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SPÖ attackiert OMV-Chef: Milliarden-Krisengewinne bei hohen Spritpreisen

14. März 2026 um 15:16
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Die Spritpreise an österreichischen Tankstellen sorgen erneut für politische Spannungen. Nachdem OMV-Chef Alfred Stern in Medieninterviews erklärt hatte, sein Konzern könne nichts gegen die hohen T...

Die Spritpreise an österreichischen Tankstellen sorgen erneut für politische Spannungen. Nachdem OMV-Chef Alfred Stern in Medieninterviews erklärt hatte, sein Konzern könne nichts gegen die hohen Treibstoffpreise unternehmen, folgte eine scharfe Reaktion aus der Sozialdemokratie. SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll wirft dem Mineralölkonzern vor, sich trotz Milliarden-Gewinnen als Opfer zu inszenieren und bietet dem OMV-Chef öffentlich "Nachhilfeunterricht" in Energiepreispolitik an.

OMV im Fokus der Kritik: Krisengewinne vs. Verbraucherbelastung

Die Österreichische Mineralölverwaltung (OMV) steht im Zentrum einer heftigen politischen Debatte über Energiepreise. Als teilstaatlicher Konzern mit Sitz in Wien ist die OMV nicht nur einer der größten Öl- und Gaskonzerne Mitteleuropas, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Österreich. Das Unternehmen beschäftigt rund 22.000 Mitarbeiter weltweit und erzielte 2022 einen Umsatz von über 60 Milliarden Euro.

SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll kritisiert scharf die jüngsten Aussagen von OMV-Chef Alfred Stern. "Wenn sich ein Unternehmen, das in den vergangenen Jahren Krisengewinne in Milliardenhöhe gemacht hat, jetzt als Opfer steigender Preise hinstellt, dann ist das einfach nur schamlos", so Schroll in seiner Stellungnahme.

Aktionärsstruktur der OMV unter der Lupe

Besonders brisant wird die Debatte durch die internationale Eigentümerstruktur der OMV. Während die Republik Österreich über die Österreichische Beteiligungs AG (ÖBAG) rund 31,5 Prozent der Anteile hält, befinden sich die restlichen Aktien in internationalen Händen. Der größte private Anteilseigner ist die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) mit etwa 20 Prozent, gefolgt von verschiedenen US-amerikanischen Investmentfonds.

"Die OMV verteilt zwei Drittel ihrer Gewinne an Aktionäre auf der ganzen Welt, darunter vor allem ein Ölkonzern in Abu Dhabi und US-Konzerne", erklärt Schroll die problematische Gewinnverteilung. Diese Struktur bedeutet, dass österreichische Verbraucher hohe Spritpreise zahlen, während ein Großteil der Gewinne ins Ausland fließt.

Spritpreise im Detail: Wer profitiert von Preisanstiegen?

Um die Mechanismen hinter den Spritpreisen zu verstehen, ist eine detaillierte Analyse der Preisstruktur notwend. Schroll liefert konkrete Zahlen: "Steigt der Spritpreis um 20 Cent, gehen davon etwa 1,3 Cent an den Staat. Die restlichen 18,7 Cent stecken sich die Konzerne ein." Diese Aufschlüsselung zeigt deutlich, wer die Hauptprofiteure von Preiserhöhungen sind.

Raffinerienmargen als Gewinnhebel

Besonders aufschlussreich sind die Daten der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) aus der Energiekrise 2022. Die Behörde stellte fest, dass Raffinerien ihre Gewinnmargen in diesem Jahr verdreifacht haben. Während Diesel um 36 Cent und Benzin um 31 Cent teurer wurde, stiegen die Rohölpreise nur um 22 Cent. Diese Diskrepanz zwischen Rohölpreis und Endverbraucherpreis verdeutlicht, wo die zusätzlichen Gewinne entstehen.

Die Raffineriemarge bezeichnet den Unterschied zwischen dem Einkaufspreis für Rohöl und dem Verkaufspreis für fertige Treibstoffe. In normalen Zeiten liegt diese Marge bei etwa 5-10 Cent pro Liter. Während der Energiekrise 2022 explodierten diese Margen jedoch auf teilweise über 30 Cent pro Liter, was zu außerordentlichen Gewinnen für die Mineralölkonzerne führte.

Steuerpolitik bei Treibstoffen: Rechtliche Rahmenbedingungen

Ein wichtiger Aspekt der Spritpreisdebatte betrifft die steuerliche Behandlung von Treibstoffen. Schroll korrigiert dabei offensichtliche Wissenslücken des OMV-Chefs: "Stern sollte eigentlich wissen, dass aus Mengensteuern keine Mehreinnahmen aus steigenden Preisen resultieren."

Mengensteuern vs. Wertsteuern erklärt

Bei Treibstoffen werden zwei Arten von Steuern erhoben: Mengensteuern und Wertsteuern. Die Mineralölsteuer (MÖSt) ist eine Mengensteuer, die pro Liter erhoben wird - aktuell 48,2 Cent pro Liter Benzin und 39,7 Cent pro Liter Diesel. Diese Beträge sind seit über einem Jahrzehnt nicht mehr an die Inflation angepasst worden, was bedeutet, dass der reale Wert dieser Steuer kontinuierlich sinkt.

Die Mehrwertsteuer hingegen ist eine Wertsteuer und steigt proportional mit dem Preis. Bei Treibstoffen gilt der Normalsteuersatz von 20 Prozent, da EU-Recht keine Ermäßigung wie bei Nahrungsmitteln (10 Prozent) vorsieht. "Stern sollte auch wissen, dass für Treibstoffe der Normalsteuersatz EU-rechtlich vorgeschrieben ist und keine Ermäßigung möglich ist", betont Schroll.

FPÖ als "Erfüllungsgehilfin der Konzerne"

Besonders scharf kritisiert die SPÖ die Haltung der FPÖ in der Spritpreisdebatte. "Die FPÖ ist wieder einmal die Erfüllungsgehilfin der Konzerne", wirft Schroll der Freiheitlichen Partei vor. Diese Kritik zielt auf die traditionell wirtschaftsliberale Haltung der FPÖ ab, die sich oft gegen staatliche Markteingriffe ausspricht.

Politische Strategien im Energiebereich

Die unterschiedlichen politischen Ansätze zur Energiepreispolitik spiegeln fundamentale ideologische Differenzen wider. Während die SPÖ staatliche Interventionen wie eine Spritpreisbremse fordert, setzen andere Parteien auf Marktkräfte. Die FPÖ, die sich traditionell als Anwältin der "kleinen Leute" positioniert, gerät durch ihre Unterstützung der OMV-Position in einen Widerspruch zu ihren populistischen Versprechen.

"Offensichtlich ist die FPÖ nicht daran interessiert, die Leute zu entlasten. Stattdessen schützt sie die Krisengewinne der Großkonzerne! Das ist Betrug an den Wähler:innen", so Schrolls harte Kritik an der freiheitlichen Energiepolitik.

Internationale Vergleiche: Spritpreispolitik in Europa

Ein Blick über die Grenzen zeigt unterschiedliche Ansätze im Umgang mit hohen Energiepreisen. Frankreich führte bereits 2022 eine Spritpreisbremse ein, die den Preis pro Liter um 18 Cent reduzierte. Deutschland setzte auf eine zeitlich begrenzte Steuersenkung, den sogenannten "Tankrabatt", der die Mineralölsteuer für drei Monate um 35 Cent pro Liter Benzin und 17 Cent pro Liter Diesel senkte.

Die Schweiz hingegen verzichtete weitgehend auf staatliche Interventionen und setzte auf die Selbstregulierung des Marktes. Interessant ist dabei, dass die Spritpreise in der Schweiz trotz höherer Lebenshaltungskosten oft niedriger lagen als in Österreich, was auf unterschiedliche Marktstrukturen und Wettbewerbsintensitäten hindeutet.

Bundesländer-Vergleich in Österreich

Auch innerhalb Österreichs zeigen sich regional unterschiedliche Spritpreisniveaus. Während in Wien und anderen städtischen Gebieten durch höhere Tankstellendichte mehr Wettbewerb herrscht, sind die Preise in ländlichen Gebieten oft deutlich höher. Besonders betroffen sind Grenzregionen zu Deutschland, wo deutsche Verbraucher aufgrund niedrigerer Dieselpreise in Österreich tanken, was zu zusätzlicher Nachfrage und höheren Preisen führt.

Spritpreisbremse: Mechanismen und Auswirkungen

Die von der SPÖ geforderte Spritpreisbremse würde nach dem Vorbild anderer europäischer Länder funktionieren. Dabei würde der Staat einen Höchstpreis festlegen und die Differenz zum Marktpreis direkt an die Tankstellen ausgleichen. Ein solches System hätte mehrere Vorteile: Verbraucher würden sofort entlastet, die Inflation würde gedämpft, und die Kaufkraft der Bevölkerung würde gestärkt.

Kritiker einer Spritpreisbremse wenden ein, dass sie zu höherem Verbrauch führen und damit klimapolitische Ziele konterkarieren könnte. Zudem entstehen dem Staat erhebliche Kosten, die über Steuern finanziert werden müssen. Die geschätzten Kosten für eine Spritpreisbremse in Österreich würden sich auf mehrere Hundert Millionen Euro pro Jahr belaufen.

Auswirkungen auf Verbraucher und Wirtschaft

Für österreichische Haushalte stellen hohe Spritpreise eine erhebliche Belastung dar. Eine durchschnittliche Familie gibt etwa 150-200 Euro monatlich für Treibstoff aus. Bei Preiserhöhungen um 20-30 Cent pro Liter entstehen jährliche Mehrkosten von 500-800 Euro. Besonders betroffen sind Pendler in ländlichen Gebieten, die auf das Auto angewiesen sind und keine öffentlichen Verkehrsalternativen haben.

Für die Wirtschaft bedeuten hohe Energiepreise steigende Transportkosten, die letztendlich auf die Verbraucherpreise umgelegt werden. Speditionen, Logistikunternehmen und der Handel leiden unter den hohen Treibstoffkosten, was die allgemeine Inflationsentwicklung anheizt.

OMV-Gewinne im internationalen Kontext

Die Gewinnentwicklung der OMV steht exemplarisch für die gesamte Öl- und Gasindustrie während der Energiekrise. Im Jahr 2022 erzielte der Konzern einen Nettogewinn von 5,9 Milliarden Euro – ein historischer Rekordwert. Zum Vergleich: 2019, vor der Corona-Pandemie, lag der Gewinn bei etwa 1,5 Milliarden Euro.

Diese Gewinnexplosion ist nicht auf Österreich beschränkt. Shell verbuchte 2022 einen Rekordgewinn von 42,3 Milliarden Dollar, ExxonMobil erzielte 55,7 Milliarden Dollar. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Energiekrise für Konzerne zu außerordentlichen Gewinnen führte, während Verbraucher weltweit unter hohen Preisen litten.

Zukunftsperspektiven der österreichischen Energiepolitik

Die aktuelle Debatte um Spritpreise ist nur ein Aspekt der größeren Herausforderung der Energiewende in Österreich. Bis 2040 soll das Land klimaneutral werden, was eine grundlegende Transformation des Energiesystems erfordert. Der Ausbau erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung des Verkehrs und die Steigerung der Energieeffizienz stehen im Mittelpunkt der Klimastrategie.

Gleichzeitig muss die Versorgungssicherheit gewährleistet bleiben. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen soll reduziert werden, ohne dass dabei soziale Verwerfungen entstehen. Eine gerechte Energiewende erfordert Maßnahmen, die sowohl Klimaschutz als auch soziale Gerechtigkeit berücksichtigen.

Die Rolle der OMV in diesem Transformationsprozess ist ambivalent. Einerseits investiert der Konzern in erneuerbare Energien und Wasserstofftechnologien, andererseits bleibt das Kerngeschäft weiterhin auf fossile Brennstoffe ausgerichtet. Die Politik steht vor der Herausforderung, die Interessen der Verbraucher, der Wirtschaft und des Klimaschutzes in Einklang zu bringen.

Die SPÖ-Forderung nach einer Spritpreisbremse ist vor diesem Hintergrund als kurzfristige Entlastungsmaßnahme zu verstehen, während langfristig der Umbau des Energiesystems im Vordergrund steht. Die politische Debatte wird sich in den kommenden Monaten intensivieren, insbesondere im Hinblick auf die nächsten Wahlen und die weitere Umsetzung der Klimaziele. Ob eine Spritpreisbremse tatsächlich kommt, wird von den politischen Mehrheitsverhältnissen und der weiteren Preisentwicklung an den Energiemärkten abhängen.

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