In der jüngsten Sitzung des Wiener Gemeinderats am 22. Oktober 2025 kochten die Emotionen hoch, als die Diskussion um die Kulturförderung der Stadt Wien in den Fokus rückte. Der Antrag, der eine Erhöhung des Rahmenbetrags für Literaturförderungen vorsieht, sorgte für hitzige Debatten zwischen den Pa
In der jüngsten Sitzung des Wiener Gemeinderats am 22. Oktober 2025 kochten die Emotionen hoch, als die Diskussion um die Kulturförderung der Stadt Wien in den Fokus rückte. Der Antrag, der eine Erhöhung des Rahmenbetrags für Literaturförderungen vorsieht, sorgte für hitzige Debatten zwischen den Parteien. Insbesondere die ÖVP äußerte Bedenken über die Vergabe der Fördermittel und die Relevanz der geförderten Projekte.
GR Dr. Michael Gorlitzer von der ÖVP kritisierte scharf das Förderprogramm, das seiner Meinung nach nicht dazu beiträgt, die österreichische Literatur einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein Beispiel, das er anführte, war die Förderung einer „Anti-Muttertags-Lesung“ der Interessensgemeinschaft feministischer Autorinnen. Diese Veranstaltung, die in der anarchistischen Bibliothek stattfand, wurde mit 20.000 Euro unterstützt, was Gorlitzer als nicht gerechtfertigt ansah.
Die Veranstaltung zog rund 20 Besucherinnen an, mit zehn Autorinnen, die auftraten. „Anarchie ist für mich kein positiv belegter Begriff“, betonte Gorlitzer und fügte hinzu, dass die ÖVP diesem Antrag nicht zustimmen werde. Ein weiterer Kritikpunkt war ein Schreibkurs für Feministinnen in Kroatien, den Gorlitzer als unpassend für die Förderkriterien bezeichnete.
GRin Mag. Ursula Berner von den Grünen zeigte sich hingegen erfreut über den Rahmenbetrag für Literatur, äußerte jedoch Bedenken hinsichtlich der Umsetzung des Kinderliteraturhauses in Floridsdorf. Sie kritisierte die Kostenplanung als undurchsichtig und forderte mehr Klarheit über die Gesamtkosten bis zur geplanten Eröffnung im Jahr 2028.
„Es braucht klare und solide Finanzprozesse“, betonte Berner und wies darauf hin, dass die Förderpraxis der Stadt Wien intransparent sei. Die Grünen fordern, dass Kulturprojekte Diskussionen eröffnen und aktuelle Entwicklungen widerspiegeln.
Die Diskussion um die Wiener Festwochen und deren Intendanten Milo Rau sorgte ebenfalls für Kontroversen. GR Lukas Brucker von der FPÖ kritisierte, dass Rau in einem offenen Brief andere Künstler aufgefordert habe, Veranstaltungen gegen Israel zu planen. „Das ist nicht akzeptabel“, so Brucker, der die Abberufung Raus und die Streichung der Fördermittel für die Festwochen 2026 forderte.
Die FPÖ sieht in der aktuellen Förderpraxis eine ideologische Verzerrung und fordert neue Richtlinien, um sicherzustellen, dass Fördermittel nicht für politische Agitation missbraucht werden.
GRin Katharina Weninger von der SPÖ verteidigte die Erhöhung der Literaturförderung und betonte, dass die gesamte Breite der Literaturszene unterstützt werde. „Die Inflation trifft die Literaturszene massiv“, erklärte Weninger und hob die Bedeutung von Projekten wie „Writers in Exile“ und das Erich Fried Poesie-Festival hervor.
Weninger wies die Kritik der ÖVP zurück und betonte, dass die künstlerische Bewertung den Profis überlassen werden solle. Sie lobte die MA7 als spezialisierte Förderabteilung, die sowohl die Finanzen als auch die künstlerische Qualität prüft.
Ein weiteres Thema der Sitzung war die Umwidmung eines ehemaligen Mistplatzes in der Leopoldstadt. GRin Sabine Keri von der ÖVP thematisierte die Auswirkungen auf die Buslinie 80A, die ab Mitte November nicht mehr fahren soll. „Das betrifft nicht nur eine kleine Gruppe an Bewohnern, sondern hat weitreichende Auswirkungen“, so Keri.
Die ÖVP hat einen Antrag eingebracht, dass die Buslinie zumindest bis zur Lukschgasse fahren solle, während die SPÖ im Bezirk Unterschriften sammelt, um den Erhalt der Linie zu sichern.
Die Debatte im Wiener Gemeinderat zeigt, wie komplex und vielschichtig die Themen Kulturförderung und Verkehrsplanung sind. Während die Parteien unterschiedliche Schwerpunkte setzen, bleibt die Frage offen, wie die Stadt Wien ihre Fördermittel künftig verteilen wird. Die Forderungen nach mehr Transparenz und klaren Richtlinien werden sicherlich auch in zukünftigen Sitzungen eine Rolle spielen.
Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Stadtregierung auf die Kritikpunkte eingeht und wie die Förderpraxis in Wien weiterentwickelt wird. Die Bürgerinnen und Bürger sind gespannt, welche Entscheidungen getroffen werden und wie sich diese auf das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Wien auswirken werden.