Neue Umfrage zeigt Diskrepanz zwischen medizinischer Realität und gesellschaftlicher Wahrnehmung
Jede fünfte Person in Österreich ist betroffen, doch die Hälfte der Bevölkerung sieht Adipositas noch immer als individuelles Versagen.
"Reiß' dich zusammen!" - Sätze wie dieser prägen noch immer den Umgang mit Menschen, die an Adipositas leiden. Dabei ist längst wissenschaftlich belegt: Adipositas ist eine chronische, komplexe Erkrankung mit vielfältigen Ursachen und weitreichenden gesundheitlichen Folgen. Dennoch herrscht in der österreichischen Gesellschaft ein grundlegendes Missverständnis über diese Erkrankung vor.
Eine aktuelle repräsentative Umfrage von IMAS International offenbart eine besorgniserregende Diskrepanz in der österreichischen Gesellschaft. "Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sieht die Hauptverantwortung beim Einzelnen. Gleichzeitig betrifft Adipositas rund jede fünfte Person im Land", erklärt DDr. Paul Eiselsberg, Senior Research Director bei IMAS International.
Diese Zahlen verdeutlichen ein gesellschaftliches Problem: Während wissenschaftliche Erkenntnisse Adipositas als komplexe Erkrankung definieren, hält sich in der Bevölkerung hartnäckig die Vorstellung, es handle sich um mangelnde Selbstdisziplin oder Willensschwäche.
Die Diskrepanz zwischen medizinischer Realität und gesellschaftlicher Wahrnehmung hat weitreichende Konsequenzen. Sie beeinflusst nicht nur, wie Betroffene über sich selbst denken, sondern auch ihre Behandlung im Alltag und den Zugang zu therapeutischer Unterstützung.
Menschen mit Adipositas sehen sich oft mit Vorurteilen, Diskriminierung und sozialer Stigmatisierung konfrontiert. Dies kann zu einer Verstärkung der Erkrankung führen, da psychische Belastungen wie Scham und soziale Isolation weitere Risikofaktoren darstellen.
Die gesellschaftliche Stigmatisierung hat konkrete Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen:
"Adipositas ist keine Lifestyle-Frage, sondern eine chronische Erkrankung", betont Dr.in Bianca-Karla Itariu, Fachärztin für Innere Medizin. "Wir müssen aufhören, Schuld zuzuweisen und beginnen, evidenzbasiert zu handeln."
Die medizinische Fachwelt ist sich einig: Adipositas entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dazu gehören genetische Veranlagung, hormonelle Störungen, Medikamenteneinnahme, psychische Faktoren und Umwelteinflüsse.
Die Entstehung von Adipositas ist multifaktoriell und kann verschiedene Ursachen haben:
Die moderne Medizin fordert einen Paradigmenwechsel: Weg von moralischen Urteilen, hin zu ganzheitlicher, evidenzbasierter Behandlung. Adipositas erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der medizinische, psychologische und soziale Aspekte berücksichtigt.
"Adipositas verdient dieselbe medizinische Ernsthaftigkeit wie andere chronische Erkrankungen auch", erklärt Mario Haller, Geschäftsführer von Lilly Österreich. "Dazu gehören Aufklärung, Zugang zu Therapieoptionen und ein respektvoller Umgang mit Menschen."
Eine erfolgreiche Adipositas-Behandlung umfasst heute verschiedene Komponenten:
Seit 150 Jahren steht das Pharmaunternehmen Lilly für medizinische Innovation - in Österreich bereits seit 50 Jahren. Das Unternehmen sieht es als Verantwortung an, auch gesellschaftliche Narrative zu hinterfragen und chronische Erkrankungen angemessen zu behandeln.
Anlässlich des Welt-Adipositas-Tages setzt sich Lilly Österreich für eine sachliche, entstigmatisierende Diskussion ein, die auf aktuellen wissenschaftlichen Daten und medizinischer Expertise basiert.
Um die Situation von Menschen mit Adipositas in Österreich zu verbessern, ist ein gesellschaftlicher Wandel erforderlich. Dies umfasst sowohl die Aufklärung der Bevölkerung als auch strukturelle Veränderungen im Gesundheitssystem.
Experten fordern konkrete Maßnahmen:
Der Welt-Adipositas-Tag 2026 könnte ein wichtiger Wendepunkt in der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Adipositas werden. Die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen deutlich, wo Handlungsbedarf besteht.
Es ist Zeit, überholte Vorstellungen zu überwinden und Menschen mit Adipositas die medizinische Unterstützung und gesellschaftliche Akzeptanz zu bieten, die sie verdienen. Nur durch einen respektvollen, wissenschaftlich fundierten Umgang kann es gelingen, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und präventive Maßnahmen zu stärken.
Die Umfrageergebnisse von IMAS International basieren auf einer repräsentativen Befragung von 1.005 Personen der österreichischen Bevölkerung im Alter von 18 bis 69 Jahren und liefern wichtige Erkenntnisse für weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Stigmatisierung von Adipositas.