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Nahost-Krise: Wiener Reisebüros warnen vor Online-Buchungen

Pauschalreisen bieten besseren Schutz bei Flugausfällen

3. März 2026 um 11:21
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Bei Pauschalreisen erhalten Kunden ihr Geld zurück, wenn Flüge ausfallen. Online-Einzelbuchungen bieten weniger Schutz, warnt die Wirtschaftskammer.

Die angespannte Lage im Nahen Osten sorgt derzeit bei vielen Wiener Urlaubern für Unsicherheit. Flugverbindungen über die Golfregion sind teilweise unterbrochen oder unsicher geworden, was Reisende vor die Frage stellt: Was passiert mit meinem gebuchten Urlaub und vor allem mit meinem Geld?

Pauschalreisen bieten vollen Schutz

"Kommt der Urlaub nicht zustande, weil es die Flüge nicht gibt und der Veranstalter keinen Alternativflug anbieten kann, bekommt man sein Geld zurück", erklärt Gregor Kadanka, Obmann der Fachgruppe Reisebüros in der Wirtschaftskammer Wien. Diese Regelung gilt für alle Pauschalreisen, die über ein Reisebüro gebucht wurden.

Der Grund liegt in der europäischen Pauschalreiserichtlinie, die Verbraucher umfassend schützt. Bei einer Pauschalreise handelt es sich um ein Gesamtpaket aus mindestens zwei verschiedenen Reiseleistungen wie Flug und Hotel, die zu einem Gesamtpreis angeboten werden. Der Veranstalter trägt dabei die Verantwortung für die gesamte Reise.

Online-Einzelbuchungen bergen Risiken

Deutlich schlechter sieht die Situation für Reisende aus, die ihre Urlaube selbst zusammenstellen und einzelne Komponenten separat buchen. "Hat man den Flug direkt bei der Airline gebucht und auch das Hotel etwa über eine Buchungsplattform im Internet, greift die Pauschalreiserichtlinie nicht", warnt Kadanka.

In solchen Fällen müssen Reisende mit finanziellen Verlusten rechnen. Zwar erstatten Airlines in der Regel die Kosten für ausgefallene Flüge, jedoch bleiben die Hotelkosten bestehen. "Das Hotel in Thailand, auf den Malediven oder wo man auch hinfliegen wollte, hat ja offen und hält das Zimmer bereit", erläutert der Experte die Problematik.

Rechtliche Unterschiede bei Buchungsarten

Der Unterschied liegt in der rechtlichen Behandlung der verschiedenen Buchungsformen. Bei Einzelbuchungen entstehen separate Verträge mit verschiedenen Anbietern - einen mit der Fluggesellschaft und einen anderen mit dem Hotel oder der Buchungsplattform. Jeder Vertragspartner ist nur für seinen Teil der Reise verantwortlich.

Bei Pauschalreisen hingegen gibt es nur einen Vertragspartner - den Reiseveranstalter oder das Reisebüro. Dieser ist verpflichtet, die gesamte Reise zu ermöglichen oder bei Unmöglichkeit den vollständigen Reisepreis zu erstatten.

Reisebüros als Problemlöser

Kadanka empfiehlt daher, auch individuell zusammengestellte Reisen über ein Reisebüro zu buchen. "Wenn man im Reisebüro sagt mit welcher Airline man in welches Hotel will und das Reisebüro stellt diesen Urlaub dann zusammen und legt dafür eine Gesamtrechnung, wird der Urlaub zur Pauschalreise."

Dieser Ansatz bietet mehrere Vorteile: Das Reisebüro wird zunächst versuchen, alternative Flugverbindungen zu finden. Sollte dies nicht möglich sein, erhalten Kunden den gesamten Reisepreis zurück - nicht nur den Fluganteil.

Aktuelle Herausforderungen durch die Nahost-Krise

Die derzeitige Situation im Nahen Osten zeigt exemplarisch, wie schnell sich Reisebedingungen ändern können. Viele Airlines meiden den Luftraum über der Region oder streichen Verbindungen komplett. Besonders betroffen sind Langstreckenflüge nach Asien, die normalerweise über die Golfstaaten führen.

Für Österreicher, die in den kommenden Wochen Fernreisen geplant haben, bedeutet dies erhebliche Unsicherheit. Die Buchungsart entscheidet dabei maßgeblich darüber, ob sie finanziell abgesichert sind oder auf Kosten sitzenbleiben.

Präventive Maßnahmen für Reisende

Experten raten dazu, bei der Reisebuchung nicht nur auf den Preis zu schauen, sondern auch die rechtlichen Absicherungen zu berücksichtigen. Eine Reiseversicherung kann zwar helfen, deckt aber nicht alle Eventualitäten ab, die durch die Pauschalreiserichtlinie abgedeckt sind.

Wer bereits Einzelbuchungen vorgenommen hat, sollte die Stornobedingungen der jeweiligen Anbieter prüfen. Manche Hotels bieten kulante Regelungen bei außergewöhnlichen Umständen, rechtlich verpflichtet sind sie dazu jedoch nicht.

Langfristige Auswirkungen auf die Reisebranche

Die aktuelle Krise verdeutlicht die Bedeutung professioneller Reiseberatung. Während Online-Portale mit günstigen Preisen werben, zeigt sich in Krisensituationen der Wert persönlicher Betreuung und rechtlicher Absicherung.

Reisebüros haben zudem bessere Möglichkeiten, schnell auf veränderte Bedingungen zu reagieren und alternative Lösungen zu finden. Sie verfügen über direkte Kontakte zu Airlines und Hotels und können oft kulante Regelungen aushandeln.

Die Wirtschaftskammer Wien appelliert daher an Reisende, bei künftigen Buchungen die Vorteile professioneller Reisevermittlung zu berücksichtigen. Gerade in unsicheren Zeiten zahlt sich die Investition in eine ordnungsgemäße Pauschalreise aus, auch wenn sie zunächst etwas teurer erscheinen mag.

Schlagworte

#Reisebüros#Nahost-Krise#Pauschalreisen#Wien#Reiserecht

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