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Politik

Revolution oder Rückschritt? So will der Gemeindebund die Nahversorgung retten!

18. Juli 2025 um 12:38
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In einer Zeit, in der das Wort 'Digitalisierung' in aller Munde ist, hat der Österreichische Gemeindebund am 18. Juli 2025 ein Positionspapier veröffentlicht, das die Zukunft der Nahversorgung in den Fokus rückt. Die Nahversorgung, einst das Herzstück vieler österreichischer Gemeinden, ist in den le

In einer Zeit, in der das Wort 'Digitalisierung' in aller Munde ist, hat der Österreichische Gemeindebund am 18. Juli 2025 ein Positionspapier veröffentlicht, das die Zukunft der Nahversorgung in den Fokus rückt. Die Nahversorgung, einst das Herzstück vieler österreichischer Gemeinden, ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend aus den Ortskernen verschwunden. Ein Drittel der österreichischen Gemeinden hat heute keinen Nahversorger mit Vollsortiment mehr. Dies ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein soziales Problem.

Die digitale Revolution der Nahversorgung

Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl betont, dass mit digitalen Läden und innovativen Angebotsbündelungen der Weg zurück in die Ortskerne gefunden werden muss. "Wir brauchen moderne Regeln für eine moderne Realität: Digi-Läden dürfen nicht an Öffnungszeitengesetzen von gestern scheitern," so Pressl. Der Gemeindebund setzt auf Digitalisierung, flexiblere Öffnungszeitenregelungen und maßgeschneiderte Lösungen für unterversorgte Gemeinden.

Innovation und Digitalisierung als Schlüssel

Das Positionspapier fordert die Nutzung moderner Technik, um eine alltagstaugliche, zugängliche und lebensnahe Nahversorgung zu gewährleisten. Digitale Zutrittssysteme, 24h-Digi-Läden, Hybridmärkte, Rufbusse und smarte Lieferlogistik sind nur einige der Maßnahmen, die vorgeschlagen werden. Diese Maßnahmen sollen nicht nur die Versorgungssicherheit erhöhen, sondern auch wirtschaftlich tragfähig sein.

Multifunktionale Zentren als soziale Drehscheibe

Ein weiterer Punkt des Positionspapiers ist die Schaffung multifunktionaler Ortszentren. Diese Zentren sollen Lebensmittelhandel mit ergänzenden Dienstleistungen wie Post, Bankomat, Gastronomie oder Apotheken kombinieren. "Wer mehr Gründe schafft, ins Ortszentrum zu kommen, stärkt Nahversorgung und Gemeinschaft," erklärt Pressl. Dies soll nicht nur die Kundenfrequenz steigern, sondern auch Leerstände beleben und einen sozialen Treffpunkt schaffen.

Regulatorische Hürden abbauen

Der Gemeindebund fordert eine Überarbeitung der bestehenden Regularien, die oft aus einer Zeit stammen, in der sich die Realität der Nahversorgung völlig anders dargestellt hat. Erweiterte Öffnungszeiten für automatisierte Verkaufsstellen und Hybridmärkte, Erleichterungen im Bau-, Gewerbe- und Denkmalschutzrecht sowie eine faire Marktöffnung im ländlichen Raum sind zentrale Forderungen.

Vielfalt statt Einheitslösung

Der Gemeindebund spricht sich gegen Einheitsmodelle und für wirtschaftlich tragfähige, lokal angepasste Lösungen aus. Eine bundesweite Profiorganisation nach dem Vorbild der NÖ NAFES soll Gemeinden und regionale Unternehmer bei Konzeptentwicklung und Umsetzung unterstützen. "Nicht Zuschüsse auf Dauer, sondern wirtschaftlich tragfähige, lokal angepasste Lösungen sichern die Versorgung langfristig," so Pressl.

Konkrete Auswirkungen auf Bürger

Die Umsetzung dieser Maßnahmen könnte für die Bürger weitreichende Folgen haben. Einerseits würde die Versorgungssicherheit in ländlichen Gebieten steigen, andererseits könnten durch die Digitalisierung neue Arbeitsplätze entstehen. Die flexibleren Öffnungszeiten und die Kombination verschiedener Dienstleistungen an einem Ort könnten den Alltag erheblich erleichtern.

Ein Blick über die Grenzen

Vergleiche mit anderen Bundesländern oder ähnlichen Situationen zeigen, dass die Herausforderungen der Nahversorgung kein rein österreichisches Phänomen sind. In Deutschland beispielsweise gibt es ähnliche Bestrebungen, die Nahversorgung durch innovative Ansätze zu sichern. Auch hier spielen Digitalisierung und multifunktionale Zentren eine zentrale Rolle.

Historische Hintergründe

Die Nahversorgung hat in Österreich eine lange Tradition. In der Nachkriegszeit waren kleine Geschäfte in fast jeder Gemeinde zu finden. Doch mit der zunehmenden Mobilität und dem Aufkommen von Supermärkten in den 1970er und 1980er Jahren begann der Niedergang der kleinen Nahversorger. Diese Entwicklung führte zu einer Verödung der Ortskerne und einem Verlust an sozialer Infrastruktur.

Zukunftsausblick

Die Zukunft der Nahversorgung könnte in einer Kombination aus digitaler Innovation und traditionellen Werten liegen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen des Gemeindebunds könnten einen Wendepunkt darstellen. Doch die Umsetzung wird Zeit und Engagement erfordern. Experten warnen, dass ohne politische Unterstützung und die Bereitschaft der Bürger zur Veränderung, die Herausforderungen nur schwer zu bewältigen sein werden.

Politische Zusammenhänge

Die Nahversorgung ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein politisches Thema. Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, könnten weitreichende Folgen für die Struktur der Gemeinden haben. Die politischen Parteien sind gefordert, die Vorschläge des Gemeindebunds in ihre Programme aufzunehmen und aktiv an der Umsetzung mitzuwirken.

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier.

Schlagworte

#Digitalisierung#Gemeindebund#Innovation#Nahversorgung#Ortskerne#Österreich#regulierung

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