In einer entscheidenden Sitzung des Wiener Gemeinderats am 22. Oktober 2025 wurde ein neuer Strategiebeschluss gefasst, der die Weichen für die Zukunft der Stadt Wien stellen soll. Unter dem Titel „Wiener Weg“ wurde ein umfassender Plan zur Förderung der Kreislaufwirtschaft verabschiedet, der sowohl
In einer entscheidenden Sitzung des Wiener Gemeinderats am 22. Oktober 2025 wurde ein neuer Strategiebeschluss gefasst, der die Weichen für die Zukunft der Stadt Wien stellen soll. Unter dem Titel „Wiener Weg“ wurde ein umfassender Plan zur Förderung der Kreislaufwirtschaft verabschiedet, der sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile verspricht. Doch was steckt hinter diesem Beschluss und welche Auswirkungen hat er auf die Bürgerinnen und Bürger Wiens?
Der neue Strategiebeschluss, der von GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara (NEOS) als „Wiener Weg“ bezeichnet wird, zielt darauf ab, die Kreislaufwirtschaft in Wien zu stärken. Diese Wirtschaftsform, die auf die Wiederverwendung und das Recycling von Materialien setzt, soll nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch neue Arbeitsplätze schaffen. Laut Gara sind in Europa bereits rund 100 Millionen Tonnen Kupfer verbaut, während jährlich nur eine Million Tonnen neu gefördert werden. Der Bedarf liegt jedoch bei vier Millionen Tonnen. Hier setzt die Kreislaufwirtschaft an, indem sie die Wiederverwendung von Kupfer und anderen Materialien fördert.
Die Kreislaufwirtschaft ist ein zentrales Element des Wiener Klimafahrplans, der regelmäßig evaluiert wird. Sie soll dazu beitragen, die Stadt unabhängig von Rohstoffeinkäufen zu machen und gleichzeitig die Umweltbelastung zu reduzieren. Ein Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie ist die neue Sport Arena Wien, bei deren Bau 80 Prozent der Materialien der alten Dusika-Halle wiederverwendet wurden. Diese Praxis macht Wien zu einem Vorbild für viele europäische Städte.
Obwohl der Beschluss von vielen als positiver Schritt begrüßt wird, gibt es auch kritische Stimmen. GRin Christina Wirnsberger (GRÜNE) betonte, dass die Strategie zwar ein wichtiger Schritt sei, jedoch noch nicht ausreiche. Sie forderte konkrete Taten und wies darauf hin, dass weltweit derzeit nur 7,2 Prozent der Ressourcen in der Kreislaufwirtschaft wiederverwendet werden. „Das Problem ist enorm“, warnte Wirnsberger und stellte einen Antrag auf Evaluierung und Monitoring des Strategiebeschlusses.
Ein Blick nach Amsterdam zeigt, dass andere Städte bereits weitreichende Pläne zur Förderung der Kreislaufwirtschaft umgesetzt haben. Amsterdam hat bereits 2020 einen Plan zur Wiederverwendung von Ressourcen erstellt, der regelmäßig evaluiert wird. „Amsterdam kann das, ich frage mich, warum Wien das nicht kann?“, fragte Wirnsberger und forderte mehr Engagement von der Stadtregierung.
GR Mag. Josef Taucher (SPÖ) hob die wirtschaftlichen Vorteile des Strategiebeschlusses hervor. Er betonte, dass die Kreislaufwirtschaft dazu beitragen könne, die Jobs der Zukunft zu schaffen. Das Kompostwerk in der Lobau, das Grasschnitt zu Bio-Kompost und Bio-Erde verarbeitet, dient als Beispiel für erfolgreiche Projekte. Taucher sieht in der Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Impuls für die Wiener Wirtschaft.
Die Sitzung des Wiener Gemeinderats war auch von politischen Debatten geprägt. GR Michael Stumpf, BA (FPÖ) kritisierte die Grünen scharf und warf ihnen „Moral-Schmarotzertum“ vor. Er stellte zwei Anträge, die sich mit der Kreislaufwirtschaft beschäftigten, darunter die Verwendung von Schweinefleisch beim Schulessen. Stumpf betonte, dass die Kreislaufwirtschaft nicht zur Ausrede für neue Abgaben oder Steuern werden dürfe.
Für die Bürgerinnen und Bürger Wiens bedeutet der neue Strategiebeschluss vor allem eine stärkere Fokussierung auf nachhaltige Praktiken im Alltag. Die Förderung der Kreislaufwirtschaft könnte dazu führen, dass mehr Recyclingmöglichkeiten geschaffen werden und der Zugang zu nachhaltig produzierten Produkten erleichtert wird. Dies könnte nicht nur die Umweltbelastung reduzieren, sondern auch das Bewusstsein für umweltfreundliche Lebensweisen schärfen.
Die Umsetzung des „Wiener Wegs“ wird in den kommenden Jahren genau beobachtet werden. Experten sind sich einig, dass die Stadt Wien mit diesem Beschluss einen wichtigen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gemacht hat. „Die Kreislaufwirtschaft ist nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein ökonomisches Gebot der Stunde“, so ein Experte. Die regelmäßige Evaluierung des Klimafahrplans wird zeigen, ob Wien seine ambitionierten Ziele erreichen kann.
Die Sitzung des Wiener Gemeinderats endete um 21.18 Uhr, und der Strategiebeschluss wurde mehrstimmig angenommen. Alle Anträge der Opposition fanden nicht die notwendige Mehrheit, was zeigt, dass der „Wiener Weg“ auf breiter Zustimmung stößt.
Für weitere Informationen und detaillierte Berichte können Interessierte die Informationsdatenbank des Wiener Landtages und Gemeinderates unter www.wien.gv.at/infodat besuchen. Dort sind Reden, Debattenbeiträge, Beschlüsse und Anträge abrufbar.