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Weiss-Preis 2026: 330.000 Euro für bahnbrechende Medizinforschung

18. März 2026 um 13:46
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Österreichische Spitzenforschung erhält neue Impulse: Der renommierte Weiss-Preis, Österreichs höchstdotierter privat finanzierter Forschungspreis im Bereich der Anästhesie, geht 2026 an zwei wegwe...

Österreichische Spitzenforschung erhält neue Impulse: Der renommierte Weiss-Preis, Österreichs höchstdotierter privat finanzierter Forschungspreis im Bereich der Anästhesie, geht 2026 an zwei wegweisende Projekte. Simon Woyke von der Medizinischen Universität Innsbruck und Manuela Schmidt von der Universität Wien teilen sich ein Fördervolumen von 330.000 Euro für ihre revolutionären Ansätze in der Transfusionsmedizin und Schmerzforschung. Die Auszeichnung der Dr. Gottfried und Dr. Vera Weiss Wissenschaftsstiftung über den FWF unterstreicht einmal mehr die internationale Bedeutung österreichischer Medizinforschung.

Revolutionäre Bluttransfusionsforschung an der MedUni Innsbruck

Das erste preisgekrönte Forschungsprojekt widmet sich einem fundamentalen Problem der modernen Chirurgie: der optimalen Sauerstoffversorgung während großer Operationen. Simon Woyke von der Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin leitet gemeinsam mit seinem interdisziplinären Team die HemOx-Transfusionsstudie, die das Potenzial hat, die klinische Praxis nachhaltig zu verändern.

Bei großen operativen Eingriffen verlieren Patienten häufig erhebliche Mengen Blut, was lebensbedrohliche Situationen schaffen kann. Zur Aufrechterhaltung des Sauerstofftransports stehen Medizinern zwei Hauptoptionen zur Verfügung: gelagertes Spenderblut in Form von Erythrozytenkonzentraten oder während der Operation gesammeltes und wiederaufbereitetes Eigenblut, das sogenannte Cell-Salvage-Blut.

Das Problem liegt in den metabolischen Veränderungen des gelagerten Spenderbluts. Während der Lagerung durchläuft das Blut komplexe biochemische Prozesse, die die Sauerstoffbindungseigenschaften des Hämoglobins beeinträchtigen können. Hämoglobin ist jenes Protein in den roten Blutkörperchen, das für den Transport von Sauerstoff von der Lunge zu den Organen verantwortlich ist. Diese Eigenschaft ist für das Überleben der Patienten von entscheidender Bedeutung.

Innovative Forschungsmethoden für präzise Ergebnisse

Die Innsbrucker Forscher unter der Leitung von Simon Woyke untersuchen systematisch die Funktionalität beider Transfusionsverfahren. "Wie lange es nach der Transfusion von Spenderblut dauert, bis Hämoglobin wieder voll funktionstüchtig Sauerstoff transportieren kann, ist nicht endgültig geklärt", erklärt der Projektleiter. Das Forschungsteam, dem unter anderem Barbara Sinner, Raffaella Fantin, Nicole Innerhofer, Christopher Rugg, Markus Luger, Norbert Mair, Thomas Haller, Herbert Oberacher und Marco Amato angehören, will die Dynamik dieses Wiederherstellungsprozesses präzise dokumentieren.

Die Studie könnte wegweisende Erkenntnisse für die Transfusionsmedizin liefern. Sollten sich signifikante Unterschiede zwischen gelagertem Spenderblut und frisch aufbereitetem Eigenblut zeigen, würde dies die Behandlungsprotokolle in Krankenhäusern weltweit beeinflussen. Österreichische Kliniken führen jährlich Tausende von Operationen durch, bei denen Bluttransfusionen notwendig sind – von Herzoperationen über Organtransplantationen bis hin zu Unfallchirurgie.

Durchbruch in der Schmerzforschung an der Universität Wien

Das zweite ausgezeichnete Projekt revolutioniert das Verständnis chronischer Schmerzen beim Menschen. Manuela Schmidt von der Abteilung für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Wien erforscht im Rahmen des Projekts "PainSTRIKE: Multiomics-Einblicke in menschlichen Schmerz" die molekularen Mechanismen, die chronischen Nervenschmerzen zugrunde liegen.

Chronische Schmerzen betreffen allein in Österreich Hunderttausende Menschen und stellen eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit dar. Besonders die diabetische periphere Neuropathie, eine häufige Komplikation bei Diabetes mellitus, verursacht bei Betroffenen oft unerträgliche Schmerzen. Diese Form der Neuropathie entsteht durch Schädigungen der peripheren Nerven aufgrund chronisch erhöhter Blutzuckerwerte.

Schmidt und ihr Team konzentrieren sich auf die dorsalen Wurzelganglien – spezialisierte Nervenknoten des peripheren Nervensystems, die als zentrale Schaltstellen für die Weiterleitung von Schmerzsignalen vom Körper zum Gehirn fungieren. Diese anatomischen Strukturen sind entscheidend für unser Schmerzempfinden und bisher nur unvollständig verstanden.

Multiomics-Technologie ermöglicht neue Einblicke

Das Wiener Forschungsteam nutzt modernste Multiomics-Methoden, um ein umfassendes Bild der molekularen Vorgänge bei chronischen Schmerzen zu erstellen. Multiomics bezeichnet die gleichzeitige Analyse verschiedener biologischer Ebenen – von Proteinen über Genexpression bis hin zu metabolischen Prozessen. Diese Herangehensweise ermöglicht es, komplexe Wechselwirkungen zu verstehen, die bei herkömmlichen Einzelanalysen übersehen werden.

Ein besonderer Fokus der Studie liegt auf Geschlechtsunterschieden bei der Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Männer und Frauen chronische Schmerzen unterschiedlich erleben und auf Behandlungen verschieden ansprechen. Diese Erkenntnisse könnten zu personalisierten Therapieansätzen führen.

Zusätzlich untersucht das Team den Einfluss von Opioid-Schmerzmitteln auf die molekularen Schmerzprozesse. Opioide wie Morphin, Oxycodon oder Fentanyl werden zwar häufig zur Behandlung starker Schmerzen eingesetzt, bergen jedoch erhebliche Risiken wie Abhängigkeitspotenzial und schwerwiegende Nebenwirkungen. Die Opioid-Krise in den USA hat gezeigt, welche gesellschaftlichen Folgen der unkontrollierte Einsatz dieser Medikamente haben kann.

Internationale Kooperation stärkt österreichische Forschung

Das PainSTRIKE-Projekt entsteht in enger Zusammenarbeit mit Theodore Price von der University of Texas at Dallas, einem international renommierten Schmerzforscher. Diese transatlantische Kooperation ermöglicht den Austausch von Expertise und Ressourcen und positioniert österreichische Forschung im globalen Wissenschaftskontext.

Ein innovativer Aspekt des Projekts ist die geplante Open-Data-Politik: Alle gewonnenen Forschungsdaten werden öffentlich zugänglich gemacht, wodurch Wissenschaftler weltweit auf diese wertvollen Informationen zugreifen können. Dieser Ansatz beschleunigt den Fortschritt in der Schmerzforschung und maximiert den gesellschaftlichen Nutzen der Investition.

"Viele Erkenntnisse aus der Schmerzforschung stammen aus Tierstudien. Diese sind sehr wichtig, lassen sich aber nur mit Einschränkungen auf den Menschen übertragen", erklärt Projektleiterin Manuela Schmidt. Ihr Ansatz, direkt am menschlichen Nervensystem zu forschen, könnte daher bahnbrechende Erkenntnisse liefern.

Bedeutung des Weiss-Preises für Österreichs Wissenschaftslandschaft

Der Gottfried-und-Vera-Weiss-Preis wurde zu Ehren des Anästhesisten Dr. Gottfried Weiss und seiner Frau Dr. Vera Weiss ins Leben gerufen. Dr. Gottfried Weiss war ein Pionier der österreichischen Anästhesie und erkannte früh die Bedeutung wissenschaftlicher Forschung für die Weiterentwicklung der Medizin. Die von ihm gegründete Wissenschaftsstiftung setzt dieses Vermächtnis fort und fördert gezielt innovative Projekte mit hoher klinischer Relevanz.

"Die Weiss-Wissenschaftsstiftung verfolgt das Ziel, innovative Forschung im Bereich der Anästhesie nachhaltig zu fördern", betont Rudolf Bauer, Vorstand der Dr. Gottfried und Dr. Vera Weiss Wissenschaftsstiftung. "Die beiden ausgezeichneten Projekte greifen zentrale Fragestellungen der modernen Medizin auf – von der Verbesserung der Transfusionsmedizin bis hin zum besseren Verständnis chronischer Schmerzen."

Die Auszeichnung wird über den Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) vergeben, Österreichs zentrale Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung. "Mit dem Weiss-Preis werden Forschungsprojekte ausgezeichnet, die wissenschaftliche Exzellenz mit unmittelbarer klinischer Relevanz verbinden", erklärt Ursula Jakubek, kaufmännische Vizepräsidentin des FWF.

Private Forschungsförderung im Aufwind

Die Vergabe des Weiss-Preises steht exemplarisch für einen positiven Trend in der österreichischen Forschungsförderung: das wachsende Engagement privater Geldgeber. Derzeit werden über den FWF Forschungsprojekte im Umfang von 2,5 Millionen Euro jährlich durch private Zuwendungen finanziert. Diese Summe ergänzt die staatliche Forschungsförderung und ermöglicht zusätzliche innovative Projekte.

Der FWF hat als erster öffentlich finanzierter Forschungsförderer in Europa mit alpha+ eine gemeinnützige Stiftung gegründet, um private Zuwendungen gezielt für die Grundlagenforschung zu nutzen. Diese Initiative zeigt, wie öffentliche und private Akteure zusammenwirken können, um Österreichs Position als Forschungsstandort zu stärken.

Im internationalen Vergleich hinkt Österreich bei der privaten Forschungsförderung noch hinterher. Während in den USA private Stiftungen Milliarden in die Wissenschaft investieren, ist dieser Bereich hierzulande noch ausbaufähig. Erfolgreiche Beispiele wie der Weiss-Preis können jedoch als Vorbilder dienen und weitere Philanthropen motivieren.

Auswirkungen auf die österreichische Gesundheitsversorgung

Die beiden ausgezeichneten Projekte haben das Potenzial, die medizinische Versorgung in Österreich nachhaltig zu verbessern. Die Erkenntnisse aus der HemOx-Transfusionsstudie könnten dazu führen, dass Transfusionen sicherer und effektiver werden. Dies würde besonders Patienten in großen Krankenhäusern wie dem AKH Wien, der MedUni Graz oder den Landeskrankenhäusern zugutekommen.

Die Schmerzforschung von Manuela Schmidt könnte neue Therapieansätze für die geschätzt 400.000 Österreicher mit chronischen Schmerzen eröffnen. Bessere Behandlungsmöglichkeiten würden nicht nur das Leid der Betroffenen lindern, sondern auch erhebliche volkswirtschaftliche Kosten reduzieren, die durch Arbeitsausfälle und Langzeitbehandlungen entstehen.

Beide Forschungsrichtungen adressieren zentrale Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Mit steigender Lebenserwartung nehmen sowohl die Anzahl komplexer Operationen als auch die Prävalenz chronischer Erkrankungen wie Diabetes zu. Die geförderten Projekte liefern daher Antworten auf drängende gesellschaftliche Fragen.

Zukunftsperspektiven und Internationalisierung

Die Förderung durch den Weiss-Preis ermöglicht es den beiden Forschungsteams, ihre Arbeiten über mehrere Jahre zu verfolgen und internationale Kooperationen zu vertiefen. Für Österreichs Wissenschaftsstandort bedeutet dies eine Stärkung der Position in zwei zukunftsträchtigen Forschungsfeldern.

Die Ergebnisse beider Projekte werden in renommierten internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht und auf Konferenzen präsentiert. Dies trägt zur Sichtbarkeit österreichischer Forschung bei und kann talentierte Nachwuchswissenschaftler anziehen.

Langfristig könnten die Erkenntnisse auch zur Entwicklung neuer Medizinprodukte oder Therapieverfahren führen, was österreichischen Unternehmen im Bereich der Medizintechnik und Pharmazie Wettbewerbsvorteile verschaffen könnte. Die Verbindung von Grundlagenforschung und praktischer Anwendung ist ein Schlüssel für erfolgreiche Innovationsökosysteme.

Die Auszeichnung mit dem Weiss-Preis 2026 zeigt, dass österreichische Forscher auf internationalem Spitzenniveau arbeiten und gleichzeitig Lösungen für konkrete medizinische Probleme entwickeln. Diese Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz und gesellschaftlicher Relevanz macht die Förderung zu einer lohnenden Investition in die Zukunft der österreichischen Medizin.

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