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Wirtschaft

Wirtschaftswachstum in CEE: Warum trotz Boom die Insolvenzen steigen!

12. Juni 2025 um 09:41
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Die jüngste Pressemitteilung der renommierten Coface, einem der weltweit führenden Kreditversicherer, hat für große Aufregung gesorgt. Obwohl die Wirtschaft in Zentral- und Osteuropa (CEE) ein beeindruckendes Wachstum verzeichnet, steigen die Insolvenzen in der Region. Ein Widerspruch, der viele Fra

Die jüngste Pressemitteilung der renommierten Coface, einem der weltweit führenden Kreditversicherer, hat für große Aufregung gesorgt. Obwohl die Wirtschaft in Zentral- und Osteuropa (CEE) ein beeindruckendes Wachstum verzeichnet, steigen die Insolvenzen in der Region. Ein Widerspruch, der viele Fragen aufwirft und ein genaueres Hinsehen verlangt.

Wirtschaftswachstum und steigende Insolvenzen – ein Paradoxon?

Im Jahr 2024 kehrte das Wirtschaftswachstum in die CEE-Region zurück. Mit einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von 2,6 Prozent wurde die Region Zeuge einer deutlichen Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, in dem das Wachstum nur 0,8 Prozent betrug. Die treibenden Kräfte hinter diesem Aufschwung waren sinkende Inflationsraten, steigende Reallöhne und ein starker privater Konsum, insbesondere in Ländern wie Polen, Ungarn und Rumänien.

Doch trotz dieser positiven wirtschaftlichen Indikatoren stieg die Insolvenzrate in der Region. Dies wirft die Frage auf, wie es möglich ist, dass Unternehmen in einer wachsenden Wirtschaft scheitern. Ein Experte erklärt: 'Oftmals sind die Ursachen für Insolvenzen tief verwurzelt. Auch wenn die äußeren Bedingungen sich verbessern, können strukturelle Probleme und vergangene wirtschaftliche Schocks weiterhin ihre Spuren hinterlassen.'

Ein Blick auf die Zahlen

Laut dem Bericht von Coface gingen die Insolvenzen in der Region zwar um 9 Prozent zurück – von 50.248 im Jahr 2023 auf 45.938 im Jahr 2024. Doch dieser Rückgang ist irreführend, da regulatorische Änderungen in Ungarn die Statistik verzerren. Ohne Ungarn stieg die Zahl der Insolvenzen von 29.771 im Jahr 2023 auf 30.680 im Jahr 2024, was einem Anstieg von 3 Prozent entspricht.

Ein weiteres Beispiel für die Diskrepanz zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Unternehmensstabilität ist Polen. Das Land verzeichnete einen Anstieg der Insolvenzen um 19 Prozent. Der Grund? Die dauerhafte Einführung von Restrukturierungsverfahren aus der Pandemiezeit, die nun weit verbreitet zur Bewältigung von Liquiditätsproblemen eingesetzt werden.

Regionale Unterschiede in der Insolvenzdynamik

Die Dynamik der Insolvenzen variiert stark zwischen den einzelnen Ländern der CEE-Region. Ungarn verzeichnete den stärksten Rückgang der Insolvenzen um 25,5 Prozent, was auf die Normalisierung rechtlicher Verfahren nach einem vorübergehenden Anstieg im Jahr 2022 zurückzuführen ist. Im Gegensatz dazu stiegen die Insolvenzen in Slowenien um 32,4 Prozent, in Lettland um 24,6 Prozent, in Estland um 10,2 Prozent und in Kroatien um 7,3 Prozent. Diese Anstiege sind auf eine schwache Binnennachfrage, steigende Kosten und strukturelle Herausforderungen, insbesondere im Baugewerbe und im Handel, zurückzuführen.

Rumänien meldete ebenfalls einen signifikanten Anstieg um 9,4 Prozent. Auch hier sind es mittlere und große Unternehmen, die von hoher Inflation und finanziellen Ungleichgewichten betroffen sind.

Die Schlüsselbranchen unter Druck

Besonders betroffen von der steigenden Insolvenzrate sind der Transportsektor, das verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe. Der Transportsektor leidet unter einem rückläufigen Frachtaufkommen und anhaltendem Kostendruck. Das verarbeitende Gewerbe kämpft mit rückläufigen Auftragszahlen und einem Mangel an Arbeitskräften. Der Bausektor wird von steigenden Zinsen und rückläufigen Investitionen, insbesondere in Wohnbauprojekte, belastet.

Ein Blick in die Zukunft

Was hält die Zukunft für die CEE-Region bereit? Coface erwartet für 2025 eine leichte Verbesserung der Insolvenzentwicklung. Entscheidend wird die Freigabe zurückgehaltener EU-Mittel und eine Erholung des privaten Konsums sein. Dennoch gibt es erhebliche Abwärtsrisiken, die das positive Szenario gefährden könnten. Dazu zählen die angespannten Kreditbedingungen und die Unsicherheiten im Welthandel, insbesondere die eskalierenden Handelsspannungen zwischen den USA und der EU.

Ein weiterer Experte warnt: 'Die wirtschaftliche Erholung ist fragil und kann durch externe Schocks oder politische Unsicherheiten leicht ins Wanken geraten. Unternehmen müssen sich auf ein weiterhin herausforderndes Umfeld einstellen.'

Auswirkungen auf die Bürger

Für die Bürger in der CEE-Region bedeuten steigende Insolvenzen Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt. Arbeitnehmer in den Schlüsselbranchen müssen sich auf mögliche Jobverluste vorbereiten. Gleichzeitig könnten steigende Insolvenzen zu einer Verschärfung der Kreditbedingungen führen, was den Zugang zu Finanzierungen erschwert.

Ein Bürger aus Polen äußert seine Bedenken: 'Wir sehen, dass die Wirtschaft wächst, aber die Unsicherheit bleibt. Es ist schwer, langfristige Pläne zu schmieden, wenn man nicht weiß, ob der Job sicher ist.'

Historischer Kontext

Um die aktuelle Situation besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die jüngste Vergangenheit. Die CEE-Region wurde in den letzten Jahren von mehreren wirtschaftlichen Schocks getroffen. Die COVID-19-Pandemie, die Energiekrise und geopolitische Spannungen haben ihre Spuren hinterlassen. Unternehmen, die bereits vor der Pandemie mit Herausforderungen konfrontiert waren, sehen sich nun mit den langfristigen Auswirkungen dieser Krisen konfrontiert.

Fazit

Die steigenden Insolvenzen in der CEE-Region trotz wirtschaftlichen Wachstums sind ein komplexes Phänomen, das tiefere strukturelle Probleme und die Nachwirkungen vergangener Krisen widerspiegelt. Die Zukunft bleibt ungewiss, und es ist entscheidend, dass Unternehmen und politische Entscheidungsträger gemeinsam Strategien entwickeln, um die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft zu stärken.

Bleiben Sie dran, um weitere Entwicklungen in dieser spannenden wirtschaftlichen Landschaft zu verfolgen. Für eine detaillierte Analyse können Sie den vollständigen Bericht von Coface hier einsehen.

Schlagworte

#CEE#Insolvenzen#Kreditbedingungen#Polen#Rumänien#Ungarn#Wirtschaftswachstum

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