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Weltfrauentag: Wien kämpft mit konkreten Maßnahmen gegen Gewalt

8. März 2026 um 07:35
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Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, rücken die alarmierenden Gewaltstatistiken gegen Frauen wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. In Wien haben SPÖ-Politikerinnen Waltraud Karner-Kremser u

Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, rücken die alarmierenden Gewaltstatistiken gegen Frauen wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. In Wien haben SPÖ-Politikerinnen Waltraud Karner-Kremser und Marina Hanke eine klare Botschaft: Feministische Politik ist kein leeres Versprechen, sondern tägliche Arbeit für Gleichberechtigung und Sicherheit. Die Zahlen zeigen erschreckend deutlich, wie groß der Handlungsbedarf nach wie vor ist.

Erschreckende Zahlen: Jede dritte Frau erlebt Gewalt

Die aktuellen Statistiken der Statistik Austria zeichnen ein dramatisches Bild der Gewalt gegen Frauen in Österreich. Jede dritte Frau ab 15 Jahren hat bereits körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Diese Zahl bedeutet konkret: 761.786 Frauen waren Opfer körperlicher Gewalt, das entspricht 23,47 Prozent aller Frauen ab 15 Jahren. Beinahe ebenso viele, nämlich 23,75 Prozent, erlebten sexuelle Gewalt. Insgesamt waren 1.119.934 Frauen zwischen 18 und 74 Jahren von mindestens einer dieser Gewaltformen betroffen – das sind 34,5 Prozent aller Frauen in dieser Altersgruppe.

Besonders schockierend: 282.480 Frauen ab 15 Jahren, das sind 8,7 Prozent, wurden bereits vergewaltigt. Stalking betrifft jede fünfte Frau zwischen 18 und 74 Jahren, also fast 710.000 Betroffene. Am Arbeitsplatz erlebten 736.613 Frauen sexuelle Belästigung – mehr als jede vierte Frau, die zumindest einmal erwerbstätig war.

Gender Care Gap: Unbezahlte Arbeit bleibt Frauensache

Neben der physischen und psychischen Gewalt zeigt sich die Ungleichstellung auch in der Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit. Der Gender Overall Care Gap liegt in Österreich bei erschreckenden 71 Prozent. Frauen leisten im Durchschnitt 3 Stunden und 48 Minuten unbezahlte Care-Arbeit pro Tag, während Männer lediglich 2 Stunden und 14 Minuten aufwenden. Selbst bei der Betrachtung nur jener Personen, die tatsächlich Care-Arbeit leisten, bleibt eine Lücke von 43 Prozent bestehen.

Historische Wurzeln: Von 1911 bis heute

Der Internationale Frauentag hat seine Wurzeln tief in der österreichischen Arbeiterinnenbewegung. Am 19. März 1911 organisierten sozialdemokratische Frauen in Österreich erstmals einen „Frauentag" und folgten damit dem Beschluss der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz von 1910 in Kopenhagen. In Wien zogen damals rund 20.000 Frauen über die Ringstraße bis zum Rathaus – mit klaren Forderungen: Mutterschutz, Sozialversicherung, Schutz am Arbeitsplatz, gleiche Rechte und das Frauenwahlrecht.

Diese historischen Forderungen zeigen, dass viele Kämpfe für Gleichberechtigung bereits über ein Jahrhundert alt sind. Was damals revolutionär war – das Frauenwahlrecht, Mutterschutz oder Sozialversicherung – ist heute selbstverständlich. Dennoch bleiben viele Bereiche, in denen Frauen nach wie vor benachteiligt werden oder um ihre Rechte kämpfen müssen.

Internationale Entwicklung des Frauentages

Der Internationale Frauentag entwickelte sich aus der internationalen Arbeiterinnenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. Clara Zetkin, eine deutsche Sozialistin, schlug 1910 auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen vor, jährlich einen Frauentag zu begehen. Ziel war es, das Wahlrecht für Frauen zu fördern und für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Der 8. März wurde erst später als fester Termin etabliert, nachdem an diesem Tag 1917 in St. Petersburg Demonstrationen stattfanden, die zur Februarrevolution beitrugen.

Wiener Hilfsangebote: Konkrete Zahlen des Bedarfs

Die Nachfrage nach Hilfsangeboten in Wien verdeutlicht das Ausmaß des Problems. Der 24-Stunden-Frauennotruf der Stadt Wien verzeichnete 2024 insgesamt 9.824 Beratungskontakte. Diese Zahl zeigt nicht nur den enormen Bedarf, sondern auch, dass Frauen die vorhandenen Angebote aktiv nutzen. Die Hotline (+43 1 71719) ist rund um die Uhr erreichbar und bietet vertrauliche, anonyme und mehrsprachige Beratung.

In den fünf Wiener Frauenhäusern fanden 2023 insgesamt 771 Frauen und 630 Kinder Schutz. Mit 77.626 Aufenthaltstagen wird deutlich, dass viele Frauen längerfristige Unterstützung benötigen. Zur Verfügung stehen 228 Plätze für Frauen und Kinder sowie zusätzlich 54 Plätze in Übergangswohnungen. Diese Zahlen des Vereins Wiener Frauenhäuser verdeutlichen, dass Gewaltschutz nicht nur eine kurzfristige Intervention ist, sondern oft längerfristige Betreuung und Unterstützung erfordert.

Niederschwellige Gesundheitsversorgung

Im Gesundheitsbereich hat Wien mit FEM Med am Reumannplatz seit November 2023 eine wichtige Lücke geschlossen. Diese kostenlose Anlaufstelle für Frauen und Mädchen funktioniert ohne Terminvereinbarung und unabhängig vom Versicherungs- oder Aufenthaltsstatus. Das Angebot richtet sich besonders an jene Frauen, die durch das reguläre Gesundheitssystem nicht ausreichend erreicht werden.

Das Frauengesundheitszentrum ergänzt diese Struktur mit vertraulicher, niederschwelliger Beratung in mehreren Sprachen. Solche Angebote sind wichtig, da Frauen oft spezifische gesundheitliche Bedürfnisse haben, die in der traditionellen Medizin lange vernachlässigt wurden. Frauengesundheit umfasst dabei nicht nur gynäkologische Themen, sondern auch die Auswirkungen von Gewalt, psychische Belastungen und geschlechtsspezifische Krankheitsverläufe.

Umfassende Frauenförderung: Mehr als Gewaltschutz

Feministische Politik beschränkt sich in Wien nicht auf Gewaltschutz, sondern umfasst alle Lebensbereiche. Die arbeitsmarktpolitischen Instrumente wie die Frauenarbeitsstiftung in Kooperation mit dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) zielen darauf ab, Frauen bessere Berufschancen zu ermöglichen. Kostenlose Kindergartenplätze und die Ganztagsschule unterstützen Mütter dabei, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Projekte wie die „Rote Box

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