In einem Aufsehen erregenden Vorfall, der die österreichische Kulturszene erschüttert, hat die FPÖ Wien schwere Vorwürfe gegen die Wiener Festwochen erhoben. Die Kritik richtet sich gegen den geplanten Auftritt eines ehemaligen Mitglieds der Rote Armee Fraktion (RAF), einer berüchtigten linksextremi
In einem Aufsehen erregenden Vorfall, der die österreichische Kulturszene erschüttert, hat die FPÖ Wien schwere Vorwürfe gegen die Wiener Festwochen erhoben. Die Kritik richtet sich gegen den geplanten Auftritt eines ehemaligen Mitglieds der Rote Armee Fraktion (RAF), einer berüchtigten linksextremistischen Terrororganisation, die in den 1970er und 1980er Jahren für zahlreiche Anschläge in Deutschland verantwortlich war.
Die Rote Armee Fraktion, kurz RAF, war eine linksextremistische Gruppierung, die sich in den 1970er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland formierte. Sie gilt als eine der einflussreichsten und gefährlichsten Terrororganisationen in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Gruppe verübte zahlreiche Anschläge, Banküberfälle und Entführungen, die eine erhebliche Bedrohung für die innere Sicherheit darstellten. Zu ihren bekanntesten Aktionen zählen die Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ 1977. Diese Taten führten zu einem tiefen gesellschaftlichen Schock und einem intensiven Vorgehen der Sicherheitsbehörden gegen die RAF.
Der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp hat in einer Pressemitteilung den geplanten Auftritt von Karl-Heinz Dellwo, einem ehemaligen Mitglied der RAF, als „Mörderskandal“ bezeichnet. Dellwo, der zweimal zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, soll bei den Wiener Festwochen auftreten. Nepp kritisiert, dass solche Figuren auf eine mit Steuergeldern finanzierte Bühne gehoben werden und sieht darin eine Verhöhnung der Opfer des RAF-Terrors.
Die Wiener Festwochen sind ein renommiertes Kulturfestival, das jährlich in der österreichischen Hauptstadt stattfindet. Es ist bekannt für seine vielfältigen und oft kontroversen Programme, die internationale Künstler aus verschiedenen Disziplinen zusammenbringen. Allerdings ist der Auftritt eines ehemaligen Terroristen auf einer solchen Bühne beispiellos und sorgt für heftige Diskussionen.
Nepp hebt hervor, dass in den Jahren 2024 und 2025 rund 28 Millionen Euro an Wiener Steuergeldern in die Festwochen geflossen sind. Er kritisiert, dass anstelle von Kunst und Kultur auf Weltniveau nun provokative und ideologisch aufgeladene Inhalte präsentiert würden. „Dafür zahlen die Wienerinnen und Wiener Millionenbeträge. Das ist ein Skandal und muss sofort gestoppt werden“, so Nepp.
Die Empörung in der Bevölkerung ist groß. Viele Bürger fühlen sich durch die Verwendung ihrer Steuergelder für einen solchen Auftritt betrogen. Die Forderungen nach einer Absage des Auftritts und einer Rückforderung der Fördergelder werden immer lauter. Die FPÖ Wien sieht in der Zulassung solcher Auftritte eine Verharmlosung von Terrorismus und eine Komplizenschaft mit linker Gewaltverherrlichung.
Die politische Landschaft Österreichs reagiert gespalten auf die Vorwürfe. Während die FPÖ klare Konsequenzen fordert, zeigen sich andere Parteien zurückhaltender. Die Grünen und die SPÖ betonen die Bedeutung der künstlerischen Freiheit und warnen vor einer Vorverurteilung, die die künstlerische Ausdrucksfreiheit einschränken könnte.
Ein Sprecher der Wiener Festwochen verteidigte die Entscheidung, Dellwo einzuladen, mit dem Argument, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ein wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Arbeit sei. „Kunst muss provozieren und Diskussionen anregen. Nur so können wir aus der Geschichte lernen“, erklärte der Sprecher.
Die Debatte um die Einladung von ehemaligen Terroristen zu kulturellen Veranstaltungen ist nicht neu. In den 1990er Jahren gab es ähnliche Diskussionen, als ehemalige Mitglieder der RAF und der italienischen Roten Brigaden in öffentlichen Foren auftraten. Diese Auftritte wurden damals ebenfalls kontrovers diskutiert, aber letztlich als Teil der gesellschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte betrachtet.
Im Vergleich zu anderen Bundesländern in Österreich ist Wien bekannt für seine liberalere Kulturpolitik. Während in konservativen Regionen wie Tirol oder Vorarlberg solche Auftritte vermutlich von vornherein ausgeschlossen wären, bietet Wien Künstlern und Intellektuellen eine Plattform, um auch kontroverse Themen zu behandeln.
Für die Bürger Wiens bedeutet dieser Vorfall eine weitere Polarisierung in der ohnehin schon aufgeheizten politischen Landschaft. Viele fühlen sich durch die Verwendung ihrer Steuergelder für umstrittene kulturelle Projekte missverstanden und nicht ernst genommen. Die Diskussion um die Finanzierung solcher Veranstaltungen wird voraussichtlich auch bei den kommenden Wahlen eine Rolle spielen.
Ein Wiener Bürger, der anonym bleiben möchte, äußerte seine Bedenken: „Es ist schwer zu verstehen, warum unsere Steuergelder für so etwas eingesetzt werden. Wir haben andere Probleme, die dringender sind, wie Bildung und Infrastruktur.“
Die Wiener Festwochen stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Sie müssen einen Weg finden, um die künstlerische Freiheit zu wahren, ohne die öffentliche Meinung und die politischen Rahmenbedingungen zu ignorieren. Die Debatte um den Auftritt von Karl-Heinz Dellwo könnte ein Präzedenzfall für die zukünftige Ausrichtung des Festivals werden.
Es bleibt abzuwarten, ob die Verantwortlichen der Wiener Festwochen den Forderungen nach einer Absage des Auftritts nachkommen werden. Sollte der Auftritt wie geplant stattfinden, könnten die politischen und gesellschaftlichen Spannungen weiter zunehmen. Die FPÖ hat bereits angekündigt, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Insgesamt zeigt dieser Fall, wie stark Kunst und Politik miteinander verflochten sind und wie wichtig es ist, einen ausgewogenen Dialog zu führen, der sowohl die künstlerische Freiheit als auch die gesellschaftliche Verantwortung berücksichtigt.