Am heutigen Weltumwelttag, einem Datum, das global für Bewusstsein und Engagement im Umweltschutz steht, sorgt eine Entscheidung des EU-Ministerrats für Aufsehen. Der Rat, zuständig für Verkehr, Telekommunikation und Energie, hat den Schutzstatus des Wolfs von „streng geschützt“ auf „geschützt“ hera
Am heutigen Weltumwelttag, einem Datum, das global für Bewusstsein und Engagement im Umweltschutz steht, sorgt eine Entscheidung des EU-Ministerrats für Aufsehen. Der Rat, zuständig für Verkehr, Telekommunikation und Energie, hat den Schutzstatus des Wolfs von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft. Diese Entscheidung trifft nicht nur Tierschützer ins Mark, sondern wirft auch ein fragwürdiges Licht auf die Prioritäten der europäischen Politik.
„Es ist ein politischer Affront, dass ausgerechnet am internationalen Weltumwelttag der Wolfsschutz geschwächt wird – und das von einem Rat, der mit Umweltfragen gar nichts zu tun hat,“ kritisiert Michaela Lehner, Leiterin der Stabstelle Recht bei Tierschutz Austria. Für den Artenschutz in Europa sei dies ein herber Rückschlag, der auch von Rechts- und Naturwissenschaftlern scharf kritisiert werde. Der Entscheidungsprozess zur Herabstufung wird bereits beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) bekämpft.
Wölfe übernehmen in der Natur eine zentrale Rolle als Spitzenprädatoren. Sie regulieren das Gleichgewicht zwischen Wald und Wildtieren. In Ländern wie Österreich, wo veraltete Jagdpraktiken und das Fehlen natürlicher Beutegreifer zu hohen Wildbeständen führen, ist diese Rolle besonders wichtig. Zu viele Wildtiere bedeuten zu viele junge Bäume, die gefressen werden, was die natürliche Verjüngung der Wälder verhindert.
„Während eines Gerichtsverfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte musste Österreich selbst eingestehen, dass durch die hohe Schalenwilddichte jährliche Waldschäden von ca. 136 Millionen Euro für die Steuerzahler entstehen,“ so Lehner weiter. Die Jagd auf Wildtiere wie Rehe und Hirsche durch Wölfe ermöglicht eine gesunde Waldentwicklung und fördert die CO₂-Bindung in den Böden – ein wertvoller Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.
Der EU-Konsultationsprozess – REFIT – zeigte, dass über 500.000 EU-Bürger für einen strengen Schutz des Wolfes stimmten. Diese Mehrheit wurde Ende 2023 durch eine Umfrage der EU-Kommission erneut bestätigt. Ebenso unterstützen 3 von 4 Österreichern die Rückkehr des Wolfs, wie das Marktforschungsinstitut TQS gemäß einer repräsentativen Studie im Auftrag von Tierschutz Austria feststellte.
Österreich ist europaweit Spitzenreiter bei Wolfsabschüssen, trotz der wichtigen ökologischen Vorteile, die Wölfe bieten. „Abschüsse lösen keine Konflikte. Sie schaffen neue Probleme – und ignorieren den Mehrheitswillen der Bevölkerung,“ meint Leona Fux, Biologin und Artenschutzexpertin bei Tierschutz Austria. „Es braucht echte Lösungen: Herdenschutz, unabhängiges Monitoring und eine Politik, die Natur nicht dem kurzfristigen Kalkül opfert.“
Tierschutz Austria ruft alle Menschen in Österreich auf, sich der Petition #TeamWolf anzuschließen. Diese Petition fordert ein faires Miteinander mit dem Wolf und kann unter www.tierschutz-austria.at/teamwolf unterstützt werden.
Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, dass die Öffentlichkeit Druck auf die Politik ausübt, um umweltfreundliche Entscheidungen zu fördern. Der Schutz des Wolfes ist nicht nur ein symbolisches Thema, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Erhaltung unserer Ökosysteme.
Wölfe sind seit Jahrhunderten ein kontroverses Thema in Europa. Im Mittelalter wurden sie als Bedrohung für Mensch und Vieh angesehen und systematisch gejagt. Erst im 20. Jahrhundert begann man, sie als wichtigen Teil des Ökosystems zu erkennen und Schutzmaßnahmen einzuführen. Die Rückkehr des Wolfes in viele europäische Länder in den letzten Jahrzehnten war ein großer Erfolg für den Artenschutz.
In Deutschland beispielsweise gibt es strenge Schutzmaßnahmen für Wölfe und umfassende Herdenschutzprogramme. Frankreich hat ebenfalls Maßnahmen ergriffen, um die Koexistenz von Mensch und Wolf zu fördern, während in Italien die Populationen stabil sind und als Erfolgsgeschichte des Artenschutzes gelten.
Die Entscheidung des EU-Ministerrats könnte weitreichende Folgen haben. Sollte der Schutzstatus des Wolfs weiter aufgeweicht werden, könnte dies zu einer Zunahme illegaler Abschüsse und einem Rückgang der Wolfspopulationen führen. Dies würde nicht nur den Artenschutz gefährden, sondern auch die ökologischen Vorteile, die Wölfe bieten, zunichtemachen.
Experten fordern daher eine klare und kohärente Politik, die den Schutz des Wolfes in den Mittelpunkt stellt und gleichzeitig die Interessen der Landwirte berücksichtigt. Nur durch einen offenen Dialog und faktenbasierte Entscheidungen kann ein nachhaltiges Miteinander von Mensch und Wolf erreicht werden.