Österreichisches Cleantech-Unternehmen startet Kreislaufwirtschaft mit Schwarzer Soldatenfliege
Die REPLOID Group AG aus Wels feiert einen Meilenstein: In Bayern ging die erste ReFarmUnit in Betrieb und verarbeitet täglich 40 Tonnen Bioabfälle.
Ein bedeutender Schritt in Richtung nachhaltiger Kreislaufwirtschaft: Das österreichische Cleantech-Unternehmen REPLOID Group AG aus Wels hat gestern die erste von einem Kunden betriebene Insektenzucht-Anlage (ReFarmUnit) in Burghausen, Bayern, offiziell eröffnet. Die innovative Technologie könnte die Art, wie wir mit organischen Abfällen umgehen, grundlegend verändern.
Die Eröffnungszeremonie wurde von namhaften Politikern begleitet: Hubert Aiwanger, bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie sowie stellvertretender Ministerpräsident des Freistaats Bayern, Michaela Langer-Weninger, Landesrätin von Oberösterreich, Florian Schneider, Bürgermeister von Burghausen, und Philip Pauer, CEO der REPLOID Group AG, gaben gemeinsam den Startschuss für das wegweisende Projekt.
Die von Steinberger ReFarmUnit GmbH betriebene Anlage markiert einen wichtigen Meilenstein für das österreichische Unternehmen REPLOID, das die dahinterstehende Technologie entwickelt und implementiert hat.
Die industrielle Großanlage beeindruckt durch ihre Dimensionen: In einer 24 mal 60 Meter großen Halle verarbeiten täglich rund eine halbe Milliarde Larven der Schwarzen Soldatenfliege etwa 40 Tonnen organische Rückstände aus der Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie. Dabei entstehen hochwertige tierische Proteine und Fette sowie der organische Dünger AgriVio aus den Rückständen und Ausscheidungen der Larven.
Das System wurde als dezentrale, modulare und skalierbare Lösung konzipiert. Ein besonderer Fokus liegt auf der regionalen Verwertung: Die Rohstoffe stammen aus einem Umkreis von etwa 50 Kilometern, was Transportwege minimiert und die lokale Wertschöpfung stärkt.
Philip Pauer, Gründer und CEO von REPLOID, zeigte sich sichtlich bewegt: "Die Eröffnung der Anlage in Burghausen ist sicherlich ein Meilenstein für uns. Es war einer jener Tage, die zeigen, was durch harte Arbeit, Durchhaltevermögen und Teamwork erreicht werden kann. Unsere Lösungen sind nun weltweit gefragt, und wir verfolgen weiterhin unsere Mission getreu unserem Motto: 'Forward for Change'."
Staatsminister Hubert Aiwanger unterstrich die Bedeutung des Projekts: "Diese Insektenzucht-Anlage adressiert eine der Kernherausforderungen der modernen Landwirtschaft." Angesichts begrenzter Ressourcen und volatiler Preise – während jährlich etwa 88 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden – fügte er hinzu: "Wenn Lebensmittelabfälle, Pflanzenreste oder Schlachtnebenprodukte wieder zu wertvollen Ressourcen werden und sogar zusätzliches Einkommen generieren können, eröffnet das neue Perspektiven für die Landwirtschaft."
Als Anerkennung für diesen innovativen Ansatz zur Verwertung organischer Rückstände überreichte Staatsminister Aiwanger Simon Steinberger, Mehrheitsaktionär der Steinberger ReFarmUnit, einen Förderbescheid über 880.000 Euro.
Das Projekt wird im Rahmen des Förderprogramms BayBioeconomy Scale-UP unterstützt, das Teil von Bayerns Bioökonomie-Strategie "Zukunft.Bioökonomie.Bayern" ist. Die Initiative zielt darauf ab, biologische Ressourcen effizient im Kreislauf zu halten, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu reduzieren und nachhaltige, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken.
Oberösterreichs Landesrätin Michaela Langer-Weninger betonte die Verbindung von traditionellem Wissen und modernen Ansätzen: "Die Landwirtschaft hat jahrhundertelange Expertise in natürlichen Kreisläufen entwickelt, und nun ist es an der Zeit, dieses Wissen mit modernen Ansätzen zu verbinden, damit wir gemeinsam eine widerstandsfähigere und ressourceneffizientere Zukunft schaffen können. Ich freue mich daher besonders, dass diese innovative Idee nicht nur aus Österreich, sondern speziell aus Oberösterreich stammt. Wir sind nicht nur der Industriemotor Österreichs, sondern auch die führende Agrarregion des Landes."
Bürgermeister Florian Schneider würdigte die Initiative: "Mit der ReFarmUnit beginnt hier in Burghausen ein neues Kapitel der modernen Landwirtschaft. Hier werden regionale Reststoffe zu einem hochwertigen Rohstoff für internationale Märkte. Dass ein Familienbetrieb diesen Schritt wagt, verdient großen Respekt. Projekte wie dieses zeigen, dass nachhaltige Landwirtschaft, wirtschaftlicher Erfolg und technologische Innovation Hand in Hand gehen können."
Die REPLOID Group AG wurde 2020 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Wels, Österreich. Das Unternehmen bietet ein innovatives System für die industrielle Verwertung regionaler organischer Rückstände aus der Lebensmittelindustrie. Seit Juli 2025 ist das Unternehmen im direct market plus Segment der Wiener Börse notiert (Ticker-Symbol: HRX5) und beschäftigt mehr als 100 Mitarbeiter.
REPLOID baut und betreut modulare und skalierbare Insektenzucht-Anlagen für seine Kunden – die REPLOID ReFarmUnits. In diesen Anlagen erhalten von dem Unternehmen gelieferte junge Larven der Schwarzen Soldatenfliege eine standortspezifische Futtermischung. Diese wird auf Basis eigener Forschung und Entwicklung von REPLOID unter Verwendung von Reststoffen aus der regionalen Lebensmittel-Wertschöpfungskette entwickelt.
Nach der Aufzucht nutzen die Kunden die Larven und/oder ihre Nebenprodukte entweder selbst, oder REPLOID nimmt sie für die zentrale Vermarktung oder Weiterverarbeitung zurück. Das Unternehmen verkauft die gezüchteten Larven entweder direkt oder nach Weiterverarbeitung zu Proteinen und Fetten beispielsweise an Kunden in der Tierfutterindustrie. Aus den Nebenprodukten der Insektenzucht (Insektenfrass) produziert das Unternehmen Premium-Biodünger.
Mit dezentralem Upcycling im industriellen Maßstab bietet REPLOID eine wirtschaftlich attraktive Lösung innerhalb der Kreislaufwirtschaft. Lebensmittelreste und ungenutztes Essen werden effizient verwertet, was wichtige Ressourcen nachhaltig schont.
Das Unternehmen hat einen globalen Fokus und seine Lösungen sind mittlerweile weltweit gefragt. Die Technologie der Schwarzen Soldatenfliege gilt als besonders vielversprechend, da diese Insekten sehr effizient organische Abfälle in hochwertige Proteine umwandeln können.
Die Eröffnung der ersten ReFarmUnit markiert nicht nur einen wichtigen Meilenstein für REPLOID, sondern könnte auch ein Wendepunkt in der Art sein, wie wir mit organischen Abfällen umgehen. In einer Zeit, in der Ressourcenknappheit und Klimawandel zentrale Herausforderungen darstellen, bieten solche innovativen Lösungen neue Perspektiven.
Die erfolgreiche Implementierung der Technologie in Bayern zeigt, dass nachhaltige Geschäftsmodelle nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich sein können. Mit der Unterstützung von Politik und Wirtschaft könnte diese Technologie in den kommenden Jahren einen wichtigen Beitrag zur Transformation unseres Ernährungs- und Abfallsystems leisten.
Die dezentrale Struktur des Systems ermöglicht es zudem, die Lösung flexibel an verschiedene regionale Gegebenheiten anzupassen und so eine flächendeckende Implementierung zu ermöglichen.