In einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Herausforderungen in Österreich immer komplexer werden, rückt die Diskussion um die Rolle und Struktur der Wirtschaftskammer (WKO) erneut in den Fokus. Am 11. November 2025, bei einer Pressekonferenz in Wien, präsentierten Michael Bernhard und Markus Hofer
In einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Herausforderungen in Österreich immer komplexer werden, rückt die Diskussion um die Rolle und Struktur der Wirtschaftskammer (WKO) erneut in den Fokus. Am 11. November 2025, bei einer Pressekonferenz in Wien, präsentierten Michael Bernhard und Markus Hofer von UNOS – Unternehmerisches Österreich – ihre Vorschläge für eine grundlegende Reform dieser zentralen Institution. Die Forderungen zielen auf mehr Effizienz, Transparenz und Demokratie ab, um die Wirtschaftskammer zukunftsfähig zu machen.
Die UNOS-Vertreter betonten, dass die Gehaltsdiskussionen innerhalb der WKO nur die Spitze des Eisbergs seien. Die eigentlichen Probleme lägen in der Intransparenz und der Selbstverwaltung. Um dies zu ändern, schlagen sie fünf konkrete Reformschritte vor.
Derzeit existieren in Österreich zehn Wirtschaftskammern, die erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen binden. UNOS plädiert für eine Reduktion auf drei regionale Wirtschaftskammern, die effizienter arbeiten sollen. Diese neue Struktur würde die Anzahl der Funktionäre drastisch reduzieren und die Bürokratie abbauen, was letztlich den Mitgliedsunternehmen zugutekommen soll.
Die Kammerumlage 2 belastet Unternehmen erheblich. Mit einem Aufkommen von 440 Millionen Euro jährlich stellt sie einen großen Kostenfaktor dar. UNOS fordert eine schrittweise Abschaffung bis 2029, um die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen zu stärken.
Viele Unternehmen zahlen mehrfach Grundumlagen, was besonders für kleine Betriebe eine Last darstellt. Eine faire Deckelung soll diese Mehrfachbelastung beenden und für mehr Gerechtigkeit sorgen.
Mehr Transparenz fordert UNOS auch in finanziellen Angelegenheiten der WKO. Eine konsolidierte Bilanz soll die Einnahmen und Ausgaben offenlegen und das Vertrauen der Mitglieder stärken.
Mit einer Wahlbeteiligung von nur 26,5 % bei der letzten Wirtschaftskammerwahl sieht UNOS dringenden Handlungsbedarf. Eine umfassende Wahlrechtsreform soll die demokratische Legitimation stärken und die Mitbestimmung der Unternehmer:innen erhöhen.
Die Wirtschaftskammern in Österreich haben eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Sie wurden gegründet, um die Interessen der Wirtschaft zu vertreten und haben sich über die Jahre stark verändert. Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz, wo ähnliche Kammern existieren, ist die Struktur in Österreich jedoch deutlich komplexer und bürokratischer.
In Deutschland sind die Industrie- und Handelskammern (IHK) ähnlich organisiert, jedoch mit weniger Funktionären und einer stärkeren Fokussierung auf die Interessen der Mitglieder. Die Schweiz hingegen hat ein dezentrales System, das den Kantonen mehr Eigenständigkeit gibt, was oft als effizienter angesehen wird.
Die Reformen der WKO hätten weitreichende Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft. Eine effizientere Kammerstruktur könnte die Bürokratie abbauen und die Servicequalität für Unternehmen verbessern. Die Abschaffung der Kammerumlage 2 würde die Lohnnebenkosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Besonders kleine Unternehmen und EPUs würden von einer Deckelung der Umlagen profitieren, da sie nicht mehr überproportional belastet würden.
Statistiken von Statistik Austria zeigen, dass die Zahl der Insolvenzen im dritten Quartal 2025 um 6,5 % gestiegen ist. Dies unterstreicht die Dringlichkeit der Reformen, um den Wirtschaftsstandort Österreich zu stärken und die Unternehmen zu entlasten.
Die vorgeschlagenen Reformen könnten einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung der Wirtschaftskammer leisten. Mit einer stärkeren demokratischen Legitimation, mehr Transparenz und einer effizienteren Struktur könnte die WKO zu einem Vorbild für andere Länder werden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Reformvorschläge von UNOS umgesetzt werden und welchen Einfluss sie auf die österreichische Wirtschaft haben werden.
Die Forderungen von UNOS für eine Reform der Wirtschaftskammer kommen zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Die wirtschaftlichen Herausforderungen erfordern eine starke und effiziente Interessenvertretung. Es bleibt abzuwarten, ob die WKO auf die Vorschläge eingeht und wie sich diese auf die Wirtschaft in Österreich auswirken werden. Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Webseite.