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Frauen in der IT: Wien kämpft gegen Unterrepräsentation

UBIT Wien setzt auf gezielte Maßnahmen gegen Fachkräftemangel

5. März 2026 um 09:42
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Nur jede vierte IT-Fachkraft in Österreich ist weiblich. Die Wirtschaftskammer Wien startet Initiativen für mehr Diversität in der Branche.

Die Informationstechnologie-Branche in Österreich steht vor einem Paradoxon: Während der Fachkräftemangel dramatische Ausmaße annimmt, bleiben Frauen in diesem Sektor nach wie vor stark unterrepräsentiert. Allein in Wien fehlen aktuell 6.000 IT-Fachkräfte – gleichzeitig wird nur jeder vierte Job in der IT-Branche von einer Frau ausgeübt.

Geringe Steigerung trotz Hochschulabsolventinnen

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Obwohl die Mehrheit der österreichischen Hochschulabsolventen weiblich ist, liegt der Frauenanteil bei IKT-Studien zwischen 2013 und 2022 bei lediglich knapp 20 Prozent. Das entspricht einer bescheidenen Steigerung von nur etwa 5 Prozentpunkten in einem Jahrzehnt.

Im internationalen Vergleich positioniert sich Österreich damit im Mittelfeld der OECD-Staaten. Andere Länder haben jedoch deutlich bessere Fortschritte erzielt: Finnland erreicht bereits 24 Prozent Frauenanteil in IKT-Studien, Israel sogar beeindruckende 33 Prozent. Diese Beispiele zeigen, dass ein drastischerer Zuwachs möglich ist.

Wirtschaftskammer Wien: Hoher Handlungsbedarf

Auch in der Wiener Wirtschaftskammer spiegelt sich diese Problematik wider. In der Berufsgruppe IT der Fachgruppe UBIT mit über 10.400 Mitgliedern ist nur etwa jedes neunte Mitglied weiblich. In der gesamten Fachgruppe UBIT werden 13.800 Männer und knapp 4.400 Frauen gezählt – ein Verhältnis, das die Branche zum Handeln auffordert.

"Als Berufsgruppensprecher sehe ich es als meine Aufgabe, alle Mitglieder unabhängig von ihrem Geschlecht bestmöglich zu vertreten", erklärt Rüdiger Linhart, Berufsgruppensprecher IT der Fachgruppe UBIT Wien. "In Branchen wie der IT sind Frauen leider noch unterrepräsentiert. Gleichzeitig erleben wir nach wie vor einen akuten Fachkräftemangel. Das möchte ich zusammen mit dem Know-how meiner Kolleginnen ändern."

Frauen als Erfolgsfaktor für Innovation

Linhart betont die strategische Bedeutung weiblicher Fachkräfte: "Die weibliche Seite der IT ist ein zentraler Erfolgsfaktor für Innovation, Diversität und nachhaltiges Wachstum." Diese Einschätzung unterstreicht, dass es nicht nur um Gleichberechtigung geht, sondern um wirtschaftliche Notwendigkeit in einer innovationsgetriebenen Branche.

Die Unterrepräsentation von Frauen in der IT hat weitreichende Folgen für die gesamte Wirtschaft. Studien zeigen, dass diverse Teams bessere Problemlösungen entwickeln und innovativer arbeiten. In einer Zeit, in der digitale Transformation alle Bereiche durchdringt, kann sich Österreich den Verzicht auf weibliche Talente kaum leisten.

Gezielte Maßnahmen: Woman Business Breakfast

Um dieser Herausforderung zu begegnen, setzt die UBIT Wien auf konkrete Initiativen. Das Woman Business Breakfast am 17. Februar war ein Beispiel für gezielte Maßnahmen, um Frauen in der Branche zu vernetzen und ihre Perspektiven einzubinden.

"Formate wie das Woman Business Breakfast bieten den perfekten Rahmen, um gemeinsam die Bedürfnisse von Unternehmerinnen zu diskutieren und aufzuzeigen, mit welcher Fachkompetenz wir die Branche bereits maßgeblich mitgestalten", erläutert Andrea Dobida, stellvertretende Berufsgruppensprecherin IT der Fachgruppe UBIT Wien. "Das ist ein starkes Zeichen für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der IT."

Austausch zwischen erfahrenen Unternehmerinnen

Bei solchen Veranstaltungen diskutieren erfahrene Gründerinnen und Unternehmerinnen über die Bedürfnisse der Branche und entwickeln Strategien, um mehr Frauen für die IT zu begeistern. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf der Rekrutierung, sondern auch auf der Förderung und dem Retention bereits tätiger Frauen in der Branche.

Diese Workshops und Veranstaltungsformate zielen darauf ab, ein unterstützendes Netzwerk zu schaffen, das Frauen in verschiedenen Karrierephasen begleitet. Von der Studienorientierung über den Berufseinstieg bis hin zur Unternehmensgründung sollen spezifische Angebote entwickelt werden.

Wirtschaftliche Bedeutung der UBIT Wien

Die Relevanz dieser Initiativen wird durch die wirtschaftliche Bedeutung der Fachgruppe unterstrichen. Mit rund 27.500 Mitgliedern ist die Wiener Fachgruppe für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) die größte Fachgruppe Österreichs. Ihre Mitglieder sind mittlerweile für rund 15 Prozent der Wiener Wirtschaftsleistung verantwortlich.

Als Servicestelle und Branchennetzwerk organisiert die Fachgruppe regelmäßig Informationsveranstaltungen und Weiterbildungsseminare. Zudem engagiert sie sich dafür, Wien als attraktiven Standort für wissensbasierte Dienstleistungen zu etablieren und die Öffentlichkeit über den Wert ihrer Mitglieder zu informieren.

Herausforderungen und Chancen

Die niedrige Frauenquote in der IT ist kein rein österreichisches Phänomen, sondern ein globales Problem. Stereotype, fehlende Vorbilder und strukturelle Barrieren halten viele Frauen davon ab, eine Karriere in der Technologie zu verfolgen. Gleichzeitig bietet die Branche hervorragende Karrierechancen, überdurchschnittliche Gehälter und flexible Arbeitsmodelle.

Die COVID-19-Pandemie hat zusätzlich gezeigt, wie wichtig digitale Kompetenzen und IT-Infrastruktur sind. Dies könnte eine Chance sein, mehr Menschen – insbesondere Frauen – für technische Berufe zu begeistern und auf die vielfältigen Möglichkeiten in der IT-Branche aufmerksam zu machen.

Langfristige Strategien notwendig

Experten betonen, dass einzelne Veranstaltungen zwar wichtig sind, aber langfristige Strategien erforderlich sind, um nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Dazu gehören Programme zur Berufsorientierung in Schulen, Mentoring-Programme, flexible Arbeitsmodelle und eine Kultur, die Diversität nicht nur toleriert, sondern aktiv fördert.

Die UBIT Wien zeigt mit ihren Initiativen, dass die Branche das Problem erkannt hat und aktiv gegensteuert. Ob diese Bemühungen jedoch ausreichen, um den Fachkräftemangel zu lindern und mehr Frauen für die IT zu gewinnen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Die Herausforderung ist groß, aber die Chancen sind es auch. Eine diversere IT-Branche könnte nicht nur den Fachkräftemangel lindern, sondern auch zu innovativeren Lösungen und einer stärkeren Wirtschaft beitragen. Wien und Österreich haben die Chance, in diesem Bereich eine Vorreiterrolle zu übernehmen.

Schlagworte

#IT#Frauen#Fachkräftemangel#Wien#UBIT#Wirtschaftskammer#Diversität#Technologie

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