Ein Aufschrei geht durch Österreich! Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat in einer dramatischen Pressekonferenz am 2. Juli 2025 die Stagnation der Schweinehaltung in Österreich angeprangert. Die zentrale Kritik: Der sogenannte Vollspaltenboden, der seit Jahren in der Kritik steht, bleibt trotz ma
Ein Aufschrei geht durch Österreich! Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat in einer dramatischen Pressekonferenz am 2. Juli 2025 die Stagnation der Schweinehaltung in Österreich angeprangert. Die zentrale Kritik: Der sogenannte Vollspaltenboden, der seit Jahren in der Kritik steht, bleibt trotz massiver öffentlicher Ablehnung bestehen. Aber was genau hat es mit diesem Boden auf sich und warum sorgt er für so viel Unmut?
Der Vollspaltenboden ist eine Art von Boden in Tierhaltungsanlagen, bei dem der Boden mit schmalen Schlitzen versehen ist. Diese Konstruktion soll das Abfließen von Urin und Kot erleichtern, ohne dass der Boden manuell gereinigt werden muss. Doch diese vermeintliche Praktikabilität hat ihren Preis: Die Tiere, die auf diesen Böden gehalten werden, leiden unter den harten und unebenen Oberflächen. Laut wissenschaftlichen Studien, die der VGT zitiert, leiden 92 % der Schweine auf solchen Böden an schmerzhaften Gelenkentzündungen.
Die Problematik des Vollspaltenbodens ist nicht neu. Bereits in den 1980er Jahren begannen Tierschutzorganisationen, auf die Missstände in der Schweinehaltung hinzuweisen. Trotz dieser frühen Warnungen hat sich in den letzten Jahrzehnten wenig geändert. Im Jahr 2010 veröffentlichte der VGT erstmals erschreckende Bilder von Schweinen, die auf Vollspaltenböden gehalten werden. Diese Bilder, die in den letzten 15 Jahren immer wieder aktualisiert wurden, zeigen dasselbe traurige Bild: Schweine, die auf unnatürlichen, harten Böden leben müssen, ohne Zugang zu natürlichem Einstreu wie Stroh.
Die Pressemitteilung des VGT hebt hervor, dass die österreichische Regierung das bestehende Verbot des Vollspaltenbodens ab 2040 aufgehoben hat. Stattdessen soll ein sogenannter 'Firlefanz-Vollspaltenboden' ab 2038 eingeführt werden, der laut Kritikern keine wirkliche Verbesserung darstellt. Der Begriff 'Firlefanz' deutet darauf hin, dass es sich um eine oberflächliche Maßnahme handelt, die keinen wesentlichen Unterschied für das Wohl der Schweine macht.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 92 % der österreichischen Bevölkerung sprechen sich laut Eurobarometer für ein Verbot des Vollspaltenbodens aus und fordern eine verpflichtende Stroheinstreu. Diese Forderung wird durch wissenschaftliche Erkenntnisse untermauert, die belegen, dass Schweine auf natürlichem Einstreu weniger Stress und körperliche Beschwerden haben.
Ein Land, das als Vorbild für eine humane Schweinehaltung dient, ist Schweden. Hier sind Vollspaltenböden, das Schwanzkupieren und der Kastenstand für Mutterschweine verboten. Die Folge dieser strengen Tierschutzmaßnahmen: Schweden erreicht eine Selbstversorgung mit Schweinefleisch von beeindruckenden 85 %. Diese Zahl zeigt, dass ein hoher Tierschutzstandard nicht zwangsläufig mit wirtschaftlichen Nachteilen verbunden sein muss.
Aber was bedeutet das alles für den durchschnittlichen Bürger in Österreich? Zunächst einmal könnte die Einführung von besseren Tierschutzstandards zu einer Erhöhung der Fleischpreise führen. Doch Experten argumentieren, dass dies ein kleiner Preis ist, den die Gesellschaft für das Wohl der Tiere zahlen muss. Zudem könnte dies zu einer verstärkten Nachfrage nach regionalen und nachhaltig produzierten Fleischprodukten führen, was wiederum die lokale Landwirtschaft stärken würde.
Die politische Landschaft in Österreich ist in Bezug auf Tierschutz gespalten. Während einige Parteien sich klar für strengere Tierschutzgesetze aussprechen, gibt es auch starke Lobbygruppen, die den Status quo beibehalten wollen. Diese Gruppen argumentieren, dass Änderungen in der Schweinehaltung zu hohen Kosten für die Landwirte führen würden und die Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Schweinefleischs auf dem internationalen Markt beeinträchtigen könnten.
Wie könnte die Zukunft der Schweinehaltung in Österreich aussehen? Experten sind sich einig, dass ein Umdenken notwendig ist. Der Druck der Öffentlichkeit und die wissenschaftlichen Erkenntnisse lassen kaum Zweifel daran, dass der Vollspaltenboden ein Auslaufmodell sein sollte. Eine mögliche Lösung könnte ein schrittweiser Übergang zu besseren Haltungsbedingungen sein, die sowohl das Wohl der Tiere als auch die wirtschaftlichen Interessen der Landwirte berücksichtigen.
Der VGT fordert weiterhin eine klare und entschlossene Haltung der Regierung und appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Bürger, durch bewusste Kaufentscheidungen einen Beitrag zu leisten. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Österreich bereit ist, im Sinne des Tierschutzes neue Wege zu gehen.