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VBV-Gruppe: Vorstandsverkleinerung durch Effizienzsteigerung

19. März 2026 um 16:17
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Die VBV-Gruppe, Österreichs Marktführer bei betrieblichen Vorsorgelösungen, setzt ihren bereits 2022 begonnenen Konsolidierungskurs fort. Mit der Zusammenlegung der Veranlagungsbereiche und der dam...

Die VBV-Gruppe, Österreichs Marktführer bei betrieblichen Vorsorgelösungen, setzt ihren bereits 2022 begonnenen Konsolidierungskurs fort. Mit der Zusammenlegung der Veranlagungsbereiche und der damit verbundenen Verkleinerung des Vorstands werden weitere Synergieeffekte angestrebt. Der Vertrag von Mag. Günther Schiendl, derzeit Vorstandsmitglied der VBV-Holding und CEO der VBV-Pensionskasse, wird Ende 2026 nicht verlängert.

Strukturreform in der österreichischen Pensionslandschaft

Die VBV-Betriebliche Altersvorsorge AG kündigte eine bedeutende Reorganisation an, die das Unternehmen kosteneffizienter und schlagkräftiger machen soll. Die bislang getrennten Veranlagungsbereiche der VBV-Pensionskasse und der VBV-Vorsorgekasse werden zu einem Gruppenbereich zusammengelegt. Diese Maßnahme ist Teil einer umfassenderen Effizienzsteigerungsinitiative, die bereits seit 2022 schrittweise umgesetzt wird.

"Es ist uns ein Anliegen, die Synergieeffekte und Effizienzsteigerungen auch im Vorstandsbereich abzubilden", erklärt Mag. Markus Posch, Vorsitzender des Aufsichtsrates der VBV-Gesellschaften. Die Entscheidung, das Vorstandsmandat von Mag. Günther Schiendl nicht zu verlängern, steht in direktem Zusammenhang mit dieser strategischen Neuausrichtung.

Was bedeutet Veranlagung in der Pensionsbranche?

Unter Veranlagung versteht man in der Pensionsbranche die professionelle Verwaltung und Investition der Beiträge, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen. Diese Gelder werden an den Kapitalmärkten angelegt, um langfristig Renditen zu erwirtschaften und damit die späteren Pensionsleistungen zu finanzieren. Die Veranlagungsstrategie umfasst die Auswahl von Aktien, Anleihen, Immobilien und anderen Anlageklassen sowie deren Gewichtung im Portfolio. Professionelle Veranlagung ist entscheidend für den Erfolg einer Pensionskasse, da sie maßgeblich bestimmt, wie viel Geld den Versicherten im Alter zur Verfügung steht. Bei der VBV bedeutet die Zusammenlegung der beiden Veranlagungsbereiche, dass künftig ein einheitliches Team sowohl die Pensionskassen- als auch die Vorsorgekassen-Gelder verwalten wird, anstatt wie bisher zwei separate Bereiche zu unterhalten.

Historische Entwicklung der VBV-Gruppe

Die VBV-Gruppe hat sich über die Jahre zu einem der wichtigsten Akteure in der österreichischen Pensionslandschaft entwickelt. Das Unternehmen ist sowohl bei Firmenpensionen als auch bei der Abfertigung NEU Marktführer. Diese Position wurde durch strategische Akquisitionen und organisches Wachstum erreicht. Die betriebliche Altersvorsorge in Österreich hat besonders seit der Einführung der Abfertigung NEU im Jahr 2003 an Bedeutung gewonnen.

Die Abfertigung NEU löste das alte System der Abfertigung ab und verpflichtete Arbeitgeber, für jeden Arbeitnehmer monatlich 1,53 Prozent des Bruttogehalts in eine Mitarbeitervorsorgekasse einzuzahlen. Diese Reform schuf einen neuen Markt, in dem sich die VBV als führender Anbieter etablieren konnte. Parallel dazu wuchs auch der Bereich der freiwilligen betrieblichen Pensionsvorsorge, bei der Unternehmen zusätzliche Pensionsleistungen für ihre Mitarbeiter bereitstellen.

Seit 2022 verfolgt die VBV-Gruppe eine dezidierte Konsolidierungsstrategie. Bereits umgesetzte Strukturanpassungen umfassen die Zusammenfassung des HR-Bereichs, der Rechtsabteilung, des CSR-Bereichs sowie der Kunden- und Vertriebsagenden auf Gruppenebene. Auch Marketing, Vertriebsunterstützung und Digitale Services wurden zentralisiert. Diese Maßnahmen zielten darauf ab, Doppelgleisigkeiten zu eliminieren und Kostensynergien zu realisieren.

Vergleich mit anderen Pensionsanbietern in Europa

Die Konsolidierung in der Pensionsbranche ist kein österreichisches Phänomen, sondern zeigt sich europaweit. In Deutschland haben sich große Pensionsdienstleister wie die Allianz oder die AXA durch Fusionen und Übernahmen zu mächtigen Akteuren entwickelt. Ähnlich verhält es sich in der Schweiz, wo die zweite Säule der Altersvorsorge von wenigen großen Anbietern dominiert wird. Die Schweizer Pensionskassen verwalten zusammen über 900 Milliarden Schweizer Franken.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist der österreichische Markt für betriebliche Altersvorsorge noch relativ jung, aber schnell wachsend. Während in Deutschland bereits seit den 1970er Jahren umfangreiche betriebliche Pensionssysteme existieren, etablierte sich in Österreich das moderne System erst mit der Abfertigung NEU. Diese späte Entwicklung ermöglichte es jedoch, von den Erfahrungen anderer Länder zu profitieren und effizientere Strukturen zu schaffen.

Auswirkungen auf Versicherte und Unternehmen

Für die rund 3,8 Millionen Österreicher, die in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen, könnten sich die Strukturreformen der VBV-Gruppe positiv auswirken. Durch die Zusammenlegung der Veranlagungsbereiche werden Kosten gesenkt, was letztendlich den Versicherten zugutekommt. Niedrigere Verwaltungskosten bedeuten, dass ein größerer Anteil der eingezahlten Beiträge tatsächlich für die Kapitalanlage verwendet wird, was die Rendite steigert.

Ein konkretes Beispiel: Bei einem durchschnittlichen Bruttogehalt von 3.000 Euro monatlich zahlt der Arbeitgeber 45,90 Euro pro Monat in die Abfertigung NEU ein. Über ein 40-jähriges Berufsleben summiert sich dies auf etwa 22.000 Euro. Durch effizientere Verwaltung und bessere Veranlagung könnte die Endsumme bei Pensionsantritt um mehrere tausend Euro höher ausfallen.

Für Unternehmen, die VBV-Kunde sind, ändern sich durch die Reorganisation zunächst keine direkten Verpflichtungen. Die Beitragssätze und gesetzlichen Bestimmungen bleiben unverändert. Langfristig könnten jedoch verbesserte Services und digitalere Abwicklungsprozesse den administrativen Aufwand für Arbeitgeber reduzieren. Die VBV verwaltet bereits heute über 55.000 Unternehmen als Kunden, von kleinen Betrieben bis hin zu großen Konzernen.

Arbeitsmarktauswirkungen und Personalentscheidungen

Die Nicht-Verlängerung des Vertrags von Mag. Günther Schiendl zeigt exemplarisch, wie Effizienzsteigerungen auch vor der Führungsebene nicht halt machen. Schiendl, der sowohl Vorstandsmitglied der VBV-Holding als auch CEO der VBV-Pensionskasse ist, wird seine Funktionen bis Ende 2026 ausüben. Aufsichtsratsvorsitzender Markus Posch betonte ausdrücklich die "langjährig ausgezeichneten Leistungen" Schiendls für das Unternehmen.

Diese Personalentscheidung ist Teil eines größeren Trends in der österreichischen Finanzbranche, wo Unternehmen ihre Führungsstrukturen verschlanken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Digitalisierung und automatisierte Prozesse ermöglichen es, mit weniger Führungskräften effektiv zu operieren. Gleichzeitig steigt der Kostendruck durch niedrige Zinsen und verschärften Wettbewerb.

Finanzielle Kennzahlen und Marktposition

Die VBV-Gruppe verwaltet derzeit ein Vermögen von über 22 Milliarden Euro und ist damit einer der größten institutionellen Investoren Österreichs. Das Unternehmen betreut mehr als 3,8 Millionen Vorsorgefälle und über 55.000 Unternehmen. Diese beeindruckenden Zahlen unterstreichen die Bedeutung der VBV für die österreichische Wirtschaft und das Pensionssystem.

Der jährliche Beitragszufluss beläuft sich auf mehrere Milliarden Euro, wobei der Großteil aus der verpflichtenden Abfertigung NEU stammt. Die Rendite der Veranlagung liegt traditionell über dem Durchschnitt vergleichbarer Anbieter, was der professionellen Anlagestrategie und dem diversifizierten Portfolio zu verdanken ist. Durch die Zusammenlegung der Veranlagungsbereiche sollen diese Renditen weiter optimiert werden.

Regulatorische Rahmenbedingungen

Die österreichische Pensionsbranche unterliegt strengen regulatorischen Bestimmungen. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) überwacht die Pensionskassen und Vorsorgekassen und stellt sicher, dass die Gelder der Versicherten sicher angelegt werden. Die geplanten Strukturreformen der VBV-Gruppe müssen daher von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden.

Besonders wichtig sind dabei Solvabilitätsvorschriften, die sicherstellen, dass auch bei ungünstigen Marktentwicklungen die Pensionsleistungen gewährleistet werden können. Die Zusammenlegung der Veranlagungsbereiche könnte hier Vorteile bringen, da ein größerer Pool an Vermögen risikodiversifizierter angelegt werden kann.

Zukunftsperspektiven und Branchentrends

Die Konsolidierung in der österreichischen Pensionsbranche wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich fortsetzen. Experten erwarten weitere Fusionen und Übernahmen, da der Kostendruck steigt und kleinere Anbieter Schwierigkeiten haben, wirtschaftlich zu operieren. Die VBV-Gruppe ist durch ihre Marktführerposition und die jetzt eingeleiteten Effizienzmaßnahmen gut positioniert, um von dieser Entwicklung zu profitieren.

Generaldirektor Andreas Zakostelsky betont, dass die Zusammenführung der Veranlagungsbereiche "der logische nächste Schritt" sei, um das Unternehmen "noch schlagkräftiger und kosteneffizienter zu gestalten". Diese Aussage deutet darauf hin, dass weitere Strukturreformen folgen könnten. Mögliche Bereiche für zukünftige Konsolidierungen sind IT-Services, Kundenbetreuung und Back-Office-Funktionen.

Die Digitalisierung wird weiterhin ein wichtiger Treiber für Veränderungen sein. Automatisierte Prozesse und künstliche Intelligenz können viele traditionelle Aufgaben übernehmen und dadurch Kosten senken. Die VBV hat bereits umfangreiche digitale Services implementiert, die sowohl Versicherten als auch Unternehmen die Verwaltung ihrer Vorsorge erleichtern.

Langfristig könnte sich auch die demografische Entwicklung auf die Branche auswirken. Mit einer alternden Gesellschaft wird die Bedeutung der betrieblichen Altersvorsorge als zweite Säule des Pensionssystems weiter steigen. Gleichzeitig werden weniger junge Arbeitnehmer in das System einzahlen, was den Druck auf effiziente Verwaltung und erfolgreiche Veranlagung erhöht.

Internationale Expansion und Kooperationen

Die gestärkte Position der VBV-Gruppe könnte auch internationale Ambitionen befeuern. Andere europäische Pensionsdienstleister haben bereits grenzüberschreitende Aktivitäten entwickelt, um Skaleneffekte zu nutzen. Die VBV könnte ähnliche Strategien verfolgen, insbesondere in Märkten mit verwandten Pensionssystemen wie Deutschland oder der Schweiz.

Kooperationen mit internationalen Vermögensverwaltern oder Technologieanbietern könnten weitere Effizienzgewinne ermöglichen. Die Größe der VBV-Gruppe macht sie zu einem attraktiven Partner für solche strategischen Allianzen. Diese Entwicklungen würden letztendlich den österreichischen Versicherten zugutekommen, die von verbesserten Services und höheren Renditen profitieren würden.

Die aktuellen Reformen der VBV-Gruppe zeigen, dass sich die österreichische Pensionsbranche in einer Phase der Professionalisierung und Konsolidierung befindet. Während dies kurzfristig zu Personalveränderungen führt, verspricht es langfristig stabilere und effizientere Strukturen für die betriebliche Altersvorsorge von Millionen österreichischer Arbeitnehmer. Die Entscheidungen der kommenden Monate werden zeigen, ob andere Anbieter ähnliche Wege einschlagen oder ob die VBV ihren Vorsprung als Marktführer weiter ausbauen kann.

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