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Wien pflanzt erstes „Straucherl

3. April 2026 um 09:04
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Am Carl-Szokoll-Platz im 9. Wiener Gemeindebezirk entsteht am 9. April 2026 ein neues Stück urbane Wildnis. Das erste „Wiener Straucherl" wird dort gemeinsam von Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky,

Am Carl-Szokoll-Platz im 9. Wiener Gemeindebezirk entsteht am 9. April 2026 ein neues Stück urbane Wildnis. Das erste „Wiener Straucherl" wird dort gemeinsam von Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, Bezirksvorsteherin Saya Ahmad und Schülerinnen und Schülern gepflanzt. Diese innovative Initiative der Wiener Stadtgärten stellt eine kompakte Alternative zu den bereits etablierten „Wiener Wäldchen" dar und soll gezielt kleine, dicht bebaute Stadträume ökologisch aufwerten.

Was ist ein „Wiener Straucherl" und wie funktioniert es?

Das „Wiener Straucherl" ist ein naturnaher Lebensraum mit einer Fläche von etwa 50 Quadratmetern – deutlich kleiner als die bekannten Wiener Wäldchen, die meist mehrere hundert Quadratmeter umfassen. Diese kompakte Größe macht das Straucherl besonders geeignet für dicht bebaute Stadtgebiete, wo größere Grünflächen schlichtweg nicht realisierbar sind. Die Bepflanzung erfolgt mit heimischen Sträuchern, Stauden und kleinwüchsigen Bäumen, die speziell für das urbane Umfeld ausgewählt werden. Dabei stehen Robustheit gegenüber Luftverschmutzung, Hitze und Wassermangel im Vordergrund, während gleichzeitig der ökologische Nutzen maximiert wird.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Stadtbegrünungen, die oft auf ästhetische Aspekte fokussieren, steht beim Straucherl die ökologische Funktionalität im Mittelpunkt. Die verwendeten Pflanzen bieten Nahrung für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten durch ihre Blüten, Früchte und Samen. Gleichzeitig entstehen kleine Rückzugsorte für Vögel und Kleinsäugetiere, die in der verdichteten Stadt oft schwer zu finden sind. Die Bepflanzung wird bewusst „wild" gehalten, um natürliche Prozesse zu fördern und Lebensräume zu schaffen, die der ursprünglichen Wiener Flora nahekommen.

Standortwahl am Carl-Szokoll-Platz

Der Carl-Szokoll-Platz im Alsergrund wurde nicht zufällig als Standort für das erste Wiener Straucherl ausgewählt. Der 9. Bezirk zählt mit etwa 4.200 Einwohnern pro Quadratkilometer zu den dichter besiedelten Wiener Bezirken und weist gleichzeitig einen vergleichsweise geringen Grünflächenanteil auf. Der Platz selbst ist von typischer Gründerzeit-Bebauung umgeben und bot bisher wenig Grün für die Anrainerinnen und Anrainer. Durch die zentrale Lage zwischen Währinger Straße und Spitalgasse wird das neue Straucherl von vielen Passantinnen und Passanten wahrgenommen und kann als Vorbild für weitere Projekte dienen.

Ökologischer Nutzen für die städtische Biodiversität

Die Bedeutung kleiner Grüninseln für die städtische Artenvielfalt wird oft unterschätzt. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bereits 50 Quadratmeter naturnaher Bepflanzung erheblichen Einfluss auf das lokale Ökosystem haben können. Das Wiener Straucherl fungiert als sogenannter „Trittstein" im ökologischen Netzwerk der Stadt – kleine Lebensräume, die es Tieren ermöglichen, zwischen größeren Grünflächen zu wandern und genetischen Austausch zu ermöglichen.

Besonders für Insekten, deren Populationen in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen sind, bieten solche Mikrohabitate überlebenswichtige Ressourcen. Eine typische Straucherl-Bepflanzung mit Kornelkirsche, Weißdorn, Holunder und heimischen Wildstauden kann über die gesamte Vegetationsperiode hinweg kontinuierlich Nahrung bieten. Im Frühjahr locken die ersten Blüten Wildbienen an, im Sommer sorgen Stauden für Nektar, und im Herbst bieten Beeren und Samen Nahrung für Vögel und andere Tiere.

Klimawandel-Anpassung durch urbanes Grün

Wien steht wie alle europäischen Großstädte vor enormen Herausforderungen durch den Klimawandel. Die durchschnittliche Jahrestemperatur ist in der Donaumetropole seit 1960 um etwa 2,1 Grad Celsius gestiegen – deutlich mehr als der globale Durchschnitt. Gleichzeitig nehmen Extremwetterereignisse wie Hitzewellen und Starkregen zu. Das Wiener Straucherl trägt zur Klimaanpassung bei, indem es mehrere wichtige Funktionen erfüllt: Die Vegetation kühlt durch Verdunstung die unmittelbare Umgebung, bindet Feinstaub und CO₂ und kann bei Starkregen Wasser aufnehmen und verzögert abgeben.

Berechnungen der Wiener Umweltschutzabteilung zeigen, dass ein 50 Quadratmeter großes Straucherl an einem heißen Sommertag bis zu 200 Liter Wasser verdunsten und dabei die Umgebungstemperatur um 2-3 Grad senken kann. Diese mikroklimatischen Effekte sind zwar lokal begrenzt, können aber in dicht bebauten Gebieten spürbare Erleichterung bringen. Zusätzlich bindet die Vegetation pro Jahr etwa 150-200 Kilogramm CO₂ – ein bescheidener, aber messbarer Beitrag zum Klimaschutz.

Historische Entwicklung der Wiener Stadtbegrünung

Die systematische Begrünung Wiens hat eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Bereits 1862 wurde die k.k. Gartenbaudirektion gegründet, aus der später die heutigen Wiener Stadtgärten hervorgingen. Die Ringstraße mit ihren Parks und Alleen war ein früher Höhepunkt der Stadtplanung, die Grünräume als wichtiges Element urbaner Lebensqualität erkannte. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag der Fokus zunächst auf dem Wiederaufbau und der Schaffung großer Parkanlagen wie des Donauparks oder der Donauinsel.

Seit den 1990er Jahren hat sich das Verständnis von Stadtgrün grundlegend gewandelt. Während früher hauptsächlich ästhetische und repräsentative Aspekte im Vordergrund standen, rücken heute ökologische Funktionen und Klimaanpassung in den Mittelpunkt. Die „Wiener Wäldchen

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