Am 2. Dezember 2025 veröffentlichte das KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung eine alarmierende Prognose zur Finanzlage der österreichischen Gemeinden. Der Bericht, der im Auftrag des Österreichischen Städtebundes erstellt wurde, zeigt auf, dass der bestehende Reformstau bei zentralen Finanzierungs
Am 2. Dezember 2025 veröffentlichte das KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung eine alarmierende Prognose zur Finanzlage der österreichischen Gemeinden. Der Bericht, der im Auftrag des Österreichischen Städtebundes erstellt wurde, zeigt auf, dass der bestehende Reformstau bei zentralen Finanzierungsmechanismen die Städte und Gemeinden massiv unter Druck setzt. Besonders betroffen sind die Kommunen durch hohe Umlagendynamiken und die seit über 40 Jahren fehlende Wertsicherung bei der Grundsteuer. Aktuelle Herausforderungen wie Elementarpädagogik, Ganztagsschulen und Klimaschutz verschärfen die Lage zusätzlich.
Die finanzielle Situation der österreichischen Gemeinden hat sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verschlechtert. Historisch betrachtet, war die Grundsteuer eine wesentliche Einnahmequelle für die Kommunen. Doch aufgrund der fehlenden Anpassung an die Inflation und steigende Lebenshaltungskosten hat sie an Bedeutung verloren. Diese Entwicklung setzt sich in einem Umfeld fort, in dem die Ausgaben der Gemeinden, insbesondere im Sozial- und Gesundheitsbereich, stark ansteigen. Die Gemeinden tragen hier zwar die Finanzierungsverantwortung, haben jedoch kaum Einfluss auf die Leistungserbringung.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass auch in Deutschland und der Schweiz Gemeinden mit finanziellen Herausforderungen kämpfen. In Deutschland wurde die Grundsteuer reformiert, um eine gerechtere Verteilung der Steuerlast zu erreichen. In der Schweiz hingegen sind die Gemeinden finanziell stärker autonom, was ihnen mehr Spielraum bei der Budgetgestaltung gibt. Österreich könnte von diesen Ansätzen lernen, um die finanzielle Eigenständigkeit seiner Gemeinden zu stärken.
Die finanzielle Schieflage der Gemeinden hat direkte Auswirkungen auf die Bürger. Ohne Reformen drohen massive Leistungskürzungen, die von verkürzten Öffnungszeiten öffentlicher Einrichtungen bis hin zur Schließung von Sport- und Freizeiteinrichtungen reichen können. Besonders kritisch ist der Bereich der Kinderbetreuung. Der notwendige Ausbau der Kinderbildungs- und -betreuungsangebote steht im Widerspruch zu den Sparvorgaben, die eine Reduktion des kommunalen Personals um mindestens 5 Prozent vorsehen.
Die Prognose des KDZ zeigt, dass die Gemeinden bis 2029 rund 2,2 Milliarden Euro einsparen müssen, um an das Vorkrisenniveau anzuschließen. Ohne strukturelle Maßnahmen sind diese Einsparziele nur durch deutliche Kürzungen bei Leistungen, Personal und Investitionen erreichbar. Der Anteil der Ertragsanteile, die für die kommunale Daseinsvorsorge zur Verfügung stehen, sinkt von 46 Prozent im Jahr 2020 auf nur noch 39 Prozent im Jahr 2029.
Die Prognose macht deutlich, dass allein durch Sparmaßnahmen die strukturellen Lücken nicht geschlossen werden können. Es bedarf umfassender Reformen auf Bundes- und Landesebene. Eine Grundsteuerreform, die kurzfristig eine Anhebung des Hebesatzes von 500 Prozent auf mindestens 750 Prozent vorsieht, ist dringend notwendig. Langfristig muss jedoch eine grundlegende Reform angestrebt werden. Ebenso wichtig ist eine Umlagenreform, die die Gemeinden aus der Finanzierungsverantwortung für Krankenanstalten entlässt. Auch die Unterstützung bei der regionalen Planung und Zusammenarbeit sowie die Absicherung kommunaler Investitionen sind entscheidend.
Die Zeit drängt. Ohne grundlegende Reformen zur Stabilisierung der Gemeindefinanzen wird der Druck auf die kommunalen Budgets weiter zunehmen. Städte und Gemeinden müssen bereits jetzt Konsolidierungsmaßnahmen umsetzen. Doch es bedarf auch Entscheidungen von Bund und Ländern, um die Rahmenbedingungen nachhaltig zu verbessern. Nur so kann ein nachhaltiger Verlust der kommunalen Lebensqualität verhindert werden.
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