Am 3. Februar 2026 wurde im Wien Museum ein bedeutendes Werk vorgestellt, das die dunkle Geschichte der Wiener Gemeindebauten während der NS-Zeit beleuchtet. Der Sammelband mit dem Titel „Licht, Luft und Schatten“ dokumentiert die Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojekts, das von Wiener Wohn
Am 3. Februar 2026 wurde im Wien Museum ein bedeutendes Werk vorgestellt, das die dunkle Geschichte der Wiener Gemeindebauten während der NS-Zeit beleuchtet. Der Sammelband mit dem Titel „Licht, Luft und Schatten“ dokumentiert die Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojekts, das von Wiener Wohnen in Auftrag gegeben wurde. Diese Veröffentlichung ist nicht nur eine wissenschaftliche Aufarbeitung, sondern auch ein Mahnmal gegen das Vergessen der Schrecken der Vergangenheit.
Die Wiener Gemeindebauten sind ein Symbol der sozialen Wohnbaupolitik der Zwischenkriegszeit in Österreich. Sie waren ein Vorzeigeprojekt der sozialdemokratischen Regierung, die sich zum Ziel gesetzt hatte, leistbaren Wohnraum für die breite Bevölkerung zu schaffen. Während der NS-Zeit wurden jedoch tausende jüdische Mieter systematisch aus ihren Wohnungen vertrieben. Dies war Teil des umfassenden antisemitischen Programms der Nationalsozialisten, das in ganz Europa unzählige Menschenleben forderte.
Das Forschungsprojekt, das der Veröffentlichung zugrunde liegt, analysierte die Strukturen und Akteur*innen der Zeit, um die Mechanismen der Entrechtung und Vertreibung zu verstehen. Ein besonderer Fokus lag auf den persönlichen Schicksalen der betroffenen Mieter. Diese biografischen Studien sind von unschätzbarem Wert, da sie den anonymen Zahlen ein menschliches Gesicht verleihen.
Im Vergleich zu anderen Bundesländern in Österreich sowie zu Deutschland und der Schweiz zeigt sich, dass die systematische Verdrängung jüdischer Mieter in den Wiener Gemeindebauten besonders rigoros durchgeführt wurde. Während in Deutschland ähnliche Maßnahmen ergriffen wurden, war die Dichte und Bedeutung der Gemeindebauten in Wien einzigartig. In der Schweiz hingegen, die neutral blieb, gab es keine vergleichbaren staatlichen Eingriffe in den Wohnungsmarkt.
Die Aufarbeitung dieser Geschichte hat nicht nur historische Bedeutung, sondern auch aktuelle Relevanz. Sie erinnert uns daran, wie wichtig es ist, sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung zu stellen. Die Präsentation des Sammelbandes und die begleitenden Veranstaltungen wie Rundgänge und Gedenkabende tragen dazu bei, das Bewusstsein für diese Themen in der Gesellschaft zu schärfen.
Der Sammelband umfasst 440 Seiten und bietet eine umfassende Analyse der Ereignisse. Die Forschungsergebnisse wurden im Gedenkjahr 2025 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, um das 80. Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu markieren. Das Buch enthält zahlreiche Biografien und dokumentiert die Schicksale der Opfer.
Vizebürgermeisterin Kathrin Gaál betonte die Bedeutung der Veröffentlichung als Zeichen gegen das Vergessen. Karin Ramser, Direktorin von Wiener Wohnen, hob hervor, dass die Forschung nicht im Archiv verbleiben sollte, sondern die Köpfe und Herzen der Gegenwart erreichen müsse.
Die Veröffentlichung des Sammelbandes und die begleitenden Initiativen sind ein wichtiger Schritt, um die Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit wachzuhalten. In Zukunft könnte die Digitalisierung dieser Informationen und die Integration in Bildungsprogramme dazu beitragen, dass noch mehr Menschen Zugang zu diesem Wissen erhalten. Projekte wie das temporäre Community Museum „Auch das waren wir“ zeigen, wie partizipative Ansätze die Aufarbeitung der Geschichte bereichern können.
Die Aufarbeitung der Geschichte der Wiener Gemeindebauten während der NS-Zeit ist ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur in Österreich. Sie fordert uns auf, die Vergangenheit nicht zu vergessen und aus ihr zu lernen. Weitere Informationen und Biografien der Opfer sind auf der Website www.nievergessen.wienerwohnen.at zu finden. Wie können wir als Gesellschaft sicherstellen, dass solche Verbrechen nie wieder geschehen?