Tankstellenpreise steigen deutlich schneller als Rohölkosten rechtfertigen
Binnen einer Woche kletterten die Spritpreise um bis zu 17 Cent. Der ÖAMTC sieht die Preissteigerungen als unverhältnismäßig an.
Die österreichischen Autofahrer müssen sich auf deutlich höhere Spritkosten einstellen. Wie der ÖAMTC berichtet, sind die Treibstoffpreise an den heimischen Tankstellen innerhalb kürzester Zeit drastisch angestiegen. Der Dieselpreis erhöhte sich binnen einer Woche um 17 Cent auf durchschnittlich 1,739 Euro pro Liter, während Super um 12 Cent auf 1,639 Euro kletterte.
Bereits im Februar deuteten sich die aktuellen Entwicklungen an. Damals verteuerte sich Diesel um 4,1 Cent auf 1,529 Euro pro Liter, Super stieg um 2,9 Cent auf 1,484 Euro. Diese Preissteigerungen erwiesen sich als Vorboten der Eskalation im Nahen Osten, die mit den Kampfhandlungen im und um den Iran ihren Höhepunkt fand.
Der ÖAMTC kritisiert die schnelle Reaktion der Tankstellenpreise auf die geopolitischen Entwicklungen als unverhältnismäßig. Während die Preiserhöhungen sofort an die Konsumenten weitergegeben wurden, warteten diese monatelang vergeblich auf eine faire Weitergabe gesunkener Rohölpreise.
Besonders auffällig ist die Diskrepanz beim Jahresvergleich: Der aktuelle Erdölpreis bewegt sich etwa auf dem Niveau vom Jänner 2025, dennoch lagen die Tankstellenpreise damals – insbesondere bei Diesel – spürbar unter den heutigen Werten. Diese Entwicklung wirft Fragen zur Preisgestaltung der Mineralölkonzerne auf.
"Die schnelle und für alle spürbare Reaktion an den Tankstellen auf den gestiegenen Rohölpreis ist nur bedingt nachvollziehbar", erklärt der ÖAMTC. Die Preissteigerungen erfolgten in deutlich höherem Ausmaß, als es der Rohölpreis erwarten lassen würde.
Die asymmetrische Preispolitik der Mineralölbranche wird besonders deutlich: Während Preiserhöhungen sofort und vollständig weitergegeben werden, profitieren Konsumenten kaum von sinkenden Rohölkosten. Diese Praxis führt zu einer kontinuierlichen Mehrbelastung der österreichischen Autofahrer.
Wie schon in der Vergangenheit reagiert der Dieselpreis sensibler auf geopolitische Krisen als Benzin. Diese Entwicklung hat sich seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 verstärkt. In 37 von 48 Monaten war Diesel das teurere Produkt an Österreichs Zapfsäulen.
Im Durchschnitt lag der Dieselpreis in diesem Zeitraum etwa fünf Cent pro Liter über dem Benzinpreis. Aktuell beträgt die Differenz bereits zehn Cent – ein deutliches Zeichen für die überproportionale Reaktion des Dieselmarkts auf externe Schocks.
Die höheren Dieselpreise treffen besonders Gewerbetreibende, Pendler und Besitzer von Dieselfahrzeugen. Diesel gilt traditionell als Kraftstoff für Nutzfahrzeuge und wird häufig von Vielfahrern gewählt. Die überproportionalen Preissteigerungen führen daher zu erheblichen Mehrkosten in der Logistikbranche und bei Berufspendlern.
Die aktuellen Preissteigerungen stehen in direktem Zusammenhang mit der Eskalation im Nahen Osten. Die Region spielt eine zentrale Rolle in der globalen Ölversorgung, wodurch geopolitische Spannungen unmittelbare Auswirkungen auf die Energiemärkte haben.
Die Märkte reagieren bereits auf die Sorge vor Versorgungsengpässen, obwohl die tatsächlichen Lieferungen bisher nicht unterbrochen wurden. Diese spekulative Komponente verstärkt die Preisvolatilität zusätzlich.
Der Automobilclub sieht trotz der aktuellen Eskalation im Nahen Osten "jegliche Verhältnismäßigkeit" als nicht gegeben an. Die Organisation fordert mehr Transparenz bei der Preisgestaltung und eine fairere Weitergabe sowohl von Preissteigerungen als auch -senkungen.
Für österreichische Autofahrer bedeuten die aktuellen Entwicklungen eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung. Bei einem durchschnittlichen Tankvolumen von 50 Litern entspricht der wöchentliche Preisanstieg zusätzlichen Kosten von 8,50 Euro bei Diesel und 6 Euro bei Super pro Tankfüllung.
Experten rechnen mit anhaltend volatilen Treibstoffpreisen, solange die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten bestehen. Autofahrer sollten daher ihre Fahrgewohnheiten überprüfen und gegebenenfalls auf alternative Verkehrsmittel oder effizientere Fahrzeuge umsteigen.
Der ÖAMTC empfiehlt, Tankstellen zu vergleichen und günstige Zeiten zu nutzen. Viele Tankstellen bieten in den frühen Morgenstunden oder späten Abendstunden niedrigere Preise an. Auch Tankkarten und Rabattaktionen können die Mehrkosten reduzieren.