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Wiener Medizin revolutioniert Behandlung: Von Rollstuhl-Kindern zu Adipositas-Operationen

8. März 2026 um 08:57
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Die österreichische Medizinlandschaft erlebt derzeit bahnbrechende Entwicklungen, die das Leben tausender Patienten nachhaltig verbessern. Von innovativen Operationstechniken für schwerkranke Kinde...

Die österreichische Medizinlandschaft erlebt derzeit bahnbrechende Entwicklungen, die das Leben tausender Patienten nachhaltig verbessern. Von innovativen Operationstechniken für schwerkranke Kinder bis hin zu revolutionären Adipositas-Behandlungen – die Vinzenz Gruppe präsentiert in ihrem neuen Frühjahrsmagazin 2026 Erfolgsgeschichten, die Hoffnung geben und medizinische Grenzen neu definieren.

Wenn Kinder wieder gehen lernen: Durchbruch in der Neuroorthopädie

Die siebenjährige Sophia aus Wien erlebte einen medizinischen Albtraum, der für viele Familien zur bitteren Realität wird. Nach ihrer Geburt mit Trisomie 21 – einer genetischen Erkrankung, die etwa eines von 700 Neugeborenen in Österreich betrifft – lernte sie erst mit zweieinhalb Jahren das Gehen. Doch nur wenige Monate später war sie wieder auf den Rollstuhl angewiesen.

Die Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt, ist eine chromosomale Abweichung, bei der das Chromosom 21 dreifach statt doppelt vorhanden ist. Dies führt zu charakteristischen körperlichen Merkmalen und oft zu einer geistigen Behinderung unterschiedlichen Grades. In Österreich werden jährlich etwa 110 Kinder mit dieser Diagnose geboren, wobei die Häufigkeit mit dem Alter der Mutter steigt.

"Doch nur einige Monate später konnte sie weder stehen noch gehen. Und ich musste ihr beibringen, mit dem Rollstuhl zu fahren, während andere Eltern ihren Kindern das Fahrradfahren lehrten", erinnert sich Sophias Mutter Fatima R. an die schwere Zeit. Diese Erfahrung teilen österreichweit hunderte Familien, deren Kinder an ähnlichen neurologischen Bewegungsstörungen leiden.

Das Spezialteam für Neuroorthopädie im Orthopädischen Spital Speising unter der Leitung von OA Dr. Alexander Krebs, MSc., stellte schnell die richtige Diagnose: Eine Bandinstabilität und Überbeweglichkeit hatten dazu geführt, dass beide Kniescheiben seitlich verrutscht waren. Diese Patellaluxation – so der medizinische Fachbegriff – bezeichnet das Herausspringen der Kniescheibe aus ihrer natürlichen Führungsrinne am Oberschenkelknochen.

Die Neuroorthopädie ist ein hochspezialisiertes Fachgebiet, das sich mit Bewegungsstörungen beschäftigt, die durch neurologische Erkrankungen verursacht werden. Dabei arbeiten Orthopäden, Neurologen, Physiotherapeuten und andere Spezialisten eng zusammen, um Kindern und Erwachsenen mit komplexen Bewegungseinschränkungen zu helfen.

Innovative Therapieansätze vor der Operation

Bevor operative Eingriffe erwogen werden, setzt das Wiener Team auf eine Vielzahl nicht-operativer Maßnahmen. Dazu gehören speziell angepasste Physiotherapie, bei der Bewegungsabläufe systematisch trainiert werden, sowie Ergotherapie, die sich auf die Verbesserung alltäglicher Handlungsabläufe konzentriert. Spezialschuhe mit individuell angepassten Einlagen unterstützen die korrekte Fußstellung, während Sitz- und Stehunterstützungen dem Körper die nötige Stabilität geben.

Ein früher Therapiebeginn ist dabei entscheidend für den Erfolg. "Das kindliche Gehirn ist in den ersten Lebensjahren besonders plastisch und kann sich an neue Bewegungsmuster anpassen", erklärt ein Sprecher der Vinzenz Gruppe. Diese Neuroplastizität – die Fähigkeit des Nervensystems, sich durch Erfahrung zu verändern – ist bei Kindern deutlich ausgeprägter als bei Erwachsenen.

Österreich als Vorreiter bei Bewegungsstörungen

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nimmt Österreich bei der Behandlung neurologischer Bewegungsstörungen eine Spitzenposition ein. Während in Deutschland etwa 15.000 Kinder jährlich an ähnlichen Problemen leiden, sind es in Österreich proportional etwa 1.500 Fälle. Die Schweiz verzeichnet mit ihrer ähnlichen Bevölkerungsstruktur vergleichbare Zahlen, jedoch unterscheiden sich die Behandlungsansätze teilweise erheblich.

In Österreich wird besonders großer Wert auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit gelegt. Anders als in vielen deutschen Kliniken, wo oft nur einzelne Fachbereiche konsultiert werden, arbeiten in den österreichischen Spezialzentren Ärzte verschiedener Disziplinen von Beginn an zusammen. Diese ganzheitliche Herangehensweise führt zu besseren Behandlungsergebnissen und einer höheren Patientenzufriedenheit.

Die Kosten für solche komplexen Behandlungen werden in Österreich vollständig von der Sozialversicherung übernommen. Eine neuroorthopädische Behandlung kann sich über mehrere Jahre erstrecken und Kosten von 50.000 bis 100.000 Euro verursachen. In privaten Gesundheitssystemen wären solche Behandlungen für viele Familien unerschwinglich.

Sophias Erfolgsgeschichte: Symbol für medizinischen Fortschritt

Nach der erfolgreichen Operation können Sophias Kniegelenke wieder das Körpergewicht tragen. Die Kniescheiben wurden in ihre anatomisch richtige Position gebracht und durch spezielle Techniken fixiert. "Heute sind Sophias Kniegelenke wieder so stabil, dass sie kürzere Strecken selbstständig gehen kann", berichtet Dr. Krebs stolz über den Behandlungserfolg.

Diese Verbesserung bedeutet für Sophia und ihre Familie eine dramatische Steigerung der Lebensqualität. Selbstständige Mobilität ist ein Grundbedürfnis, dessen Verlust besonders bei Kindern schwerwiegende psychische Folgen haben kann. Die Möglichkeit, wieder gehen zu können, stärkt nicht nur die körperliche, sondern auch die emotionale Entwicklung des Kindes.

Rheuma: Die unterschätzte Volkskrankheit in Österreich

Während die Erfolge in der Kinderorthopädie Schlagzeilen machen, leiden etwa 1,7 Millionen Österreicher – das entspricht knapp einem Fünftel der Bevölkerung – an rheumatischen Beschwerden. Diese Zahl ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen, was Experten auf die alternde Gesellschaft und veränderte Lebensgewohnheiten zurückführen.

Rheuma ist ein Sammelbegriff für über 400 verschiedene Krankheitsbilder, die Gelenke, Muskeln, Sehnen oder Bindegewebe betreffen. Prim. Doz. Dr. Edmund Cauza, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin des Herz-Jesu Krankenhaus Wien, erklärt: "Auslöser ist meist eine Autoimmunreaktion – der Körper greift eigenes Gewebe an."

Diese Autoimmunreaktion entsteht, wenn das Immunsystem körpereigene Strukturen fälschlicherweise als fremd erkennt und bekämpft. Bei rheumatoider Arthritis, der häufigsten entzündlichen Rheuma-Form, werden beispielsweise die Gelenkinnenhäute angegriffen, was zu Schwellungen, Schmerzen und langfristig zur Zerstörung der Gelenke führen kann.

Revolutionäre Therapieansätze im Zeitalter der Biologika

Die Behandlung rheumatischer Erkrankungen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten revolutionär entwickelt. "Im Zeitalter der Biologika haben wir ein großes Arsenal an Medikamenten zur Verfügung, die spezifisch und zielgerichtet wirken", erklärt Dr. Cauza. Biologika sind biotechnologisch hergestellte Medikamente, die gezielt in das Immunsystem eingreifen und bestimmte Botenstoffe blockieren, die für die Entzündungsreaktion verantwortlich sind.

Diese modernen Therapien kosten pro Patient und Jahr zwischen 15.000 und 30.000 Euro, werden aber bei entsprechender Indikation von der österreichischen Sozialversicherung übernommen. In der Rheumaambulanz des Herz-Jesu Krankenhaus werden jährlich über 2.000 Patienten mit diesen innovativen Therapien behandelt.

Neben medikamentösen Behandlungen haben sich auch alternative Therapieansätze bewährt. Kältetherapien, bei denen Patienten Temperaturen von minus 110 Grad Celsius ausgesetzt werden, können Entzündungen reduzieren und Schmerzen lindern. Heilstollen mit radonhaltiger Strahlung, wie sie in Bad Gastein oder Bad Hofgastein zu finden sind, nutzen die natürliche Radioaktivität zur Schmerzbehandlung.

Adipositas-Chirurgie: Neue Hoffnung für schwer Übergewichtige

Ein besonders innovativer Bereich der modernen Medizin ist die Adipositas-Chirurgie, bei der das Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien als österreichweiter Vorreiter gilt. Die Einrichtung wurde im Herbst 2025 bereits zum dritten Mal von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie zertifiziert – als einzige Wiener Spezialeinrichtung dieser Art.

Adipositas, also krankhaftes Übergewicht, betrifft in Österreich etwa 800.000 Menschen. Bei einem Body-Mass-Index (BMI) über 40 oder über 35 mit Begleiterkrankungen wie Diabetes sprechen Mediziner von Adipositas Grad III, der schwersten Form der Fettleibigkeit. Diese Patienten haben ohne medizinische Intervention eine deutlich reduzierte Lebenserwartung und leiden oft unter massiven Einschränkungen der Lebensqualität.

Die neue SADI-S-Technik (Single Anastomosis Duodeno-Ileale Bypass mit Sleeve) stellt eine Weiterentwicklung etablierter bariatrischer Operationen dar. Dabei wird der Magen zu einem schlauchförmigen Beutel verkleinert und ein Teil des Dünndarms umgeleitet, wodurch sowohl die Nahrungsaufnahme reduziert als auch die Nährstoffaufnahme vermindert wird.

Dramatische Erfolge bei schwerstgewichtigen Patienten

Die Erfolgsgeschichte einer Patientin verdeutlicht das Potenzial dieser Operationstechnik: Mit einem BMI von 57 und einem Gewicht von 149,6 Kilogramm war sie lebensbedrohlich erkrankt. Nach der SADI-S-Operation verlor sie 53 Kilogramm und konnte ihr Leben grundlegend verändern. "Ich bin ein neuer Mensch", beschreibt sie ihre Transformation.

Solche drastischen Gewichtsverluste sind keineswegs ungewöhnlich. Studien zeigen, dass Patienten nach SADI-S-Operationen durchschnittlich 70-80% ihres Übergewichts verlieren und diesen Erfolg auch langfristig halten können. Gleichzeitig verbessern sich Begleiterkrankungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Schlafapnoe oft drastisch oder verschwinden ganz.

Die Kosten für eine solche Operation belaufen sich auf etwa 15.000 bis 20.000 Euro und werden bei entsprechender medizinischer Indikation von der Sozialversicherung übernommen. Voraussetzung ist jedoch ein umfassendes Vorbereitungsprogramm mit psychologischer Betreuung, Ernährungsberatung und einem dokumentierten, gescheiterten konservativen Therapieversuch über mindestens sechs Monate.

Psychoonkologie: Unterstützung in der schwersten Stunde

Neben den medizinischen Durchbrüchen rückt auch die psychische Betreuung von Patienten immer stärker in den Fokus. Besonders Krebspatienten leiden oft unter enormen psychischen Belastungen, die den Heilungsprozess erheblich beeinträchtigen können.

Mag.a Christina Mayr-Pieper, Leiterin des Bereichs Klinische Psychologie, Psychoonkologie und Psychotherapie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, erklärt: "Die Wartezeit zwischen der Krebsdiagnose und dem Beginn einer Therapie kann für Betroffene sehr belastend sein. Typische Symptome dafür sind Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Grübeln und das Durchdenken von Katastrophenszenarien."

Die Psychoonkologie ist ein relativ junges Fachgebiet, das sich mit den psychischen Aspekten von Krebserkrankungen beschäftigt. Dabei geht es nicht nur um die Bewältigung der Diagnose, sondern um die Begleitung während der gesamten Behandlung und darüber hinaus.

Strukturierte Hilfe gegen die Angst

Um aus dem Teufelskreis der Angst auszubrechen, empfehlen Experten strukturierte Aktivitäten und die Aufrechterhaltung eines geregelten Tagesablaufs. Diese scheinbar einfachen Maßnahmen können erheblich dazu beitragen, das Gefühl der Kontrolle zurückzugewinnen und die psychische Belastung zu reduzieren.

Auch nach erfolgreicher Behandlung ist die psychische Betreuung nicht beendet. "Zumindest bis zur ersten Kontrolluntersuchung ist die Angst vor einem Rückfall bei etwa einem Drittel der Krebspatientinnen und -patienten sehr stark ausgeprägt", erläutert Mayr-Pieper. Diese Rezidivangst – die Furcht vor einem Rückfall der Erkrankung – kann das Leben der Betroffenen noch Jahre nach der eigentlichen Heilung beeinträchtigen.

Beruflicher Neuanfang im Gesundheitswesen

Die Vinzenz Gruppe zeigt auch, wie sich das Gesundheitswesen als attraktiver Arbeitgeber für Quereinsteiger erweist. Stefan Bösenbacher musste seine Tätigkeit als Konditor wegen einer Staublunge aufgeben und fand als Pflegeassistent im Haus St. Katharina eine neue berufliche Erfüllung.

Der Pflegefachkräftemangel ist in Österreich ein zunehmendes Problem. Bis 2030 werden schätzungsweise 15.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt, während gleichzeitig viele erfahrene Kräfte in Pension gehen. Quereinsteiger wie Bösenbacher können dabei helfen, diese Lücke zu schließen.

Von der Konditorei zur Pflege: Ein Paradigmenwechsel

"Als Pfleger sehe ich mich in einer sozial wichtigen, menschlich relevanten und für mich erfüllenden Rolle. Als Bäcker arbeitete ich relativ einsam an der Erfüllung meines Plansolls. Jetzt bin ich in einem Team mit Menschen, die mir etwas geben und denen ich viel zurückgeben kann", beschreibt Bösenbacher seine neue Tätigkeit.

Die Umschulung zum Pflegeassistenten dauert in Österreich ein Jahr und kann bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen von der öffentlichen Hand gefördert werden. Das Gehalt eines Pflegeassistenten liegt je nach Bundesland zwischen 2.200 und 2.800 Euro brutto monatlich, wobei die Vinzenz Gruppe als einer der größten privaten Gesundheitsdienstleister oft überdurchschnittliche Entlohnung bietet.

Zukunftsperspektiven: Österreichs Gesundheitswesen im Wandel

Die im Vinzenz Magazin präsentierten Entwicklungen zeigen deutlich, wohin sich das österreichische Gesundheitswesen bewegt. Personalisierte Medizin, minimal-invasive Operationstechniken und ganzheitliche Betreuungsansätze werden zunehmend zum Standard.

Besonders die Digitalisierung wird in den kommenden Jahren weitere Durchbrüche ermöglichen. Telemedizin, KI-gestützte Diagnostik und roboterunterstützte Chirurgie stehen vor der flächendeckenden Einführung in österreichischen Krankenhäusern.

Gleichzeitig steigt die Bedeutung der Prävention. Die Behandlung chronischer Erkrankungen wie Adipositas oder rheumatischer Beschwerden wird zunehmend durch präventive Ansätze ergänzt, die darauf abzielen, Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen.

Die Vinzenz Gruppe als einer der größten privaten Gesundheitsdienstleister Österreichs zeigt mit ihren Innovationen, dass die Zukunft der Medizin bereits begonnen hat. Für Patienten wie Sophia bedeutet das konkrete Hoffnung: Die Medizin von morgen macht heute schon unmögliches möglich – vom Rollstuhl zurück ins Leben.

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