Österreichische Spitzenforschung erhält neue Impulse: Der renommierte Weiss-Preis, Österreichs höchstdotierter privat finanzierter Forschungspreis im Bereich der Anästhesie, geht 2026 an zwei wegweisende Projekte.
Österreichische Spitzenforschung erhält neue Impulse: Der renommierte Weiss-Preis, Österreichs höchstdotierter privat finanzierter Forschungspreis im Bereich der Anästhesie, geht 2026 an zwei wegweisende Projekte. Simon Woyke von der Medizinischen Universität Innsbruck und Manuela Schmidt von der Universität Wien teilen sich ein Fördervolumen von 330.000 Euro. Die Auszeichnung der Dr. Gottfried und Dr. Vera Weiss Wissenschaftsstiftung wird über den FWF vergeben.
Das erste preisgekrönte Forschungsprojekt untersucht die optimale Sauerstoffversorgung während großer Operationen. Simon Woyke von der Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin leitet das Forschungsprojekt HemOx-Transfusionsstudie.
Bei großen operativen Eingriffen verlieren Patient:innen häufig erhebliche Mengen Blut. Zur Aufrechterhaltung des Sauerstofftransports stehen dabei gelagertes Spenderblut in Form von Erythrozytenkonzentraten oder während der Operation gesammeltes und wiederaufbereitetes Eigenblut (Cell-Salvage-Blut) zur Verfügung.
Gelagertes Spenderblut verändert sich während der Lagerung metabolisch, was die Sauerstoffbindungseigenschaften des Hämoglobins beeinflussen kann. Die Innsbrucker Forschenden untersuchen, wie gut Hämoglobin in diesen beiden Transfusionsverfahren Sauerstoff transportieren kann und wollen die Dynamik dieses Prozesses vergleichen.
Projektleiter Simon Woyke erklärt: „Wie lange es nach der Transfusion von Spenderblut dauert, bis Hämoglobin wieder voll funktionstüchtig Sauerstoff transportieren kann, ist nicht endgültig geklärt. Wir wollen die Dynamik dieses Prozesses darstellen und im Vergleich mit wiederaufbereitetem Eigenblut mögliche Vor- und Nachteile beider Verfahren analysieren.“
Das zweite ausgezeichnete Projekt widmet sich der Frage, wie chronische Nervenschmerzen beim Menschen entstehen. Manuela Schmidt von der Universität Wien (Abteilung für Pharmakologie und Toxikologie) untersucht im Projekt PainSTRIKE: Multiomics-Einblicke in menschlichen Schmerz die molekularen Mechanismen chronischer Schmerzen direkt im menschlichen Nervensystem.
Das Projekt konzentriert sich auf die diabetische periphere Neuropathie, eine der häufigsten Formen chronischer Nervenschmerzen bei Menschen mit Diabetes. Das Forschungsteam analysiert dabei dorsale Wurzelganglien, also Nervenknoten des peripheren Nervensystems, und verwendet moderne Multiomics-Methoden, um Proteine und molekulare Signalwege zu untersuchen, die an der Entstehung chronischer Schmerzen beteiligt sein können.
Ein besonderer Fokus liegt auf Geschlechtsunterschieden sowie dem Einfluss von Opioid-Schmerzmitteln.
Das Projekt entsteht in internationaler Zusammenarbeit mit dem Schmerzforscher Theodore Price von der University of Texas at Dallas. Die gewonnenen Daten werden öffentlich zugänglich gemacht und sollen langfristig helfen, neue Ansatzpunkte für Therapieentwicklungen zu identifizieren, so die Projektbeschreibung.
Projektleiterin Manuela Schmidt sagt: „Viele Erkenntnisse aus der Schmerzforschung stammen aus Tierstudien. Diese sind sehr wichtig, lassen sich aber nur mit Einschränkungen auf den Menschen übertragen. Unser Ziel ist es, die biologischen Grundlagen chronischer Schmerzen direkt im menschlichen Nervensystem besser zu verstehen.“
„Mit dem Weiss-Preis werden Forschungsprojekte ausgezeichnet, die wissenschaftliche Exzellenz mit unmittelbarer klinischer Relevanz verbinden", erklärt Ursula Jakubek, kaufmännische Vizepräsidentin des FWF. "Die Weiss-Wissenschaftsstiftung verfolgt das Ziel, innovative Forschung im Bereich der Anästhesie nachhaltig zu fördern", so Rudolf Bauer, Vorstand der Dr. Gottfried und Dr. Vera Weiss Wissenschaftsstiftung.
Derzeit werden über den FWF Forschungsprojekte im Ausmaß von 2,5 Millionen Euro pro Jahr durch private Zuwendungen finanziert. Zudem gründete der FWF mit alpha+ eine gemeinnützige Stiftung, um mit privaten Zuwendungen Forschenden in der Grundlagenforschung zusätzliche Möglichkeiten zu eröffnen.
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Dr. Gottfried und Dr. Vera Weiss Wissenschaftsstiftung
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