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Wien ESC 2025: 12 Trinkbrunnen im Song Contest Look

12. April 2026 um 07:19
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Wien macht sich bereit für den Eurovision Song Contest 2025 und setzt dabei auf eine ganz besondere Art der Gästebewertung: Zwölf der markanten Wiener Trinkbrunnen, die sogenannten "Brunnhilden", w...

Wien macht sich bereit für den Eurovision Song Contest 2025 und setzt dabei auf eine ganz besondere Art der Gästebewertung: Zwölf der markanten Wiener Trinkbrunnen, die sogenannten "Brunnhilden", werden passend zum größten Musikereignis Europas in einen speziellen ESC-Look gehüllt. Diese außergewöhnliche Marketingaktion der Stadt Wien soll internationale Gäste nicht nur mit bestem Wiener Hochquellwasser versorgen, sondern auch ein deutliches Zeichen für Wiens Vorreiterrolle bei der öffentlichen Wasserversorgung setzen.

Brunnhilden: Wiens markante Wahrzeichen der Wasserversorgung

Die Brunnhilden sind drei Meter hohe Trinkbrunnen aus Edelstahl, die bereits seit Jahren zu Wiens Stadtbild gehören und bei Touristen wie Einheimischen gleichermaßen beliebt sind. Diese modernen Wasserspender zeichnen sich durch ihr auffälliges Design aus und bieten neben frischem Trinkwasser auch eine Sprühnebel-Funktion, die besonders an heißen Sommertagen für Erfrischung sorgt. Der Name "Brunnhilde" spielt bewusst auf die Figur aus Richard Wagners Opernzyklus "Der Ring des Nibelungen" an und unterstreicht Wiens kulturelle Tradition.

Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky erklärt die Motivation hinter der ESC-Aktion: "Die schon von weitem sichtbaren Brunnhilden sind bei unseren Gästen sehr beliebt. Mit dem Song Contest Look wollen wir es den ESC-Fans ganz besonders einfach machen, den Durst mit bestem Wiener Hochquellwasser zu stillen." Die strategisch platzierten Standorte umfassen neuralgische Punkte wie den Rathausplatz, den Hauptbahnhof, die Stadthalle im Märzpark und den Graben – allesamt Orte, die während des ESC von tausenden internationalen Gästen frequentiert werden.

1.800 Trinkbrunnen: Wien als europäischer Spitzenreiter

Die ESC-Aktion ist nur die Spitze des Eisbergs einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte. Wien hat mittlerweile 1.800 öffentliche Trinkbrunnen installiert und übertrifft damit sogar ganz Deutschland, das laut aktuellen Zahlen von 2025 nur über 1.500 öffentliche Trinkbrunnen verfügt. Diese Zahlen sind umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Deutschland mit über 83 Millionen Einwohnern etwa 40-mal so viele Menschen zählt wie Wien mit seinen knapp 2 Millionen Bewohnern.

Seit 2021 hat die Stadt Wien ihre Anstrengungen im Bereich der öffentlichen Wasserversorgung massiv verstärkt. In nur vier Jahren konnten 700 neue Trinkbrunnen installiert werden, allein im vergangenen Jahr waren es 200 zusätzliche Wasserspender. Diese beeindruckende Bilanz zeigt das Engagement der Stadtregierung für eine flächendeckende Grundversorgung mit kostenlosem Trinkwasser im öffentlichen Raum.

Internationale Vergleiche: Wien setzt Maßstäbe

Im europäischen Vergleich nimmt Wien eine absolute Spitzenposition ein. Mit 90 Trinkbrunnen pro 100.000 Einwohner liegt die österreichische Hauptstadt weit vor anderen Metropolen. Paris, oft als Vorbild für urbane Lebensqualität genannt, kommt lediglich auf 59 Trinkbrunnen pro 100.000 Einwohner. Noch drastischer ist der Unterschied zu Berlin, das nur 6 Trinkbrunnen pro 100.000 Einwohner vorweisen kann.

Diese Zahlen verdeutlichen Wiens einzigartige Position in Europa. Während andere Großstädte noch damit kämpfen, eine Grundversorgung mit öffentlichem Trinkwasser zu etablieren, hat Wien bereits ein dichtes Netzwerk geschaffen, das international seinesgleichen sucht. Die hohe Dichte an Trinkbrunnen ist dabei nicht nur eine Frage der Infrastruktur, sondern auch ein wichtiger Baustein für soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.

Gesundheit und Klimaschutz: Mehrfachnutzen der Trinkbrunnen

Die Wiener Trinkbrunnen-Initiative geht weit über eine reine Serviceausstattung hinaus. Sie ist ein wichtiger Baustein der städtischen Gesundheits- und Klimapolitik. Kostenloser Zugang zu frischem Trinkwasser fördert die Gesundheit der Bevölkerung und reduziert gleichzeitig den Verbrauch von Plastikflaschen erheblich. Eine einzige Brunnhilde kann täglich hunderte von Plastikflaschen einsparen, was sich positiv auf die Umweltbilanz der Stadt auswirkt.

Besonders wichtig ist die Kühlungsfunktion der Trinkbrunnen im Kontext des Klimawandels. Wien erlebt zunehmend heiße Sommer mit Temperaturen über 35 Grad Celsius. Die Sprühnebel-Funktion der Brunnhilden bietet nicht nur Erfrischung, sondern kann auch lebensrettend sein, insbesondere für ältere Menschen und Kinder, die anfälliger für Hitzestress sind.

Paul Hellmeier, Chef von Wiener Wasser, betont: "Mehr Trinkbrunnen sind ein wichtiger Beitrag für die Gesundheit und die Lebensqualität der Wiener*innen und bieten Erfrischung an Hitzetagen. Wien erschließt neue Trinkbrunnen-Standorte vor allem in den Stadterweiterungsgebieten und bei der Neugestaltung von Plätzen und Straßen."

Vielfältige Kühlungs-Infrastruktur für heiße Tage

Neben den 1.800 regulären Trinkbrunnen verfügt Wien über ein ausgeklügeltes System verschiedener Wasserspender und Kühlanlagen. Die 75 Brunnhilden bilden dabei nur einen Teil der Infrastruktur. Zusätzlich gibt es 55 historische Denkmalbrunnen, die sowohl kulturellen als auch praktischen Wert haben, sowie 100 sogenannte "Sommerspritzer" – spezielle Nebelstelen, die an Hydranten montiert werden.

Diese Sommerspritzer funktionieren vollautomatisch und sprühen in den heißesten Stunden des Tages kühlenden Sprühnebel. Sie aktivieren sich bei Temperaturen über 30 Grad Celsius automatisch und bieten so eine proaktive Kühlung für Passanten. Diese technologische Lösung zeigt, wie Wien innovative Ansätze nutzt, um sich an den Klimawandel anzupassen.

Strategische Standortwahl und Zukunftspläne

Die Verteilung der Trinkbrunnen folgt einer durchdachten städtebaulichen Strategie. Ein Großteil wird von den Wiener Stadtgärten (MA 42) betrieben und befindet sich in Parks und auf Spielplätzen. Weitere Standorte sind Märkte und belebte Plätze, wo besonders viele Menschen täglich vorbeikommen. Diese strategische Platzierung gewährleistet, dass niemand in Wien mehr als wenige hundert Meter zum nächsten Trinkbrunnen zurücklegen muss.

Für die Zukunft plant Wien eine weitere Expansion, insbesondere in den Stadterweiterungsgebieten. Neue Stadtteile wie die Seestadt Aspern oder das Quartier Belvedere werden von Beginn an mit ausreichend Trinkbrunnen ausgestattet. Bei der Neugestaltung von Plätzen und Straßen ist die Installation von Trinkbrunnen mittlerweile Standard geworden.

ESC als Schaufenster für Wiener Lebensqualität

Der Eurovision Song Contest 2025 bietet Wien die perfekte Gelegenheit, seine Vorreiterrolle bei der öffentlichen Daseinsvorsorge einem internationalen Millionenpublikum zu präsentieren. Die zwölf ESC-gestalteten Brunnhilden werden nicht nur praktischen Nutzen haben, sondern auch als Instagram-taugliche Fotomotive fungieren und so Wiens Image als lebenswerte, nachhaltige Stadt in die Welt tragen.

Die Aktion läuft unter dem Motto "Drink water, stay hydrated and take care of your voice!" – eine spielerische Anspielung auf die Bedürfnisse von Sängern und Musikfans gleichermaßen. Ab Ende April werden alle Standorte im digitalen Stadtplan der Stadt Wien markiert sein, sodass ESC-Besucher und Einheimische die speziell gestalteten Brunnhilden leicht finden können.

Wirtschaftliche und ökologische Bedeutung

Die Wiener Trinkbrunnen-Initiative hat auch erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. Durch die kostenlose Bereitstellung von Trinkwasser sparen Wiener Haushalte jährlich Millionen von Euro, die sonst für Mineralwasser ausgegeben würden. Gleichzeitig wird die lokale Gastronomie entlastet, da Gäste nicht primär wegen eines Getränks einkehren müssen, sondern sich gezielt für das Speisenangebot entscheiden können.

Aus ökologischer Sicht ist die Bilanz beeindruckend: Experten schätzen, dass die Wiener Trinkbrunnen jährlich mehrere Millionen Plastikflaschen einsparen. Dies reduziert nicht nur den Müll in der Stadt, sondern auch die CO2-Emissionen, die beim Transport von Mineralwasser entstehen würden. Das Wiener Hochquellwasser kommt direkt aus den Alpen und hat durch die kurzen Transportwege eine hervorragende Ökobilanz.

Qualität des Wiener Wassers als Fundament

Die Grundlage für den Erfolg der Wiener Trinkbrunnen ist die außergewöhnliche Qualität des Wiener Hochquellwassers. Das Wasser stammt aus den österreichischen Alpen und erreicht Wien über zwei Hochquellwasserleitungen, die bereits im 19. Jahrhundert erbaut wurden. Diese historische Infrastruktur wurde kontinuierlich modernisiert und erweitert, sodass heute täglich bis zu 400 Millionen Liter frisches Bergwasser nach Wien fließen.

Die Qualität des Wiener Leitungswassers übertrifft oft die von handelsüblichem Mineralwasser und wird regelmäßig von unabhängigen Instituten getestet. Diese hohe Qualität macht es für die Wiener selbstverständlich, Leitungswasser zu trinken, und schafft Vertrauen in die öffentlichen Trinkbrunnen.

Digitale Services und Bürgerbeteiligung

Die Stadt Wien hat auch die digitalen Möglichkeiten erkannt und bietet über den digitalen Stadtplan (wien.gv.at/stadtplan/) eine interaktive Karte aller Trinkbrunnen an. Diese wird kontinuierlich aktualisiert und zeigt nicht nur Standorte, sondern auch Zusatzinformationen wie Barrierefreiheit oder besondere Ausstattung. Mobile Apps machen es möglich, den nächstgelegenen Trinkbrunnen zu finden und sogar Störungen zu melden.

Diese digitale Integration zeigt, wie traditionelle Infrastruktur mit modernen Serviceleistungen verknüpft werden kann. Bürger können aktiv zur Qualitätssicherung beitragen, indem sie Feedback geben oder Wartungsbedarf melden.

Vorbild für andere Städte

Wiens Erfolg bei der Trinkbrunnen-Infrastruktur wird international beachtet. Delegationen aus anderen europäischen Städten besuchen regelmäßig Wien, um sich über das System zu informieren und ähnliche Projekte in ihren Heimatstädten zu initiieren. Besonders deutsche Städte wie München, Hamburg oder Köln haben in den letzten Jahren verstärkt Trinkbrunnen installiert und orientieren sich dabei am Wiener Modell.

Die WHO und die EU-Kommission haben Wiens Trinkbrunnen-Programm als Best Practice ausgezeichnet und empfehlen es als Modell für andere Städte. Dies unterstreicht nicht nur die praktische Bedeutung, sondern auch die symbolische Kraft von Wiens Engagement für eine gerechte und nachhaltige Stadtentwicklung.

Der Eurovision Song Contest 2025 wird somit nicht nur ein Musikfestival, sondern auch eine Bühne für Wiens innovative Stadtpolitik. Die zwölf ESC-gestylten Brunnhilden stehen symbolisch für eine Stadt, die Tradition und Innovation, Kultur und Nachhaltigkeit erfolgreich verbindet und dabei internationale Maßstäbe setzt.

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