Nationalratspräsident Rosenkranz betont Bedeutung von Barrierefreiheit als Qualitätsmerkmal der Demokratie – 1.000 innovative Lösungen weltweit ausgezeichnet
Die Auftaktveranstaltung zur Zero Project Conference 2026 im Parlament rückt Innovationen für mehr Inklusion in den Fokus. Abgeordnete aller Fraktionen unterstützen ausgewählte Projekte.
Das österreichische Parlament wurde am heutigen Tag zum Schauplatz eines besonderen Ereignisses: Die Auftaktveranstaltung zur Zero Project Conference 2026 brachte internationale Expertinnen und Experten zusammen, um über Lösungen für eine barrierefreie Gesellschaft zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen dabei fünf ausgewählte Innovationen, die zur Stärkung der Inklusion in Österreich beitragen sollen.
Nationalratspräsident Walter Rosenkranz eröffnete die Veranstaltung mit deutlichen Worten zur Bedeutung von Inklusion für das gesellschaftliche Zusammenleben. Eine inklusive Gesellschaft sei nicht nur gerechter, sondern auch innovativer, widerstandsfähiger und menschlicher, betonte er in seinen Eröffnungsworten. Der Nationalratspräsident ging noch einen Schritt weiter und bezeichnete Inklusion und Barrierefreiheit als "Gradmesser für die Qualität der Demokratie".
Das Zero Project würdigte Rosenkranz als "Mutmacher" für Inklusion, Barrierefreiheit und Selbstbestimmtheit. Einen besonderen Mehrwert leiste die Initiative auch für die Eingliederung von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt. In diesem Zusammenhang unterstrich der Nationalratspräsident, dass Inklusion kein Randthema sei, sondern eine gemeinsame Aufgabe, die über politische Unterschiede hinweg verbinde.
Als besonders emotionalen Moment hob Rosenkranz die erstmalige Anwendung einer KI-Sprachunterstützung im Plenum des Nationalrats hervor. Im Dezember 2025 konnte der ÖVP-Abgeordnete Klaus Fürlinger mithilfe dieser Technologie am parlamentarischen Diskurs teilnehmen. Der Nationalratspräsident bezeichnete dies als "große emotionale Sternstunde" und als weiteres "Mosaiksteinchen" für mehr Barrierefreiheit im Hohen Haus.
Gerade im Parlament, das vom gesprochenen Wort, Argument und Dialog lebe, sei diese technologische Unterstützung von besonderer Bedeutung, erklärte Rosenkranz. Die Sichtbarmachung der Innovationen durch die Abgeordneten nannte er ein "starkes Signal" für barrierefreie und selbstbestimmte Kommunikation.
Martin Essl, Gründer des Zero Project, konnte bei der Veranstaltung einen besonderen Meilenstein verkünden. Mit dem heutigen Tag habe seine Organisation "die Schallmauer" von 1.000 ausgezeichneten Innovationen durchbrochen, die als wirkungsstark und skalierbar eingestuft wurden. Diese Zahl verdeutlicht das enorme Potenzial, das weltweit für die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen existiert.
In seinen Grußworten blickte Essl auf die Geschichte seiner Organisation zurück. Ziel der Gründung von Zero Project vor 20 Jahren sei es gewesen, eine Organisation ins Leben zu rufen, die nach inklusiven Innovationen sucht und diese entsprechend unterstützt. Heute sei man ein Innovationsnetzwerk mit beeindruckenden Dimensionen: 10.000 Expertinnen und Experten aus 180 Ländern arbeiten gemeinsam an einer Welt ohne Barrieren.
Besonders erfreut zeigte sich Essl über die enge Zusammenarbeit mit dem österreichischen Parlament, die er als "weltweit außerordentlich" bezeichnete. Die Behindertensprecherinnen und -sprecher aller im Parlament vertretenen Fraktionen hatten aus 80 ausgezeichneten Innovationen ihre Favoriten ausgewählt. Diese Abgeordneten haben sich verpflichtet, die von ihnen ausgewählten Innovationen bei der Umsetzung in Österreich bestmöglich zu unterstützen.
Dieses parteiübergreifende Engagement ist bemerkenswert und zeigt, dass Inklusion tatsächlich als gemeinsame Aufgabe verstanden wird, die über politische Grenzen hinausgeht. Die fünf ausgewählten Innovationen sollen nun in Österreich implementiert werden und könnten als Vorbilder für andere Länder dienen.
Mit Anthony Banbury, Präsident der International Foundation for Electoral Systems (IFES), konnte ein international renommierter Keynote-Speaker für die Veranstaltung gewonnen werden. In seiner Rede betonte Banbury, dass es seiner Organisation um eine Welt ohne Hürden und um eine inklusive sowie widerstandsfähige "Demokratie für alle" gehe.
Das österreichische Parlament würdigte Banbury ausdrücklich für seine Vorreiterrolle bei Barrierefreiheit und Inklusion. Diese Bemühungen seien weltweit anerkannt und könnten als Modell für andere Parlamente dienen. Besonders interessant ist der Ansatz von IFES, nicht nur einzelne Wahlen, sondern ganze politische Systeme barrierefrei zu gestalten.
Im Rahmen der diesjährigen Zero Project Conference wird IFES erstmals die "IFES-Wahlplattform" vorstellen. Diese soll als praktisches Tool für Wahlbehörden, Behindertenrechtsorganisationen und alle fungieren, die sich für den Aufbau inklusiver Wahlprozesse einsetzen. Die Plattform könnte einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Menschen mit Behinderungen weltweit ihr demokratisches Grundrecht auf Teilnahme an Wahlen besser ausüben können.
Banbury schloss seine Keynote mit einem eindringlichen Appell: Aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage brauche die Demokratie jede Stimme und könne es sich nicht leisten, jemanden zurückzulassen. Diese Worte unterstreichen die politische Dimension von Inklusion, die weit über soziale Aspekte hinausgeht.
Die eigentliche Zero Project Conference findet von 18. bis 20. Februar in der Wiener UNO-City statt. Die thematischen Schwerpunkte der diesjährigen Konferenz umfassen drei zentrale Bereiche:
Diese Themenwahl spiegelt aktuelle Herausforderungen wider. Insbesondere der Bereich Krisen- und Katastrophenmanagement hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Die COVID-19-Pandemie und zunehmende Extremwetterereignisse haben gezeigt, dass Menschen mit Behinderungen in Krisensituationen oft besonders gefährdet sind und spezielle Unterstützung benötigen.
Zero Project ist eine Initiative der Essl Foundation, die von Martin Essl gegründet wurde. Die Stiftung hat sich der Förderung von Inklusion verschrieben und konnte in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein beeindruckendes globales Netzwerk aufbauen. Mit 10.000 Expertinnen und Experten aus 180 Ländern verfügt Zero Project über eine einzigartige Wissensbasis zu inklusiven Lösungen.
Die Methodik von Zero Project basiert auf der systematischen Suche nach Innovationen, die sich in der Praxis bewährt haben und das Potenzial zur Skalierung besitzen. Diese Innovationen werden ausgezeichnet und im Netzwerk verbreitet, um die Umsetzung in anderen Kontexten zu erleichtern. Der Erfolg dieses Ansatzes zeigt sich in der heute verkündeten Zahl von über 1.000 ausgezeichneten Lösungen.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Zero Project und dem österreichischen Parlament ist international einzigartig. Die Bereitschaft aller Parlamentsfraktionen, konkrete Innovationen zu unterstützen und deren Umsetzung in Österreich voranzutreiben, setzt ein starkes Signal. Diese parteiübergreifende Kooperation könnte als Modell für andere Länder dienen.
Der Einsatz von KI-Sprachunterstützung im Plenum des Nationalrats zeigt zudem, wie technologische Innovationen praktisch umgesetzt werden können. Wenn ein Abgeordneter mithilfe dieser Technologie aktiv am parlamentarischen Geschehen teilnehmen kann, ist dies nicht nur ein persönlicher Gewinn, sondern bereichert auch die demokratische Debatte insgesamt.
Trotz aller Fortschritte bleiben erhebliche Herausforderungen bestehen. Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die Österreich 2008 ratifiziert hat, ist noch nicht abgeschlossen. In vielen Bereichen – vom Arbeitsmarkt über das Bildungssystem bis hin zum öffentlichen Raum – existieren nach wie vor Barrieren, die Menschen mit Behinderungen an der vollen gesellschaftlichen Teilhabe hindern.
Die Zero Project Conference und die damit verbundenen Initiativen können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, diese Barrieren schrittweise abzubauen. Die Verbreitung bewährter Lösungen und der internationale Austausch von Best Practices sind dabei zentrale Erfolgsfaktoren.
Die Auftaktveranstaltung im Parlament hat deutlich gemacht, dass Inklusion in Österreich als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wird. Die Unterstützung durch alle Parlamentsfraktionen und die prominente Rolle des Nationalratspräsidenten unterstreichen den politischen Willen, in diesem Bereich voranzuschreiten.
Für Menschen mit Behinderungen in Österreich bedeutet dies Hoffnung auf konkrete Verbesserungen. Die fünf ausgewählten Innovationen, die nun mit parlamentarischer Unterstützung umgesetzt werden sollen, könnten in verschiedenen Lebensbereichen positive Veränderungen bewirken. Von besonderer Bedeutung ist dabei der Fokus auf praktische, skalierbare Lösungen, die tatsächlich im Alltag ankommen.
Die Zero Project Conference 2026 in der Wiener UNO-City wird zeigen, welche weiteren innovativen Ansätze weltweit entwickelt werden und wie diese für Österreich nutzbar gemacht werden können. Die Veranstaltung ist damit nicht nur ein Treffen von Expertinnen und Experten, sondern ein wichtiger Impuls für die Weiterentwicklung einer inklusiven Gesellschaft.