Jedenspeigen wird Meilenstein für ökologische Grünraumpflege in NÖ
Mit Jedenspeigen erreicht die NÖ Umweltbewegung einen historischen Meilenstein: 500 von 573 Gemeinden verzichten auf Chemie im Garten.
Die niederösterreichische Umweltbewegung "Natur im Garten" hat einen bemerkenswerten Meilenstein erreicht: Mit dem Beitritt der Gemeinde Jedenspeigen im Bezirk Gänserndorf sind nun 500 der insgesamt 573 niederösterreichischen Städte und Gemeinden Teil dieser Initiative. Das entspricht einer beeindruckenden Quote von über 87 Prozent aller Gemeinden im Bundesland.
Die Teilnahme an der "Natur im Garten"-Bewegung bedeutet für die Gemeinden eine klare Selbstverpflichtung: Der komplette Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie auf Torf in der kommunalen Grünraumpflege. Stattdessen setzen die Partnergemeinden auf naturnahe Gestaltung, die gezielte Förderung der Artenvielfalt und einen bewussten, nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen.
"500 'Natur im Garten' Partnergemeinden – das sind 500 starke Signale für mehr Artenvielfalt, für Nachhaltigkeit und für ein ökologisches Niederösterreich", betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bei der feierlichen Übergabe der Gemeinde-Tafel an Jedenspeigen. "Mit dem Beitritt der 500. Gemeinde zeigt unser Bundesland einmal mehr, dass Umwelt-, Klima- und Artenschutz direkt vor der Haustüre beginnen – im eigenen Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse und auf unseren öffentlichen Grünflächen."
Für die Marktgemeinde Jedenspeigen, die rund 1.100 Einwohner zählt und im Marchfeld liegt, war die Entscheidung zum Beitritt eine bewusste Weichenstellung für die Zukunft. Bürgermeister Alfred Kridlo zeigte sich stolz über die besondere Auszeichnung: "Es ist uns eine große Ehre, die 500. 'Natur im Garten' Gemeinde in Niederösterreich zu sein. Unsere Entscheidung war eine bewusste: für gesunde Lebensräume, für mehr Lebensqualität und für eine klimafitte Zukunft."
Die Gemeinde Jedenspeigen, bekannt für ihre historische Bedeutung als Schauplatz einer Schlacht zwischen Rudolf von Habsburg und Ottokar II. von Böhmen im Jahr 1278, setzt nun auch in der Gegenwart wichtige Zeichen – diesmal für den Umwelt- und Klimaschutz.
Die "Natur im Garten"-Initiative beschränkt sich nicht nur auf symbolische Bekenntnisse. Die Organisation bietet den Partnergemeinden und deren Bürgern eine Vielzahl konkreter Beratungsangebote und praktische Unterstützung bei der Umsetzung nachhaltiger Grünraumprojekte. Diese reichen von der Planung naturnaher Gartenanlagen über die Auswahl geeigneter Pflanzen bis hin zu Schulungen für Gemeindebedienstete im Bereich der ökologischen Grünraumpflege.
Besonders wichtig ist dabei die Wissensvermittlung über Alternativen zu chemischen Pflanzenschutz- und Düngemitteln. Biologische Schädlingsbekämpfung, Kompostierung, Mulchen und die Förderung von Nützlingen sind nur einige der Methoden, die in den Gemeinden erfolgreich angewendet werden.
Die konsequente Umsetzung der "Natur im Garten"-Prinzipien zeigt bereits messbare Erfolge. Durch den Verzicht auf chemische Substanzen wird nicht nur die Biodiversität in den Gemeinden gefördert, sondern auch die Umwelt nachhaltig geschützt. Gleichzeitig verbessert sich das Klima in den Siedlungsräumen, was direkte positive Auswirkungen auf die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger hat.
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass in "Natur im Garten"-Gemeinden eine deutlich höhere Artenvielfalt bei Insekten, Vögeln und anderen Tieren zu beobachten ist. Besonders Bienen und andere bestäubende Insekten profitieren von den naturnahen Grünflächen und dem Verzicht auf Pestizide.
Mit 500 Partnergemeinden hat sich Niederösterreich als führende Region im Bereich der nachhaltigen Grünraumpflege in Europa etabliert. Landeshauptfrau Mikl-Leitner betonte die Ambition, Niederösterreich zum "Gartenland Nummer 1 in Europa" zu entwickeln. Diese Zielsetzung scheint durchaus realistisch, wenn man die hohe Beteiligung der Gemeinden und das kontinuierliche Wachstum der Bewegung betrachtet.
Die Initiative strahlt bereits über die Landesgrenzen hinaus und dient anderen Regionen als Vorbild für ähnliche Programme. Delegationen aus verschiedenen europäischen Ländern informieren sich regelmäßig über die niederösterreichischen Erfahrungen und Erfolge.
Trotz der beeindruckenden Erfolge stehen die "Natur im Garten"-Gemeinden vor verschiedenen Herausforderungen. Der Klimawandel mit längeren Trockenperioden und extremen Wetterereignissen erfordert neue Strategien in der Grünraumpflege. Hier setzt die Initiative auf klimafitte Pflanzen, wassersparende Bewässerungssysteme und die Schaffung von Mikroklimaten in den Siedlungsräumen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die kontinuierliche Bewusstseinsbildung bei den Bürgerinnen und Bürgern. Während die Gemeinden als Vorbilder vorangehen, ist es entscheidend, dass auch private Gärtner die Prinzipien der naturnahen Gartenpflege übernehmen.
Neben den ökologischen Vorteilen bringt die Teilnahme an der "Natur im Garten"-Bewegung auch wirtschaftliche Benefite für die Gemeinden. Langfristig führt der Verzicht auf teure chemische Mittel zu Kosteneinsparungen. Gleichzeitig können naturnahe Grünflächen oft mit geringerem Pflegeaufwand bewirtschaftet werden, da sie sich selbst regulierende Ökosysteme darstellen.
Darüber hinaus steigert die Attraktivität naturnaher Gemeinden den Tourismus und macht sie als Wohnorte besonders begehrt. Dies wirkt sich positiv auf die Gemeindefinanzen und die lokale Wirtschaft aus.
Mit dem Erreichen der 500-Gemeinden-Marke ist die "Natur im Garten"-Bewegung noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt. Das Ziel ist es, alle 573 niederösterreichischen Gemeinden für die Teilnahme zu gewinnen. Parallel dazu wird kontinuierlich an der Weiterentwicklung und Verbesserung der angebotenen Programme und Beratungsleistungen gearbeitet.
Die Initiative plant außerdem, ihre Aktivitäten noch stärker auf die Bereiche Klimawandelanpassung und Klimaschutz auszurichten. Neue Projekte zur CO2-Bindung in Grünflächen und zur Stärkung der Klimaresilienz von Gemeinden stehen bereits in der Entwicklung.
Interessierte Gemeinden und Privatpersonen können sich auf der Website www.naturimgarten.at über die Möglichkeiten einer Teilnahme informieren und Beratungsangebote in Anspruch nehmen. Die 500. Gemeinde Jedenspeigen zeigt eindrucksvoll, dass auch kleinere Kommunen einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten können.