Wien, die Stadt der Musik und der Kaffeehäuser, steht vor einer neuen Herausforderung. Eine, die auf den ersten Blick unscheinbar erscheint, aber bei näherer Betrachtung von enormer Bedeutung ist: Sitzgelegenheiten. Ja, richtig gehört! Denn mehr als ein Drittel aller Wege legen die Wiener zu Fuß zur
Wien, die Stadt der Musik und der Kaffeehäuser, steht vor einer neuen Herausforderung. Eine, die auf den ersten Blick unscheinbar erscheint, aber bei näherer Betrachtung von enormer Bedeutung ist: Sitzgelegenheiten. Ja, richtig gehört! Denn mehr als ein Drittel aller Wege legen die Wiener zu Fuß zurück. Doch vielerorts fehlen die so dringend benötigten konsumfreien Sitzgelegenheiten, die das Gehen angenehmer machen und insbesondere älteren Menschen, Eltern mit Kinderwägen oder mobilitätseingeschränkten Personen dringend benötigte Pausen ermöglichen.
Eine neue interaktive Karte zu Sitzmöglichkeiten macht jetzt erstmals sichtbar, wo Wien bereits gut ausgestattet ist – und wo noch Potenzial für Verbesserungen besteht. Diese Karte ist nicht nur ein technisches Hilfsmittel, sondern ein Symbol für den Wandel, den die Stadt durchlebt. „Expert:innen wie jene des Kuratoriums für Verkehrssicherheit empfehlen Sitzgelegenheiten alle 100 Meter“, erklärt ein Insider. Diese Empfehlung hat der 7. Bezirk, Neubau, bereits erfolgreich umgesetzt. Und das mit beeindruckenden Ergebnissen.
Neubaus Mobilitätsbeauftragter setzte gemeinsam mit NGOs und dem Kuratorium für Verkehrssicherheit eine erste Analyse um, die das Potenzial für zusätzliche Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum sichtbar macht. Die Interessensvertretungen „Geht-Doch“, die „Radlobby Wien“ und „Walk-Space“ haben das Projekt übernommen, weiterentwickelt und für ganz Wien adaptiert. Ein starkes Beispiel für gelungenes zivilgesellschaftliches Engagement. Die Karte funktioniert mit einem freien Datensatz, den alle Wiener mitgestalten können. Fehlende oder nicht mehr vorhandene Sitzmöglichkeiten können eingetragen werden.
Sitzmöglichkeiten sind keine Nebensache, sondern essenzielle Infrastruktur für Mobilität. Sie erleichtern den Alltag, ermöglichen aktive Mobilität für alle und müssen kontinuierlich entlang der Wege verfügbar sein. Wichtig ist: Sie sind frei zugänglich, ohne kommerzielle Nutzungspflicht – und schaffen damit einen angenehmen Aufenthalt im öffentlichen Raum für alle Wiener.
Die Bedeutung von Sitzgelegenheiten in einer Stadt wie Wien, die sich im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne bewegt, ist nicht neu. Schon im 19. Jahrhundert waren die Wiener Parks und Boulevards mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet, die den Bürgern der Stadt als Treffpunkte dienten. Doch mit der zunehmenden Urbanisierung und dem Wachstum der Stadt geriet diese Infrastruktur in Vergessenheit.
Ein Blick über die Grenzen Wiens hinaus zeigt, dass andere Städte bereits ähnliche Projekte erfolgreich umgesetzt haben. In Kopenhagen, einer Stadt, die für ihre Fahrradfreundlichkeit bekannt ist, wurden Sitzgelegenheiten strategisch platziert, um den Fußgängerverkehr zu fördern. Auch in Amsterdam hat man erkannt, dass Sitzmöglichkeiten nicht nur den Komfort erhöhen, sondern auch die soziale Interaktion fördern.
Für die Wiener Bürger bedeutet die neue Sitzplatzkarte eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität. Ältere Menschen können ihre Wege besser planen und müssen keine langen Distanzen ohne Pause zurücklegen. Eltern mit Kinderwägen finden nun einfacher Rastplätze, und auch Touristen profitieren von den neuen Möglichkeiten, die Stadt zu erkunden.
Ein Verkehrsexperte erklärt: „Sitzgelegenheiten sind mehr als nur ein Ort zum Ausruhen. Sie sind integraler Bestandteil einer Stadt, die auf Nachhaltigkeit und Bürgerfreundlichkeit setzt. In einer Zeit, in der Mobilität immer wichtiger wird, sind solche Initiativen unerlässlich.“
Seit 2019 wurden in Neubau sichtbare Verbesserungen durch konkrete Umbauten umgesetzt: Insgesamt wurden 129 neue konsumfreie Sitzmöglichkeiten geschaffen und mehr als 2.900 Meter Straßenraum umgestaltet. In der Neubaugasse kamen 32 Sitzgelegenheiten hinzu, in der Bernardgasse wurden 28 Sitzgelegenheiten errichtet und in der Zieglergasse 27.
Die Grünen fordern die Stadtregierung auf, das Zu-Fuß-Gehen in Wien zu verbessern – dazu gehören auch ausreichend Sitzmöglichkeiten ohne Konsumzwang. „Der Ring war einmal eine Prachtstraße und sollte in einer Stadt wie Wien wieder als Flaniermeile bekannt sein. Reservieren wir die ehemalige ‚Reitallee‘ zwischen den Bäumen für die Fußgänger und geben wir damit den Menschen den schönsten Ort am Ring zurück“, so ein Sprecher der Grünen.
Die Umsetzung solcher Projekte ist jedoch nicht nur eine Frage der Planung, sondern auch der Politik. Die Grünen in Wien haben sich das Ziel gesetzt, die Stadt lebenswerter zu machen. Doch dafür ist die Unterstützung der Stadtregierung notwendig. Es bleibt abzuwarten, wie schnell und effektiv die geplanten Maßnahmen umgesetzt werden können.
Wien steht vor einem Wandel. Ein Wandel, der die Stadt nicht nur lebenswerter, sondern auch zukunftsfähig macht. Die neue Sitzplatzkarte ist ein erster Schritt in diese Richtung und zeigt, dass auch kleine Veränderungen große Auswirkungen haben können. Es bleibt zu hoffen, dass andere Bezirke dem Beispiel von Neubau folgen und Wien zu einer Stadt machen, in der jeder gerne zu Fuß geht.