ORF-Reportage begleitet 26-jährigen Soldaten an vorderster Front – Drohnen verantworten 80 Prozent der Verluste
Das WELTjournal zeigt am 18. Februar eine eindringliche Reportage über Drohnenpiloten im Ukrainekrieg und die veränderte Kriegsführung nach vier Jahren Konflikt.
Der Krieg in der Ukraine hat sich in den vergangenen vier Jahren grundlegend verändert. Was einst ein Konflikt war, der von schwerer Artillerie und gepanzerten Fahrzeugen dominiert wurde, ist heute ein Krieg der Drohnen geworden. Das ORF-WELTjournal widmet sich dieser neuen Realität der modernen Kriegsführung mit einer eindringlichen Reportage, die am Mittwoch, dem 18. Februar 2026, um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON ausgestrahlt wird.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mittlerweile sind Kampfdrohnen für rund 80 Prozent aller Verluste im Ukrainekrieg verantwortlich. Diese dramatische Verschiebung hat die gesamte Kriegsführung revolutioniert und beide Seiten des Konflikts dazu gezwungen, ihre Strategien und Taktiken grundlegend anzupassen.
Die klassische Artillerie, einst das Rückgrat jeder militärischen Offensive, spielt keine zentrale Rolle mehr an der vordersten Linie. Stattdessen wurden die schweren Geschütze an die hintere Front verlegt – nicht etwa aus strategischen Überlegungen zur Offensive, sondern schlicht um den allgegenwärtigen Drohnen zu entgehen. Diese Entwicklung markiert einen historischen Wendepunkt in der Geschichte der Kriegsführung.
Im Zentrum der WELTjournal-Reportage steht Sasha, ein 26-jähriger ukrainischer Drohnenpilot. Die Dokumentation begleitet den jungen Mann bei seiner täglichen Arbeit – wenn man das, was er tut, überhaupt als Arbeit bezeichnen kann. Von einem Bunker an der Front aus verteidigt Sasha sein Land, indem er mit Napalm und Sprengstoff beladene Drohnen auf russische Stellungen fliegt.
Der Bunker, aus dem Sasha operiert, ist sein Arbeitsplatz, sein Schutzraum und gleichzeitig sein potenzielles Grab. Denn die Bedrohung durch feindliche Drohnen ist allgegenwärtig. Jederzeit könnte er selbst zum Ziel werden, während er auf seinen Bildschirmen die Bewegungen seiner eigenen Fluggeräte verfolgt.
Was die Reportage besonders eindrücklich zeigt, ist die psychologische Belastung, der Drohnenpiloten wie Sasha ausgesetzt sind. Die brutale Realität des Krieges – Tod und Zerstörung in Echtzeit auf dem Bildschirm – wird für den jungen Soldaten zu einer Art virtueller Welt. Es ist ein Schutzmechanismus, den er entwickelt hat, um mit dem Grauen umgehen zu können.
Diese emotionale Distanzierung ist überlebensnotwendig. Würde Sasha jedes Mal die volle Tragweite dessen verarbeiten, was er auf seinem Bildschirm sieht und mit seinen Drohnen anrichtet, wäre er vermutlich nicht mehr einsatzfähig. Die Grenzen zwischen Videospiel und tödlicher Realität verschwimmen – eine Entwicklung, die Militärpsychologen weltweit mit großer Sorge beobachten.
Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 hat sich nicht nur die Kriegsführung verändert. Der gesamte Konflikt hat Dimensionen angenommen, die zu Beginn kaum jemand für möglich gehalten hätte. Was als vermeintlich schnelle Operation geplant war, ist zu einem langwierigen Abnutzungskrieg geworden, der Hunderttausende Menschenleben gefordert hat.
Die Drohnentechnologie hat dabei eine Entwicklung durchgemacht, die in Friedenszeiten Jahrzehnte gedauert hätte. Beide Seiten haben ihre Kapazitäten massiv ausgebaut, improvisieren mit ziviler Technologie und entwickeln ständig neue Einsatzmethoden. Der Ukrainekrieg ist zu einem Testfeld für die Kriegsführung der Zukunft geworden.
Militärexperten weltweit beobachten die Entwicklungen in der Ukraine mit größter Aufmerksamkeit. Die Erkenntnis, dass relativ kostengünstige Drohnen traditionelle, millionenschwere Waffensysteme neutralisieren können, hat weitreichende Konsequenzen für die Verteidigungsplanung zahlreicher Länder.
Auch für Österreich und andere europäische Staaten ergeben sich aus diesen Beobachtungen wichtige Lehren. Die Frage, wie man sich gegen Drohnenangriffe schützen kann und welche Rolle unbemannte Systeme in zukünftigen Konflikten spielen werden, beschäftigt Verteidigungsministerien auf dem gesamten Kontinent.
Trotz aller technologischen Entwicklungen bleibt der Krieg in der Ukraine ein zutiefst menschliches Drama. Hinter jeder Drohne sitzt ein Mensch wie Sasha, der Entscheidungen über Leben und Tod trifft. Und am anderen Ende der Übertragung befinden sich ebenfalls Menschen – Soldaten, aber auch Zivilisten, die in diesem Konflikt ihr Leben verlieren.
Die WELTjournal-Reportage schafft es, diese menschliche Dimension sichtbar zu machen. Sie zeigt nicht nur die kalte Technologie des modernen Krieges, sondern auch die Menschen, die diese Technologie bedienen und mit den Konsequenzen leben müssen.
Für junge Ukrainer wie Sasha bedeutet der Krieg, dass ihre gesamte Jugend von diesem Konflikt geprägt wird. Mit 26 Jahren hat er bereits Dinge gesehen und getan, die die meisten Menschen in einem ganzen Leben nicht erleben. Die psychologischen Langzeitfolgen für eine ganze Generation von Kriegsteilnehmern sind noch gar nicht absehbar.
Gleichzeitig verteidigen diese jungen Menschen ihr Land gegen einen Aggressor, der ihre Existenz als unabhängige Nation bedroht. Es ist diese Ambivalenz – zwischen der Brutalität des Krieges und der Notwendigkeit der Verteidigung –, die die Reportage so eindringlich macht.
Die Reportage "Ukraine – Drohnenpiloten an der Front" ist am Mittwoch, dem 18. Februar 2026, um 22.30 Uhr in ORF 2 zu sehen. Zusätzlich steht die Dokumentation auch auf der Streaming-Plattform ORF ON zur Verfügung, sodass Interessierte sie auch zeitunabhängig abrufen können.
Das WELTjournal liefert damit einmal mehr einen wichtigen Beitrag zum Verständnis eines Konflikts, der auch Österreich und ganz Europa direkt betrifft. In Zeiten, in denen der Krieg in der Ukraine manchmal aus den Schlagzeilen zu verschwinden droht, erinnert diese Reportage daran, dass der Kampf weitergeht – und dass hinter den Frontlinien Menschen wie Sasha stehen, die jeden Tag aufs Neue ihr Leben riskieren.
Reportagen wie diese sind essenziell für eine informierte Öffentlichkeit. Sie ermöglichen es den Zuseherinnen und Zusehern, einen Blick hinter die Kulissen des Konflikts zu werfen und die Realitäten des modernen Krieges besser zu verstehen. Gerade in Zeiten von Desinformation und Propaganda ist unabhängiger Journalismus, der direkt von der Front berichtet, von unschätzbarem Wert.
Das österreichische Publikum erhält damit die Möglichkeit, sich ein differenziertes Bild von einem Krieg zu machen, der nur wenige Flugstunden entfernt tobt und dessen Ausgang die Sicherheitsarchitektur Europas für Jahrzehnte prägen wird.