Medienunternehmen startet Sozialplan-Verhandlungen mit Betriebsrat
ProSiebenSat.1 PULS 4 plant den Abbau von bis zu 45 Arbeitsplätzen und verhandelt über einen Sozialplan zur bestmöglichen Absicherung der Mitarbeiter.
Der österreichische Fernsehsender PULS 4 steht vor einem bedeutenden Personalabbau. Das zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehörende Medienunternehmen gab heute bekannt, dass bis zu 45 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Das Management hat bereits Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan aufgenommen, um die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich abzufedern.
Über die gesetzlichen Mindestansprüche hinaus plant PULS 4 zusätzliche Leistungen für die betroffenen Beschäftigten. Diese sollen nach verschiedenen Kriterien gestaffelt werden, darunter das Alter der Mitarbeiter, die Dauer der Betriebszugehörigkeit und die Anzahl der unterhaltsberechtigten Kinder. Diese individuelle Herangehensweise zielt darauf ab, die sozialen Härten des Stellenabbaus zu minimieren.
"Wir wissen, dass dieser Schritt für viele unserer Kolleg:innen eine große Belastung bedeutet", erklärt Birgit Moser-Kadlac, Geschäftsleitung HR bei ProSiebenSat.1 PULS 4. "Gerade deshalb ist es uns ein Anliegen, diesen Prozess fair, transparent und mit Verantwortung zu gestalten. Unser Fokus liegt darauf, eine bestmögliche finanzielle Abfederung sicherzustellen und gleichzeitig konkrete Unterstützung für den beruflichen Neustart zu bieten."
Der Betriebsratsvorsitzende Christoph Woska-Kiefmann äußerte sein Bedauern über die Notwendigkeit des Stellenabbaus und verwies auf die strukturellen Herausforderungen der gesamten Medienbranche in Österreich. "Dass es nun in unserer Unternehmensgruppe einen solchen Schritt benötigt, bedauern wir zutiefst", so Woska-Kiefmann. "Es zeigt erneut, vor welchen Herausforderungen die gesamte Medienbranche in Österreich aktuell steht."
Besonders kritisch sieht der Betriebsratsvorsitzende das Fehlen einer branchenspezifischen Arbeitsstiftung: "Eine Arbeitsstiftung für unsere Branche ist aber höchst überfällig, denn leider gehen wieder Medienjobs nachhaltig verloren." Solche Stiftungen könnten Medienarbeitern beim Übergang zwischen Jobs helfen und Weiterbildungsmaßnahmen finanzieren.
Der angekündigte Personalabbau bei PULS 4 reiht sich in eine Serie von Veränderungen in der österreichischen Medienlandschaft ein. Die Branche kämpft mit verschiedenen Herausforderungen, die zu strukturellen Anpassungen zwingen:
Diese Faktoren haben in den vergangenen Jahren bereits mehrere österreichische Medienunternehmen zu Restrukturierungsmaßnahmen veranlasst. PULS 4, das seit 2008 zur deutschen ProSiebenSat.1-Gruppe gehört, ist nun ebenfalls von diesen branchenweiten Entwicklungen betroffen.
Trotz der schwierigen Situation betont das Management von PULS 4 die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. "Uns ist wichtig, dass niemand diesen Weg allein gehen muss", unterstreicht HR-Geschäftsleiterin Moser-Kadlac. Das Unternehmen plant neben finanziellen Leistungen auch konkrete Unterstützung beim beruflichen Neustart.
Der Betriebsrat sieht die soziale Abfederung als oberste Priorität: "Für uns als Betriebsrat hat die soziale Abfederung nun oberste Priorität. Ein Sozialplan wird jetzt für unsere Kolleg:innen erarbeitet." Die konstruktiven Verhandlungen zwischen Management und Arbeitnehmervertretung sollen sicherstellen, dass alle Betroffenen bestmöglich unterstützt werden.
Der Stellenabbau bei PULS 4 wirft auch Fragen zur Zukunft des österreichischen Privatfernsehens auf. Der Sender, der sich als Alternative zum öffentlich-rechtlichen ORF etabliert hat, muss sich an die veränderten Marktbedingungen anpassen. Die Konzentration auf digitale Angebote und die Optimierung der Kostenstrukturen werden wahrscheinlich auch in anderen Bereichen des Unternehmens zu Veränderungen führen.
Experten sehen den Schritt als Teil einer notwendigen Anpassung an die digitale Realität. "Die traditionellen Geschäftsmodelle im Fernsehen funktionieren nicht mehr wie früher", erklärt ein Medienanalyst. "Unternehmen müssen sich neu aufstellen, um langfristig bestehen zu können."
Neben den finanziellen Aspekten des Sozialplans plant PULS 4 auch praktische Hilfestellungen für die betroffenen Mitarbeiter. Dazu könnten Beratungsgespräche, Unterstützung bei der Jobsuche und möglicherweise auch Weiterbildungsangebote gehören. Das Unternehmen möchte sicherstellen, dass die Betroffenen bestmögliche Chancen auf eine erfolgreiche berufliche Neuorientierung haben.
Die Verhandlungen zwischen Management und Betriebsrat werden in den kommenden Wochen fortgesetzt. Beide Seiten zeigen sich optimistisch, eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu finden. Der Fokus liegt dabei klar auf der Unterstützung der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Der Betriebsrat nutzt die aktuelle Situation auch, um auf die strukturellen Probleme der gesamten Medienbranche aufmerksam zu machen. Die Forderung nach einer Arbeitsstiftung für die Medienbranche ist nicht neu, gewinnt aber angesichts der wiederholten Stellenabbaumaßnahmen verschiedener Medienunternehmen an Dringlichkeit.
Eine solche Stiftung könnte nicht nur bei aktuellen Krisen helfen, sondern auch präventiv wirken, indem sie Medienarbeitern Möglichkeiten zur Weiterbildung und Umschulung bietet. Dies würde der gesamten Branche zugutekommen und die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter langfristig stärken.
Die Entwicklungen bei PULS 4 werden von der gesamten österreichischen Medienlandschaft aufmerksam verfolgt. Sie zeigen exemplarisch die Herausforderungen auf, mit denen sich traditionelle Medienunternehmen in Zeiten des digitalen Wandels konfrontiert sehen.