Die österreichische Luxusstrumpfhosen-Marke Wolford AG aus Bregenz verzeichnet für das Geschäftsjahr 2025 einen deutlichen Umsatzrückgang. Mit 76 Millionen Euro liegt der Erlös um 14 Prozent unter ...
Die österreichische Luxusstrumpfhosen-Marke Wolford AG aus Bregenz verzeichnet für das Geschäftsjahr 2025 einen deutlichen Umsatzrückgang. Mit 76 Millionen Euro liegt der Erlös um 14 Prozent unter dem Vorjahreswert von 88 Millionen Euro. Das Vorarlberger Traditionsunternehmen kämpft weiterhin mit den Nachwirkungen der Pandemie und strukturellen Herausforderungen in einem sich wandelnden Modemarkt.
Die Geschäftsentwicklung der Wolford AG war 2025 geprägt von einem schwierigen ersten Halbjahr, das noch stark unter den Altlasten der Vorjahre litt. Makroökonomische Unsicherheiten und logistische Störungen belasteten das operative Geschäft erheblich. Diese Faktoren waren für 78 Prozent der Umsatzabweichung zum Vorjahr verantwortlich, wie das Unternehmen in seiner aktuellen Adhoc-Mitteilung bekannt gab.
Das zweite Halbjahr 2025 zeigte hingegen eine progressive Verbesserung, insbesondere im vierten Quartal. Diese positive Entwicklung wurde durch die gestärkte Finanzposition des Unternehmens nach einer bedeutenden Kapitalerhöhung unterstützt. Die Kapitalerhöhung bezeichnet dabei die Ausgabe neuer Aktien zur Beschaffung frischer Finanzmittel, wodurch das Eigenkapital des Unternehmens erhöht wird. Bei Wolford diente diese Maßnahme dazu, die Liquidität zu verbessern und Investitionen in die Zukunftsstrategie zu ermöglichen.
Regional betrachtet musste Wolford in allen wichtigen Märkten Einbußen hinnehmen. In der Region EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) sank der Umsatz um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch stärker waren die Rückgänge in Greater China mit minus 18 Prozent und in Nordamerika mit minus 19 Prozent.
Diese regionalen Unterschiede spiegeln die verschiedenen Herausforderungen wider, denen sich Luxusmarken in unterschiedlichen Märkten gegenübersehen. Während Europa als Heimatmarkt für Wolford traditionell stabiler ist, zeigen die asiatischen und amerikanischen Märkte größere Volatilität bei Konsumgütern im Premium-Segment.
Die EMEA-Region, zu der neben Europa auch der Nahe Osten und Afrika gehören, erwies sich als verhältnismäßig widerstandsfähig. Mit einem Rückgang von "nur" 12 Prozent schnitt diese Region am besten ab. Dies unterstreicht die starke Markenposition von Wolford in seinem angestammten europäischen Markt, wo die Marke seit 75 Jahren etabliert ist.
Besonders in Österreich, Deutschland und der Schweiz verfügt Wolford über ein dichtes Netz an Flagship-Stores und Verkaufspunkten. Die Marke profitiert hier von ihrer langen Tradition und dem Ruf als Qualitätshersteller für hochwertige Strumpfwaren und Lingerie.
Besonders dramatisch entwickelten sich die Verkaufskanäle Retail und Outlet, die einen Rückgang von 27 Prozent verzeichneten. Dieser starke Einbruch ist hauptsächlich auf die Schließung unprofitabler Läden zurückzuführen – eine Maßnahme, die viele Einzelhändler in den vergangenen Jahren umsetzen mussten.
Interessant ist jedoch, dass das vergleichbare Filialnetzwerk Zeichen der Erholung zeigte und ein Wachstum im mittleren einstelligen Bereich verzeichnete. Dies bedeutet, dass die verbliebenen Geschäfte durchaus erfolgreicher wirtschaften als im Vorjahr. Die Bereinigung des Filialnetzes um unprofitable Standorte scheint somit erste positive Effekte zu zeigen.
Der Online-Kanal, der während der Pandemie für viele Modehändler zum Rettungsanker wurde, litt ebenfalls unter einem Rückgang von 15 Prozent. Dies spiegelt den intensiven Wettbewerb im E-Commerce-Bereich wider, wo sich Konsumenten nach der Pandemie wieder verstärkt dem stationären Handel zuwenden.
Als positiver Lichtblick erwies sich hingegen der Wholesale-Bereich mit einem Wachstum von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wholesale bezeichnet dabei den Großhandel, bei dem Wolford seine Produkte an andere Einzelhändler, Kaufhäuser oder Online-Plattformen verkauft, die diese dann an Endkunden weiterveräußern. Dieses Geschäftsmodell erfordert geringere Investitionen in eigene Verkaufsflächen und kann flexibler auf Marktveränderungen reagieren.
2025 war für Wolford ein besonderes Jahr, da das Unternehmen sein 75-jähriges Bestehen feierte. Die 1949 von Walter Palmers und Reinhold Wolff in Bregenz gegründete Firma hat sich von einem kleinen Strumpfwarenhersteller zu einer international bekannten Luxusmarke entwickelt.
Die Marke Wolford steht seit Jahrzehnten für höchste Qualität bei Strumpfhosen, Strümpfen, Bodywear und Lingerie. Besonders die innovativen Materialien und die perfekte Passform machten Wolford zu einem Synonym für Eleganz und Stil. Prominente Trägerinnen wie Madonna, Lady Gaga oder Angelina Jolie trugen dazu bei, dass Wolford zu einer Ikone in der Modewelt wurde.
Zum Jubiläum startete das Unternehmen eine emotionale Markenkampagne, die darauf abzielte, die Bindung zur globalen Zielgruppe zu verstärken. Diese Kampagne sollte die reiche Geschichte der Marke würdigen und gleichzeitig ihre Relevanz für moderne Konsumentinnen unterstreichen.
Für das Jahr 2026 hat Wolford eine klare strategische Ausrichtung definiert. Im Mittelpunkt steht die Umsetzung einer neuen Produktstrategie sowie die Stärkung des Go-to-Market-Modells. Dieses Modell beschreibt die gesamte Strategie eines Unternehmens, wie es seine Produkte erfolgreich am Markt positioniert, bewirbt und verkauft. Es umfasst alle Aspekte von der Zielgruppendefinition über die Preisgestaltung bis hin zur Auswahl der Vertriebskanäle.
Die Neuausrichtung soll die bereits begonnene Wiederbelebung der Marke fortsetzen und Wolford wieder zu profitablem Wachstum führen. Dabei wird das Unternehmen verstärkt auf digitale Kanäle setzen müssen, ohne dabei die traditionellen Stärken im Premium-Segment zu vernachlässigen.
Wolford agiert in einem zunehmend umkämpften Marktumfeld. Das Luxussegment für Unterwäsche und Strumpfwaren sieht sich mit veränderten Konsumgewohnheiten konfrontiert. Jüngere Zielgruppen legen verstärkt Wert auf Nachhaltigkeit und ethische Produktion, während gleichzeitig der Preisdruck durch günstigere Alternativen wächst.
Gleichzeitig bieten sich aber auch neue Chancen: Der wachsende Wellness- und Self-Care-Trend könnte Luxusmarken wie Wolford zugutekommen, wenn es gelingt, die Produkte entsprechend zu positionieren. Auch die zunehmende Bedeutung von Komfort und Funktionalität in der Mode spielt Wolford in die Karten, da das Unternehmen traditionell großen Wert auf Passform und Tragekomfort legt.
Die Wolford AG ist an mehreren Börsen notiert, darunter die Wiener Börse im Official Market sowie im regulierten unoffiziellen Markt in Düsseldorf, Frankfurt, München, Stuttgart und Tradegate BSX. Die ISIN (International Securities Identification Number) AT0000834007 identifiziert die Aktie eindeutig im internationalen Wertpapierhandel.
Die bereits erwähnte Kapitalerhöhung war ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung der Finanzlage. Solche Maßnahmen sind für Unternehmen in Transformationsphasen essentiell, um die notwendigen Investitionen in Produktentwicklung, Marketing und Digitalisierung stemmen zu können.
Die von Wolford veröffentlichten Zahlen sind noch ungeprüft, was bei Adhoc-Mitteilungen üblich ist. Die finalen, geprüften Geschäftszahlen werden üblicherweise im Geschäftsbericht veröffentlicht, der detailliertere Einblicke in die operative Entwicklung und die strategischen Prioritäten geben wird.
Für österreichische Investoren bleibt Wolford ein interessantes Investment im Luxussegment, auch wenn die aktuellen Zahlen zeigen, dass der Turnaround noch nicht vollständig gelungen ist. Die positive Entwicklung im zweiten Halbjahr 2025 und das Wachstum im Wholesale-Bereich lassen jedoch hoffen, dass die eingeleiteten Maßnahmen greifen.
Verglichen mit anderen europäischen Luxusmarken, die ähnliche Herausforderungen bewältigen mussten, zeigt Wolford typische Muster einer Restrukturierung: Bereinigung unprofitabler Geschäftsbereiche, Fokussierung auf profitable Kanäle und Investition in die Markenentwicklung.
Als eines der wenigen österreichischen Unternehmen mit globaler Markenausstrahlung hat Wolford eine besondere Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Vorarlberg. Das Unternehmen mit Sitz in Bregenz beschäftigt mehrere hundert Mitarbeiter und ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region.
Die erfolgreiche Restrukturierung von Wolford würde auch zeigen, dass traditionelle österreichische Unternehmen den Wandel in der globalisierten Wirtschaft bewältigen können. Für andere heimische Marken könnte Wolford damit zum Vorbild werden, wie sich etablierte Unternehmen neu erfinden können, ohne ihre Kernidentität zu verlieren.
Die kommenden Quartale werden zeigen, ob die eingeschlagene Strategie von Wolford aufgeht und das Unternehmen zu nachhaltigem Wachstum zurückfinden kann. Anleger und Marktbeobachter werden insbesondere die Entwicklung der profitablen Wholesale-Sparte und die Erfolge der neuen Produktstrategie im Auge behalten.