Ein besonderer Moment für junge Redner:innen in Niederösterreich: Am 12. März 2026 fiel im Festsaal von St. Pölten der Vorhang für das zehnte und finale SPEECH OFF des ORF-Formats SAG'S MULTI. Vor ...
Ein besonderer Moment für junge Redner:innen in Niederösterreich: Am 12. März 2026 fiel im Festsaal von St. Pölten der Vorhang für das zehnte und finale SPEECH OFF des ORF-Formats SAG'S MULTI. Vor laufenden Kameras und begeistertem Publikum präsentierten Schüler:innen aus verschiedenen Schulen des Bundeslandes ihre mehrsprachigen Reden zu gesellschaftsrelevanten Themen. Die Veranstaltung markierte nicht nur den Abschluss einer erfolgreichen regionalen Runde, sondern auch den Startschuss für das große Finale im Wiener Rathaus.
SAG'S MULTI hat sich seit seiner Entstehung zu einem der bedeutendsten mehrsprachigen Bildungsprojekte Österreichs entwickelt. Der Redewettbewerb wurde ins Leben gerufen, um die sprachliche Vielfalt des Landes zu fördern und jungen Menschen eine Plattform zu geben, ihre Erst- oder Fremdsprachen selbstbewusst zu präsentieren. Das Konzept ist dabei bewusst inklusiv gestaltet: Teilnehmen können Schüler:innen mit unterschiedlichsten sprachlichen Hintergründen, von Migrant:innen der ersten Generation bis hin zu österreichischen Jugendlichen, die ihre Fremdsprachenkenntnisse unter Beweis stellen möchten.
Die Idee entstammt dem Verständnis, dass Mehrsprachigkeit in der modernen Gesellschaft nicht nur ein Vorteil, sondern eine Notwendigkeit darstellt. In einer Zeit, in der Österreich immer internationaler wird und die Wirtschaft zunehmend auf globale Vernetzung angewiesen ist, sollen junge Menschen ermutigt werden, ihre sprachlichen Fähigkeiten nicht zu verstecken, sondern als Stärke zu begreifen. Der Wettbewerb richtet sich dabei an zwei Altersgruppen: die YoungStars umfassen die 7. und 8. Schulstufe, während die SPEECH MASTERS die Jahrgänge 9 bis 13 repräsentieren.
Elisabeth Piros von der Mittelschule Ebenfurth eroberte mit ihrer englischsprachigen Rede zum Thema "Zusammenhalt in Vielfalt – was uns stark macht" den ersten Platz in der Kategorie YoungStars. Ihre Präsentation überzeugte die Jury durch die authentische Verbindung von persönlichen Erfahrungen mit gesellschaftlichen Herausforderungen. Der zweite Platz ging an Elizaveta Schachinger vom BRG Waidhofen/Ybbs, die in ihrer russischen Erstsprache über "Gerechtigkeit – ein großes Wort, viele Bedeutungen" sprach und dabei kulturelle Brücken zwischen ihrer Herkunft und ihrer österreichischen Heimat schlug.
Den dritten Platz sicherte sich Leonie Bauer, ebenfalls von der MS Ebenfurth, die das gleiche Gerechtigkeitsthema in englischer Sprache behandelte und dabei einen anderen, aber ebenso überzeugenden Ansatz wählte. Besonders bemerkenswert ist, dass die Mittelschule Ebenfurth gleich zwei Plätze auf dem Siegerpodium erobern konnte – ein Zeichen für die qualitätsvolle Vorbereitung und das Engagement der Bildungseinrichtung.
In der höheren Altersklasse der SPEECH MASTERS dominierte Khalaf Dli von der BHAK Korneuburg mit seiner arabischsprachigen Auseinandersetzung zum hochaktuellen Thema "Zwischen Fake und Wahrheit – wem können wir glauben?". Seine Rede reflektierte die Herausforderungen der digitalen Informationsgesellschaft aus der Perspektive eines jungen Menschen mit Migrationshintergrund. Jana Adamovic vom GRG Sachsenbrunn folgte auf Platz zwei mit ihrer serbischsprachigen Interpretation des Gerechtigkeitsthemas, während Taizan Yamada vom BRG Waidhofen/Ybbs den dritten Platz mit seiner japanischen Rede über "Meine Generation – Hoffnungsträger:innen oder Sorgenkinder?" eroberte.
Die Zusammensetzung der Gewinner:innen spiegelt die sprachliche Realität des modernen Österreich wider. Neben Englisch als dominierender Fremdsprache waren auch Russisch, Arabisch, Serbisch und Japanisch vertreten – Sprachen, die die Migrationsgeschichte und die internationale Vernetzung des Landes dokumentieren. Diese Vielfalt ist keineswegs ein Zufall, sondern Ausdruck einer bewussten Bildungspolitik, die Mehrsprachigkeit als Ressource begreift.
Statistiken des Bildungsministeriums zeigen, dass in österreichischen Schulen mittlerweile über 100 verschiedene Erstsprachen gesprochen werden. Niederösterreich liegt dabei im nationalen Vergleich im Mittelfeld: Während in Wien der Anteil der Schüler:innen mit anderen Erstsprachen als Deutsch bei über 50 Prozent liegt, bewegt sich Niederösterreich bei etwa 25 Prozent. Dennoch zeigt die Qualität der Beiträge beim SPEECH OFF, dass auch in ländlicheren Gebieten sprachliche Talente gefördert und entwickelt werden können.
Im Vergleich zu anderen deutschsprachigen Ländern nimmt Österreich mit SAG'S MULTI eine Vorreiterrolle ein. Deutschland experimentiert zwar mit ähnlichen Formaten, hat aber noch keine vergleichbare bundesweite Plattform etabliert. Die Schweiz mit ihrer traditionellen Mehrsprachigkeit verfügt über andere Strukturen, erreicht aber nicht die mediale Aufmerksamkeit, die der ORF mit seinem Format generiert.
Für die teilnehmenden Jugendlichen bedeutet SAG'S MULTI weit mehr als nur einen Redewettbewerb. Es ist eine Plattform zur Persönlichkeitsentwicklung, die Selbstbewusstsein stärkt und interkulturelle Kompetenzen fördert. Lehrer:innen berichten regelmäßig, dass Schüler:innen durch die Teilnahme nicht nur ihre Sprachkenntnisse verbessern, sondern auch in ihrer Gesamtpersönlichkeit wachsen.
Die Themenauswahl des aktuellen Durchgangs – von Gerechtigkeit über Fake News bis hin zu generationellen Herausforderungen – zeigt, dass die Organisator:innen großen Wert auf gesellschaftsrelevante Inhalte legen. Junge Menschen werden ermutigt, sich kritisch mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen und ihre Meinungen artikuliert zu vertreten. Dies stärkt nicht nur die demokratische Bildung, sondern bereitet auch auf die Anforderungen einer globalisierten Arbeitswelt vor.
Besonders für Schüler:innen mit Migrationshintergrund bietet der Wettbewerb die Chance, ihre Erstsprache nicht als Hindernis, sondern als Vorteil zu erleben. Studien zeigen, dass die Wertschätzung der Herkunftssprache entscheidend für den Bildungserfolg und die Integration ist. SAG'S MULTI leistet hier einen wichtigen Beitrag zur Identitätsstärkung und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Für die drei Gewinner:innen der Kategorie SPEECH MASTERS beginnt nun die intensive Vorbereitung auf das große Finale am 17. April 2026 im Festsaal des Wiener Rathauses. "THE FINAL 9+" bringt die besten Redner:innen aus allen Bundesländern zusammen und verspricht einen Höhepunkt der Sprachkompetenz und Rhetorik. Die Herausforderung liegt darin, eine völlig neue Rede zu einem anderen Thema zu entwickeln, die zwischen fünf und sechs Minuten dauern muss.
Die Jury des Finales setzt sich traditionell aus Persönlichkeiten aus Bildung, Medien und Politik zusammen. Die Bewertungskriterien umfassen nicht nur die sprachliche Korrektheit und den Inhalt, sondern auch die Präsentationsfähigkeiten und die Originalität der Argumentation. Für die Finalist:innen bedeutet die Teilnahme oft den ersten Kontakt mit professionellem Fernsehen und einer größeren Öffentlichkeit.
Die Erfolge beim SPEECH OFF werfen auch ein Schlaglicht auf die Bildungsqualität in Niederösterreich. Die beteiligten Schulen – von der Mittelschule Ebenfurth über die Handelsakademie Korneuburg bis hin zu den Gymnasien in Waidhofen/Ybbs und Sachsenbrunn – repräsentieren die Vielfalt des niederösterreichischen Bildungswesens. Dabei zeigt sich, dass sowohl kleinere ländliche Schulen als auch größere städtische Einrichtungen erfolgreich am Wettbewerb teilnehmen können.
Die geografische Verteilung der Siegerschulen ist bemerkenswert: Von der slowakischen Grenze in Ebenfurth bis ins Mostviertel nach Waidhofen/Ybbs spannt sich der Bogen der erfolgreichen Bildungsarbeit. Dies deutet darauf hin, dass die Förderung von Mehrsprachigkeit und Rhetorik nicht nur in den Ballungsräumen, sondern flächendeckend im Bundesland Priorität hat.
Die Übertragung durch den ORF verleiht dem Wettbewerb eine Reichweite, die weit über die Teilnehmer:innen und ihre Familien hinausgeht. ORF-Niederösterreich-Programmchef Karl Trahbüchler, der die Preise überreichte, betonte bei der Veranstaltung die Bedeutung des Formats für die Sichtbarkeit jugendlicher Talente. Die mediale Begleitung trägt dazu bei, dass Mehrsprachigkeit in der österreichischen Gesellschaft positiver wahrgenommen wird und Vorurteile abgebaut werden können.
Soziale Medien verstärken den Effekt zusätzlich: Videos der besten Reden werden oft tausendfach geteilt und erreichen auch junge Menschen, die nicht direkt am Wettbewerb beteiligt sind. Dies inspiriert weitere Schüler:innen zur Teilnahme und schafft ein Bewusstsein für die Bedeutung von Sprachkompetenz und rhetorischen Fähigkeiten.
Mit dem Abschluss des niederösterreichischen SPEECH OFF ist ein wichtiger Meilenstein der diesjährigen SAG'S MULTI-Saison erreicht. Die Erfahrungen aus St. Pölten fließen in die Gesamtbewertung des Formats ein und helfen bei der Weiterentwicklung für kommende Jahre. Diskussionen über neue Themenbereiche, erweiterte Altersgruppen oder zusätzliche Sprachkategorien zeigen, dass SAG'S MULTI als lebendiges Format kontinuierlich wächst und sich an gesellschaftliche Entwicklungen anpasst.
Die Erfolgsgeschichte von SAG'S MULTI könnte auch andere Bereiche der Bildungslandschaft inspirieren. Überlegungen zu ähnlichen Formaten für naturwissenschaftliche Themen oder kreative Bereiche zeigen das Potenzial des Konzepts. Gleichzeitig arbeiten Bildungsexpert:innen daran, die positiven Effekte des Wettbewerbs noch stärker in den regulären Unterricht zu integrieren.
Für die Gewinner:innen aus Niederösterreich steht nun das große Finale bevor – ein Erlebnis, das ihre schulische Laufbahn prägen und möglicherweise berufliche Weichen stellen wird. Gleichzeitig haben sie bereits jetzt als Vorbilder gewirkt und anderen Jugendlichen gezeigt, dass sprachliche Vielfalt eine Stärke ist, die es zu kultivieren und zu feiern gilt.