Für alkoholkranke Menschen in Wien hat sich die Situation massiv verschlechtert: Wiener Patient:innen erhalten derzeit nur noch eine einmonatige stationäre Behandlung – zuvor waren es zwei bis drei Monate.
Für alkoholkranke Menschen in Wien hat sich die Versorgung massiv verschlechtert. Grund ist der Ausstieg der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) mit Ende 2025 aus dem gemeinsam mit der Stadt Wien und der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) finanzierten Pilotprojekt „Alkohol. Leben können“, das über zehn Jahre hinweg als Vorzeigemodell galt. Dadurch stehen nun deutlich weniger Mittel für das Programm zur Verfügung.
Das Pilotprojekt „Alkohol. Leben können“ wurde gemeinsam von der Stadt Wien, der ÖGK und der PVA finanziert und galt über zehn Jahre als Vorzeigemodell. Barbara Huemer, Gesundheitssprecherin der Grünen Wien, kritisiert, dass es dadurch zu einer Zweiklassenmedizin im Bereich des stationären Alkoholentzugs komme: Niederösterreicher:innen würden weiterhin acht bis zwölf Wochen finanziert, für Wiener:innen seien es nur noch vier Wochen. Huemer bemängelt außerdem, dass die PVA ihren Ausstieg bereits 2023 ankündigte und in der Folge kein tragfähiges Nachfolgemodell verhandelt worden sei. Sie warnt, eine mögliche bundesweite Lösung käme zu spät und kritisiert das politische Vorgehen.
Die Folgen treffen auch das Anton Proksch Institut in Liesing. In den vergangenen Jahren wurde dort investiert, modernisiert und das Therapieangebot ausgebaut. Nun führen Kreditkosten und Kürzungen zu massivem finanziellem Druck. Bereits mehr als 30 Mitarbeiter:innen wurden gekündigt, und weitere Fachkräfte verlassen aufgrund der unsicheren Perspektiven die Einrichtung. Bis zu 400 Therapieplätze könnten dadurch verloren gehen.
Die Belegschaft hat sich in einem offenen Brief an Öffentlichkeit und Politik gewandt und vor den drastischen Folgen gewarnt. Sie fordert Unterstützung, um den Personalabbau zu stoppen und die Qualität der Alkoholsuchttherapie zu sichern. Die Grünen Wien fordern, dass Stadt Wien, ÖGK und PVA umgehend an den Verhandlungstisch zurückkehren und eine qualitätsvolle stationäre Therapie für alkoholkranke Menschen sicherstellen. Die Grünen werden dazu einen entsprechenden Antrag in der Sitzung des Wiener Gemeinderats einbringen.
Huemer: „Alkoholsucht ist keine Randerscheinung, sondern eine chronische Erkrankung, die viele Menschen in Wien betrifft. Kürzungen in diesem Bereich sind medizinisch unverantwortlich und sozialpolitisch rückschrittlich.“ Die Grünen Wien fordern daher eine rasche, nachhaltige Lösung zur Sicherstellung der bestmöglichen stationären Versorgung sowie eine langfristige Finanzierung des Anton Proksch Instituts.