende Bedeutung der IT für den Unternehmenserfolg führt auch zu einem Wandel in den IT-Abteilungen. Waren diese früher primär für die technische Funktionsfähigkeit der Systeme verantwortlich, rücken heute auch betriebswirtschaftliche Aspekte in den Fokus. Das Software Asset Management (SAM) gewinnt an Bedeutung - nicht nur zur Compliance-Sicherstellung, sondern auch zur Optimierung der IT-Investitionen.

Ein systematisches SAM umfasst die vollständige Erfassung aller Software-Lizenzen, die Überwachung ihrer Nutzung und die regelmäßige Bewertung ihrer Notwendigkeit. Unternehmen, die hier professionell vorgehen, können nicht nur Kosten sparen, sondern auch ungenutzte Werte identifizieren und verwerten.

Der österreichische Markt im internationalen Vergleich

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern steht der österreichische Markt für gebrauchte Software-Lizenzen noch am Anfang seiner Entwicklung. In Deutschland beispielsweise ist das Bewusstsein für diese Möglichkeiten bereits deutlich höher entwickelt. Dort haben sich spezialisierte Unternehmen etabliert, die den An- und Verkauf gebrauchter Software-Lizenzen professionell abwickeln.

Diese Entwicklung zeigt das Potenzial für den österreichischen Markt auf. Wenn sich hier ähnliche Strukturen entwickeln, könnte dies zu einer deutlichen Mobilisierung der aktuell ungenutzten Lizenzbestände führen. Gleichzeitig würde ein funktionierender Sekundärmarkt auch für lizenznehmende Unternehmen Vorteile bringen, da sie benötigte Software kostengünstiger erwerben könnten.

Auswirkungen auf verschiedene Branchen

Besonders profitieren könnten Branchen mit hohem IT-Modernisierungsdruck. Dazu gehören beispielsweise Banken und Versicherungen, die aufgrund regulatorischer Anforderungen regelmäßig ihre IT-Landschaften aktualisieren müssen. Auch produzierende Unternehmen, die verstärkt auf Industry 4.0-Lösungen setzen, könnten erhebliche Lizenzbestände freisetzen.

Im öffentlichen Sektor, der nach Tauchammers Schätzungen 40 Millionen Euro des jährlichen Microsoft-Lizenzvolumens ausmacht, könnte die systematische Verwertung ungenutzter Lizenzen zur Haushaltskonsolidierung beitragen. Gerade Kommunen und Länder, die unter Budgetdruck stehen, könnten durch professionelles Lizenzmanagement zusätzliche Mittel generieren.

Nachhaltigkeitsaspekte: Software-Recycling als Umweltschutz

Neben den finanziellen Vorteilen gewinnt auch der Nachhaltigkeitsaspekt an Bedeutung. Der Weiterverkauf von Software-Lizenzen entspricht dem Recycling-Gedanken in der digitalen Welt. Anstatt neue Lizenzen zu produzieren, werden bestehende weiterverwendet - ein Ansatz, der zur Ressourcenschonung beiträgt.

Dieser Aspekt wird zunehmend auch von Unternehmen berücksichtigt, die ihre Nachhaltigkeitsstrategie auch auf die IT-Beschaffung ausweiten. Der Kauf gebrauchter Software-Lizenzen kann Teil einer umfassenden Green-IT-Strategie sein und trägt zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen bei.

ESG-Kriterien und IT-Beschaffung

Die zunehmende Bedeutung von ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) in der Unternehmensführung betrifft auch die IT-Beschaffung. Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung ausbauen, können den Handel mit gebrauchten Software-Lizenzen als Beitrag zur Kreislaufwirtschaft dokumentieren. Dies kann sich positiv auf Nachhaltigkeitsratings und die Wahrnehmung durch Stakeholder auswirken.

Praktisches Vorgehen: So identifizieren Unternehmen ihr Potenzial

Für Unternehmen, die ihre Lizenzbestände analysieren möchten, empfiehlt sich ein systematisches Vorgehen. Der erste Schritt besteht in einer vollständigen Inventarisierung aller Software-Lizenzen. Dabei sollten nicht nur die aktuell genutzten Programme erfasst werden, sondern auch solche, die in der Vergangenheit angeschafft, aber mittlerweile durch andere Lösungen ersetzt wurden.

Besonders relevant sind Perpetual-Lizenzen großer Software-Hersteller. Diese Dauerlizenzen, die einmalig erworben werden und unbegrenzt gültig sind, haben auf dem Sekundärmarkt den höchsten Wert. Dazu gehören beispielsweise ältere Versionen von Microsoft Office, Windows Server, SQL Server oder Produkten von Oracle, Adobe und VMware.

Bewertung und Verkaufsprozess

Die Bewertung ungenutzter Lizenzen erfordert Fachkenntnis, da verschiedene Faktoren den Marktwert beeinflussen. Dazu gehören die Art der Lizenz, das Alter der Software, die Nachfrage auf dem Markt und die Vollständigkeit der Dokumentation. Spezialisierte Dienstleister bieten oft kostenlose Bewertungen an und können Unternehmen bei der Verwertung unterstützen.

Der eigentliche Verkaufsprozess erfordert die ordnungsgemäße Übertragung der Lizenzrechte und die Bereitstellung aller notwendigen Nachweise. Dies umfasst üblicherweise die ursprünglichen Kaufbelege, Lizenzverträge und gegebenenfalls Wartungsverträge. Eine saubere Dokumentation ist entscheidend für den erzielbaren Verkaufspreis.

Risiken und Herausforderungen

Trotz der rechtlichen Klarstellung durch den EuGH bestehen noch immer gewisse Unsicherheiten beim Handel mit gebrauchten Software-Lizenzen. Einige Software-Hersteller versuchen, den Weiterverkauf durch restriktive Lizenzbestimmungen zu erschweren oder verweigern die Unterstützung bei übertragenen Lizenzen.

Unternehmen sollten daher bei der Verwertung ihrer Lizenzbestände auf die Zusammenarbeit mit erfahrenen Partnern setzen, die die rechtlichen Fallstricke kennen und sicherstellen können, dass alle Übertragungen ordnungsgemäß erfolgen. Eine unsaubere Abwicklung kann zu rechtlichen Problemen oder zu Problemen bei zukünftigen Software-Audits führen.

Compliance und Audit-Sicherheit

Ein wichtiger Aspekt beim Verkauf von Software-Lizenzen ist die Sicherstellung, dass keine Compliance-Probleme entstehen. Bevor Lizenzen veräußert werden, muss zweifelsfrei feststehen, dass die entsprechende Software nicht mehr verwendet wird. Dies erfordert oft eine Deinstallation der Software von allen Systemen und die Löschung aller Kopien.

Unternehmen, die regelmäßig Software-Audits durchlaufen, müssen besonders sorgfältig vorgehen. Die Dokumentation über verkaufte Lizenzen muss vollständig und nachvollziehbar sein, um bei zukünftigen Prüfungen keine Probleme zu verursachen.

Zukunftsperspektiven: Ein wachsender Markt

Experten gehen davon aus, dass der Markt für gebrauchte Software-Lizenzen in den kommenden Jahren deutlich wachsen wird. Mehrere Trends unterstützen diese Entwicklung: Die fortschreitende Digitalisierung führt zu häufigeren Systemwechseln, wodurch mehr Lizenzen für den Weiterverkauf verfügbar werden. Gleichzeitig steigt das Bewusstsein für die Verwertungsmöglichkeiten.

Auch die zunehmende Professionalisierung des Lizenzmanagements in Unternehmen trägt zu dieser Entwicklung bei. Software Asset Management wird von einem "Nice-to-have" zu einer betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit, und die Verwertung ungenutzter Lizenzen wird Teil dieser Disziplin.

Auswirkungen der Cloud-Transformation

Die anhaltende Migration in Cloud-Umgebungen wird voraussichtlich zu einem weiteren Anstieg verfügbarer Lizenzen führen. Viele Unternehmen befinden sich noch mitten in diesem Transformationsprozess, sodass in den kommenden Jahren erhebliche Mengen an On-Premise-Lizenzen freigesetzt werden könnten.

Gleichzeitig entwickeln sich auch neue Geschäftsmodelle im Bereich des Lizenzmanagements. Einige Dienstleister bieten bereits Services an, die über den reinen Ankauf hinausgehen und Unternehmen bei der strategischen Optimierung ihrer Software-Portfolios unterstützen.

Handlungsempfehlungen für österreichische Unternehmen

Angesichts des erheblichen finanziellen Potenzials sollten österreichische Unternehmen ihre Software-Lizenzbestände systematisch überprüfen. Besonders Betriebe, die in den letzten Jahren größere IT-Modernisierungsprojekte durchgeführt haben, könnten von einer solchen Analyse profitieren.

Ein erster Schritt kann eine kostenlose Potenzialanalyse durch spezialisierte Dienstleister sein. Diese können schnell einschätzen, ob sich eine detailliertere Untersuchung der Lizenzbestände lohnt. Bei positivem Ergebnis können dann konkrete Schritte zur Verwertung eingeleitet werden.

Langfristig empfiehlt sich der Aufbau eines systematischen Software Asset Managements, das nicht nur die Compliance sicherstellt, sondern auch kontinuierlich Optimierungspotenziale identifiziert. Dies kann dazu beitragen, dass zukünftig weniger "tote" Lizenzen entstehen und IT-Investitionen effizienter genutzt werden.

In einer Zeit, in der jeder Euro zählt und Unternehmen nach Möglichkeiten suchen, ihre Effizienz zu steigern, könnte der Blick in die eigenen Serverräume durchaus lohnenswert sein. Die dort schlummernden Millionenwerte warten darauf, entdeckt und wieder in produktive Verwendung überführt zu werden.

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