Oppositionspartei fordert konkretes Handeln der Stadtregierung bei Jedmayer-Problematik
Die ÖVP Wien wirft der rot-pinken Stadtregierung vor, bei der Drogenproblematik rund um das Jedmayer-Zentrum untätig zu bleiben.
Die Drogenproblematik rund um die Beratungseinrichtung Jedmayer in Wien entwickelt sich zu einer zunehmenden Belastung für die Bezirke Mariahilf und Rudolfsheim-Fünfhaus. Die Wiener ÖVP übt scharfe Kritik an der rot-pinken Stadtregierung und wirft ihr politisches Wegschauen vor.
Mit den steigenden Temperaturen verlagert sich die offene Drogenszene verstärkt in den öffentlichen Raum und betrifft mittlerweile größere Gebiete in Mariahilf und Rudolfsheim-Fünfhaus. Anrainerinnen und Anrainer berichten von wachsender Verunsicherung und häufigeren problematischen Vorfällen in ihrer unmittelbaren Umgebung.
Das Jedmayer-Zentrum, ursprünglich als lokale Drogenberatungseinrichtung konzipiert, hat sich zu einem regionalen Brennpunkt entwickelt, der die Lebensqualität in den umliegenden Stadtteilen erheblich beeinträchtigt.
Gerhard Hammerer, Bezirksobmann der ÖVP Mariahilf, zeigt sich frustriert über das Ausbleiben konkreter Lösungsansätze: "Seit Jahren wird beschwichtigt, passiert ist nichts. Das für Ende 2025 von Drogenkoordinator Ewald Lochner zugesagte mittel- bis langfristige Konzept zur Entlastung des Jedmayer-Grätzels liegt bis heute nicht vor."
Felix Ofner, Obmann der ÖVP Rudolfsheim-Fünfhaus, ergänzt die Kritik mit dem Vorwurf mangelnder strategischer Planung: "SPÖ-Stadtrat Hacker wird regelmäßig aufgefordert, eine wienweite Suchthilfestrategie vorzulegen. Seine Antwort bleibt stets dieselbe: mehr Polizei."
Besonders kritisiert die ÖVP die Weigerung der Stadtregierung, bewährte Maßnahmen wie Alkoholverbotszonen zu implementieren. Diese hätten sich an anderen problematischen Standorten in Wien bereits als wirksam erwiesen, werden aber im Jedmayer-Bereich konsequent abgelehnt.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die mangelhafte Kommunikation mit den betroffenen Bürgern. Hammerer richtet einen direkten Appell an die designierte SPÖ-Bezirksvorsteherin von Mariahilf, Julia Lessacher: "Eine Anrainerversammlung wurde bereits im September 2024 zugesagt. Die Menschen warten noch immer. Dialog und Transparenz dürfen kein leeres Versprechen bleiben."
Die Bevölkerung fühlt sich zunehmend allein gelassen mit einer Problematik, die ihren Alltag erheblich beeinträchtigt. Viele Anrainer berichten von Unsicherheitsgefühlen, verschmutzten öffentlichen Bereichen und einer Verschlechterung der Lebensqualität in ihrem Wohnumfeld.
Die Wiener ÖVP hat bereits vor Jahren ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgelegt, das konkrete Lösungsansätze für die Problematik enthält. Dieses 5-Punkte-Paket umfasst:
Die vorgeschlagenen Maßnahmen orientieren sich an erfolgreichen Projekten in anderen Wiener Bezirken. Alkoholverbotszonen haben sich beispielsweise am Praterstern und anderen neuralgischen Punkten als wirksame Instrumente zur Eindämmung problematischer Entwicklungen erwiesen.
Die Kritik der ÖVP reiht sich ein in eine längere Debatte über den Umgang mit Drogenproblemen in urbanen Räumen. Während Beratungseinrichtungen wie das Jedmayer-Zentrum eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllen, stellt sich die Frage nach der Balance zwischen Hilfeleistung und Lebensqualität für Anrainer.
Stadtrat Peter Hacker (SPÖ) steht unter zunehmendem Druck, konkrete Lösungsansätze zu präsentieren. Die bisherige Strategie, primär auf verstärkte Polizeipräsenz zu setzen, scheint nach Ansicht der Opposition nicht ausreichend zu sein.
Die ÖVP-Vertreter Hammerer und Ofner unterstreichen die Dringlichkeit der Situation: "Die Lage spitzt sich weiter zu. Jeder weitere Monat ohne Maßnahmen ist ein Monat auf Kosten der Sicherheit. Wien braucht jetzt Umsetzung statt weiterer Ankündigungen."
Die warme Jahreszeit verstärkt erfahrungsgemäß die Problematik, da sich mehr Menschen im öffentlichen Raum aufhalten. Dies macht schnelle und wirksame Maßnahmen umso dringlicher.
Die Situation rund um das Jedmayer-Zentrum steht exemplarisch für die Herausforderungen moderner Drogenpolitik in Großstädten. Es gilt, einen Ausgleich zu finden zwischen der notwendigen Hilfe für suchtkranke Menschen und dem Schutz der Lebensqualität von Anrainern.
Experten betonen die Wichtigkeit einer ganzheitlichen Herangehensweise, die sowohl präventive als auch repressive Elemente umfasst. Reine Verdrängung löst Probleme meist nur oberflächlich und verlagert sie an andere Orte.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Stadtregierung bereit ist, neue Wege zu gehen und das seit Jahren diskutierte Konzept zur Entlastung des Jedmayer-Grätzels endlich zu präsentieren und umzusetzen.