Fragestunde behandelt Gesundheitsversorgung, Kulturvermittlung und Verkehrssicherheit
Der 11. Wiener Gemeinderat diskutierte orthopädische Wartezeiten, Adolf Loos-Ausstellung und altersgerechte Verkehrsführung.
Am Mittwoch startete der 11. Wiener Gemeinderat um 9 Uhr mit der traditionellen Fragestunde, in der vier relevante Themen für die Wiener Bevölkerung behandelt wurden. Von der Gesundheitsversorgung über kulturelle Aufarbeitung bis hin zur seniorengerechten Stadtplanung spannte sich der Bogen der Anfragen.
Die erste Anfrage der Grünen-Gemeinderätin Barbara Huemer richtete sich an Gesundheitsstadtrat Peter Hacker und behandelte ein für viele Wienerinnen und Wiener relevantes Thema: die Wartezeiten auf orthopädische Operationen in den Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes.
Konkret wollte Huemer wissen, ob es Unterschiede in den durchschnittlichen Wartezeiten zwischen Menschen mit und ohne Hauptwohnsitz in Wien gibt. Hacker erklärte, dass zwar die Möglichkeit getrennter Wartelisten im Raum stehe, von dieser jedoch bislang kein Gebrauch gemacht wurde.
"Grundsätzlich muss jedes Bundesland eine wohnortnahe Versorgung von Patientinnen und Patienten sicherstellen", betonte Hacker. Dies betreffe planbare Eingriffe sowie deren Vor- und Nachsorge, nicht jedoch Notfälle und komplizierte Eingriffe. Der Stadtrat verwies darauf, dass der Mechanismus vorsehe, dass Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher auch in Niederösterreich behandelt werden.
Dass dennoch viele Patientinnen und Patienten für ihre Behandlungen nach Wien kommen, führte Hacker auf die hohe Expertise des gesamten medizinischen und Pflegepersonals in Wien zurück – ein indirektes Lob für die Qualität der Wiener Gesundheitseinrichtungen.
Die zweite Anfrage von FPÖ-Gemeinderat Michael Stumpf an Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler behandelte ein sensibles Thema: die Präsentation des Architekten Adolf Loos im Wien Museum und den Umgang mit dessen Missbrauchsvorwürfen.
Stumpf erkundigte sich, inwiefern das Wien Museum die Präsentation zu Adolf Loos mit klaren, gut sichtbaren Hinweisen auf den Missbrauchskontext versieht. Dies ist eine wichtige Frage, da Loos trotz seiner architektonischen Bedeutung wegen Vorwürfen des Missbrauchs Minderjähriger eine kontroverse historische Figur darstellt.
Kaup-Hasler versicherte, dass im Wien Museum explizit die dunkle Seite von Adolf Loos und damit verbunden sein Missbrauch Minderjähriger hervorgehoben werde. Die Stadträtin betonte, dass das Wien Museum dies aus ihrer Sicht ausreichend kontextualisiert habe und der Aspekt insbesondere auch bei Schulführungen klar hervorgehoben werde.
Dennoch zeigte sich Kaup-Hasler offen für Verbesserungen und kündigte an, die Darstellung noch einmal zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu bewerten. Diese Reaktion zeigt die Sensibilität der Stadt Wien für eine verantwortungsvolle Kulturvermittlung.
In der dritten Anfrage erkundigte sich SPÖ-Gemeinderätin Aslihan Bozatemur bei Gesundheitsstadtrat Hacker nach der geplanten Kooperation zwischen dem Wiener Gesundheitsverbund und den Vinzenz-Kliniken zur zentralen Steuerung von OP-Terminen.
Hacker gab bekannt, dass bereits an einer trägerübergreifenden zentralen Steuerung für planbare Operationen gearbeitet werde. Der Start soll bereits Mitte dieses Jahres erfolgen, wobei die Vorbereitungen derzeit auf Hochtouren laufen.
Der Zeitplan ist ambitioniert: Ein Start im Sommer mit 30 Prozent der Ressourcen ist geplant, bis Ende des Jahres sollen 50 Prozent der Kapazitäten zentral gesteuert werden. Den Anfang werden Hüft- und Knieoperationen machen, die ab Ende des Jahres über das neue System abgewickelt werden sollen.
Die Terminvergabe wird über die bereits etablierte Hotline 1450 erfolgen. Hacker verwies auf positive Erfahrungen mit der Zusammenarbeit bei der Geburtsanmeldung, die als Vorbild für das neue System dient.
Die Ziele der neuen zentralen Steuerung sind klar definiert:
Auf Basis der Erfahrungen mit diesem Pilotprojekt könne die zentrale Steuerung später auch auf andere Operationen ausgeweitet werden, erklärte Hacker.
Die vierte und letzte Anfrage der Fragestunde stammte von ÖVP-Gemeinderätin Ingrid Korosec und richtete sich an Bürgermeister Michael Ludwig. Thema waren die "Age-Friendly Cities and Communities" – altersfreundliche Städte und Gemeinden.
Korosec wollte wissen, welche Maßnahmen die Stadt setzt, um sicherzustellen, dass Ampelschaltungen und Verkehrsführungen den Bedürfnissen von Seniorinnen und Senioren entsprechen und eine sichere und angstfreie Teilnahme am Straßenverkehr ermöglichen.
Ludwig erklärte, dass die Initiative "Age-Friendly Cities and Communities" im Jahr 2010 von der Weltgesundheitsorganisation WHO ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, Wohlbefinden und Lebensqualität von älteren Menschen zu fördern. Dies betrifft vor allem die Bereiche Wohnen, Verkehr, soziale Teilhabe, Versorgung und Sicherheit.
Das internationale Netzwerk umfasst mittlerweile mehr als 1500 Städte und Gemeinden weltweit. Wien ist Teil dieses Netzwerkes und setzt bereits seit Jahren in der gesamten Stadtplanung unter anderem auf Barrierefreiheit und sicheren Straßenverkehr.
"Mobilität spielt insbesondere auch für Seniorinnen und Senioren eine wesentliche Rolle", betonte Ludwig. Daher bemesse Wien bei Ampeln eine niedrige Gehgeschwindigkeit und setze damit verbunden auf längere Grünphasen und Räumzeiten.
Zusätzlich sorgen folgende Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit:
Der Bürgermeister versicherte, dass Hinweisen aus der Bevölkerung selbstverständlich nachgegangen werde und die Sicherheit im Straßenverkehr laufend evaluiert und verbessert wird.
Die Fragestunde des 11. Wiener Gemeinderats zeigte die Vielfalt der Themen, die für die Wiener Bevölkerung relevant sind. Von konkreten Gesundheitsfragen über kulturelle Aufarbeitung bis hin zur altersgerechten Stadtgestaltung wurden wichtige Bereiche des städtischen Lebens behandelt.
Besonders bemerkenswert ist die geplante zentrale Steuerung von OP-Terminen, die eine spürbare Verbesserung für Patientinnen und Patienten bringen könnte. Auch die offene Diskussion über kontroverse historische Figuren wie Adolf Loos zeigt den verantwortungsvollen Umgang der Stadt mit ihrer Geschichte.
Die Initiative für eine altersfreundliche Stadt unterstreicht Wiens Bestreben, für alle Bevölkerungsgruppen eine lebenswerte Umgebung zu schaffen. Diese Themenvielfalt verdeutlicht die komplexen Aufgaben einer modernen Großstadt und die Bemühungen der Stadtregierung, diesen gerecht zu werden.