In der malerischen Region rund um St. Pölten brodelt es gewaltig: Der geplante Bau von zwei gigantischen Windkraftanlagen in Pottenbrunn sorgt für hitzige Diskussionen und erbitterten Widerstand. Die Bürgerinitiative „Pro Maria Jeutendorf – Mauterheim“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Bau dieser
In der malerischen Region rund um St. Pölten brodelt es gewaltig: Der geplante Bau von zwei gigantischen Windkraftanlagen in Pottenbrunn sorgt für hitzige Diskussionen und erbitterten Widerstand. Die Bürgerinitiative „Pro Maria Jeutendorf – Mauterheim“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Bau dieser Anlagen mit aller Kraft zu verhindern. Doch warum ist dieses Projekt so umstritten, und was bedeutet es für die Anwohner?
Im Herzen des niederösterreichischen Mostviertels, genauer gesagt in der Umgebung von Pottenbrunn, plant die Firma ImWind den Bau von zwei Windkraftanlagen, die mit einer Höhe von 220 Metern die Landschaft prägen sollen. Bereits jetzt regt sich massiver Widerstand. Die Bürgerinitiative „Pro Maria Jeutendorf – Mauterheim“ hat bereits hunderte Unterschriften gesammelt, um gegen das Projekt vorzugehen.
Das Hauptproblem liegt in einer alten Flächenwidmung aus dem Jahr 2003. Damals wurde das Gebiet für Windkraftnutzung gewidmet, aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen haben sich seitdem geändert. Heute gelten Mindestabstände von 1200 Metern zu bewohntem Gebiet und 2000 Metern zu Nachbarorten, um die Anwohner vor den Auswirkungen der Windkraftanlagen zu schützen. Doch die geplanten Windräder unterschreiten diese Abstände teilweise um mehr als die Hälfte.
Ein Anwohner erklärt: „Diese alten Widmungen dürfen nicht dazu führen, dass unsere Gesundheit und unsere Lebensqualität gefährdet werden. Das Vorsorgeprinzip muss gelten!“
Für die Menschen in Zwerndorf, Maria Jeutendorf und Mauterheim ist das Projekt ein Alptraum. Die geplanten Anlagen sollen nur 783 Meter von Zwerndorf, 862 Meter von Maria Jeutendorf und 1090 Meter von Mauterheim entfernt errichtet werden. Anwohner klagen bereits über die Belastungen durch bestehende Windräder. Der Lärm, der Schalldruck und der sogenannte Schattenschlag – ein Flackern, das durch die drehenden Rotorblätter verursacht wird – sind für viele eine enorme Belastung.
Ein besorgter Bürger bringt es auf den Punkt: „Wer kauft ein Haus, das regelmäßig von Rotorblättern beschattet wird?“ Tatsächlich verlieren Häuser in der Nähe großer Windkraftanlagen nachweislich an Marktwert. Gerade für Hausbesitzer, die ihr Eigentum als Altersvorsorge sehen, ist das ein schwerer Schlag.
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Windkraftanlagen sind immer wieder Thema von Studien und Diskussionen. Lärm und Schalldruck können zu Schlafstörungen und Stress führen, was langfristig die Gesundheit beeinträchtigen kann. Auch der Schattenschlag, der sich bis zu zwei Kilometer erstrecken kann, wird von den Anwohnern als störend empfunden.
Die Bürgerinitiative hat angekündigt, im Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren (UVP) als Partei aufzutreten, um ihre Interessen zu vertreten. Ein Sprecher der Initiative fordert: „Alte Widmungen dürfen nicht dazu genutzt werden, um heute gültige Schutzabstände auszuhebeln. Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um das zu verhindern.“
ImWind hat im Januar 2025 die UVP beim Land Niederösterreich eingereicht. Doch die Anwohner hoffen, das Projekt noch stoppen zu können, sowohl auf rechtlichem als auch auf politischem Weg. Ein Vertrag aus dem Jahr 2004, der mit der damaligen Betreiberfirma geschlossen wurde, könnte dabei von Bedeutung sein. Dieser Vertrag beinhaltet eine Pönalregelung, die besagt, dass auf die Bebauung der Standorte dauerhaft verzichtet werden soll. Die Bürgerinitiative plant, eine Klage einzureichen, um diesen Verzicht durchzusetzen.
Die Anwohner suchen auch die Unterstützung der Politik. „Wir brauchen Politiker, die sich für die Anliegen der Bürger einsetzen und nicht nur die wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen im Blick haben“, fordert ein Sprecher der Initiative. Tatsächlich sind die politischen Abhängigkeiten und Interessen in solchen Projekten oft komplex und undurchsichtig.
In anderen Bundesländern Österreichs gibt es ähnliche Konflikte um Windkraftprojekte. Besonders in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte sind die gesetzlichen Mindestabstände ein häufiges Streitthema. In der Steiermark beispielsweise kam es in der Vergangenheit zu ähnlichen Auseinandersetzungen, die teilweise vor Gericht ausgetragen wurden.
Ein Experte erklärt: „Die Energiewende ist wichtig, aber sie muss im Einklang mit den Bedürfnissen und Rechten der Bevölkerung erfolgen. Nur so kann eine nachhaltige und akzeptierte Lösung gefunden werden.“
Wie wird es weitergehen? Die Bürgerinitiative gibt sich kämpferisch und ist entschlossen, den Bau der Windkraftanlagen zu verhindern. Doch die rechtlichen und politischen Prozesse sind oft langwierig und komplex. Es bleibt abzuwarten, ob die Anwohner mit ihrem Anliegen Gehör finden und ob die alten Widmungen tatsächlich noch Bestand haben.
Die Energiewende und der Ausbau erneuerbarer Energien sind von großer Bedeutung für die Zukunft. Doch es zeigt sich immer wieder, dass die Umsetzung solcher Projekte sorgfältig geplant und unter Berücksichtigung aller beteiligten Interessen erfolgen muss. Nur so kann ein Ausgleich zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Aspekten gefunden werden.
Der Fall Pottenbrunn zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, die Bevölkerung frühzeitig in Planungsprozesse einzubeziehen und ihre Bedenken ernst zu nehmen. Nur so kann eine nachhaltige und akzeptierte Energiewende gelingen.
Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der offiziellen Pressemitteilung.