Zurück
OTS-MeldungGesundheit/Gesellschaft/Essen und Trinken/Human Interest/Krankheit/Krankheiten/Gastronomie

Ströck-Kaffee für guten Zweck: Ein Euro gegen seltene Krankheit ME/CFS

5. März 2026 um 12:06
📰 OTS Import
Teilen:

<p>Eine Tasse Kaffee kann mehr bewirken als nur den Durst zu stillen. Die österreichische Traditionsbäckerei Ströck verwandelt am kommenden Weltfrauentag jeden Espresso, Cappuccino oder Melange in ein

Eine Tasse Kaffee kann mehr bewirken als nur den Durst zu stillen. Die österreichische Traditionsbäckerei Ströck verwandelt am kommenden Weltfrauentag jeden Espresso, Cappuccino oder Melange in ein Zeichen der Solidarität. Mit einer besonderen Spendenaktion macht das Familienunternehmen auf ME/CFS aufmerksam – eine Krankheit, die 80.000 Österreicherinnen und Österreicher betrifft, aber dennoch weitgehend unbekannt ist. Am 8. März 2026 wird jeder verkaufte Kaffee zu einem kleinen Hoffnungsträger für Betroffene einer Erkrankung, die Leben grundlegend verändert.

ME/CFS: Die unbekannte Volkskrankheit im Detail erklärt

Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Erschöpfungssyndrom, kurz ME/CFS, ist weit mehr als nur Müdigkeit nach einem anstrengenden Tag. Diese komplexe Multisystemerkrankung führt zu einer krankhaften Erschöpfung, die sich auch durch Ruhe nicht bessert. Charakteristisch ist die sogenannte Post-Exertional Malaise (PEM) – eine Verschlechterung aller Symptome bereits nach geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung. Betroffene können nach einem kurzen Spaziergang tagelang bettlägerig sein. Weitere Symptome umfassen kognitive Störungen wie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen, Schmerzen in Muskeln und Gelenken sowie Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System. In schweren Fällen können Patienten das Bett nicht mehr verlassen, sind lichtempfindlich und benötigen rund um die Uhr Pflege.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert ME/CFS bereits seit 1969 als neurologische Erkrankung. Trotzdem wird die Krankheit oft nicht ernst genommen oder fälschlicherweise als psychisches Leiden abgetan. Diese Fehleinschätzung hat dramatische Folgen: Viele Patienten erhalten jahrelang falsche Behandlungen, die ihren Zustand verschlechtern können. Aktivierungstherapien oder Ausdauertraining, die bei anderen Erkrankungen helfen, können bei ME/CFS-Patienten zu dauerhaften Verschlechterungen führen.

Dramatische Zahlen: ME/CFS in Österreich und international

Die Statistiken zu ME/CFS sind alarmierend. In Österreich leben schätzungsweise 80.000 Menschen mit dieser Erkrankung – das entspricht etwa der Einwohnerzahl von Klagenfurt. Besonders betroffen sind Frauen, die etwa 75 Prozent aller Fälle ausmachen. Diese Geschlechterverteilung macht ME/CFS zu einem wichtigen Thema für den Weltfrauentag. International schätzen Experten, dass etwa 0,1 bis 2 Prozent der Weltbevölkerung an ME/CFS leiden. In Deutschland sind es rund 300.000 Menschen, in der Schweiz etwa 40.000. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen, da viele Fälle undiagnostiziert bleiben.

Besonders alarmierend ist der Schweregrad der Erkrankung. Etwa 25 Prozent der Betroffenen sind so schwer erkrankt, dass sie bettlägerig oder auf den Rollstuhl angewiesen sind. Viele können ihr Zuhause nicht mehr verlassen und benötigen Unterstützung bei alltäglichen Verrichtungen. Die Arbeitsunfähigkeitsrate liegt bei über 80 Prozent der Patienten. Studien zeigen, dass ME/CFS-Patienten eine schlechtere Lebensqualität haben als Menschen mit Multipler Sklerose, Krebs oder Herzinsuffizienz.

Forschungsdefizite und fehlende Versorgungsstrukturen

Trotz der hohen Patientenzahl und der schwerwiegenden Auswirkungen ist ME/CFS eine der am wenigsten erforschten Krankheiten. In den USA fließen pro Patient jährlich nur etwa 5 Dollar in die Forschung – bei HIV sind es 2.500 Dollar, bei Multipler Sklerose 280 Dollar. In Österreich existieren nur wenige spezialisierte Ambulanzen, die sich mit ME/CFS auskennen. Die meisten Ärzte haben während ihres Studiums nichts über die Erkrankung gelernt und können sie weder diagnostizieren noch angemessen behandeln.

Die Folgen dieser Versorgungslücke sind verheerend. Patienten wandern jahrelang von Arzt zu Arzt, ohne eine korrekte Diagnose zu erhalten. Viele bekommen psychische Diagnosen oder werden als Simulanten abgestempelt. Eine repräsentative Studie zeigte, dass ME/CFS-Patienten durchschnittlich acht Jahre bis zur korrekten Diagnose benötigen. In dieser Zeit verschlechtert sich der Zustand vieler Patienten, weil sie nicht die nötige Schonung einhalten oder sogar schädliche Therapien erhalten.

Österreichs Nachholbedarf im internationalen Vergleich

Während andere Länder bereits ME/CFS-Zentren etabliert haben, hinkt Österreich hinterher. In Deutschland gibt es an der Charité in Berlin eine spezialisierte Ambulanz, Norwegen hat ein nationales Kompetenzzentrum und Großbritannien verfügt über mehrere Forschungseinrichtungen. Österreich hat bisher keine vergleichbare Infrastruktur entwickelt. Auch bei der sozialen Absicherung zeigen sich Defizite: Viele schwerstbetroffene Patienten erhalten keine oder nur unzureichende Unterstützung durch das Sozialsystem, da die Schwere ihrer Erkrankung nicht anerkannt wird.

Die WE&ME Foundation: Hoffnungsträger für die Forschung

In diese Lücke springt die WE&ME Foundation, die von Gerhard und Gabriele Ströck gegründet wurde. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die Grundlagenforschung zu ME/CFS zu fördern und wissenschaftliche Expertise mit Patientenerfahrungen zu vernetzen. „ME/CFS ist eine schwere, oft unsichtbare Erkrankung, die das Leben Betroffener und ihrer Familien grundlegend verändert. Umso wichtiger ist es, Forschung zu fördern und gesellschaftliche Aufmerksamkeit zu schaffen – insbesondere für betroffene Frauen!

Weitere Meldungen

OTS
ApoDoc

ApoDoc: Telemedizin erreicht österreichische Apotheken

5. März 2026
Lesen
OTS
Gesundheit

MedDay 2026: Große Karrieremesse für Mediziner in Wien

5. März 2026
Lesen
OTS
Gesundheit

Krebshilfe: 75% der Hilfesuchenden sind Frauen

5. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen