Eine neurologische Zeitbombe tickt in Österreich: Die Parkinson-Krankheit breitet sich rasant aus und könnte bis 2040 doppelt so viele Menschen treffen wie heute. Während aktuell rund 25.000 Österreicherinnen und Österreicher mit der fortschreitenden Bewegungsstörung leben, warnen Experten vor einer dramatischen Entwicklung. Die Gründe sind vielschichtig – von der steigenden Lebenserwartung bis hin zu Umweltfaktoren wie Luftschadstoffen oder Pestiziden.
Während aktuell rund 25.000 Österreicherinnen und Österreicher mit der fortschreitenden Bewegungsstörung leben, wird bis 2040 mit einer Verdopplung gerechnet. Hauptgründe sind die steigende Lebenserwartung sowie mögliche Umweltfaktoren wie Luftschadstoffe oder Pestizide.
Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende Erkrankung, bei der vor allem dopaminproduzierende Nervenzellen zerstört werden. Der daraus entstehende Mangel an Dopamin beeinträchtigt Bewegungsabläufe, aber auch Stimmung und Antrieb. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt; genetische Faktoren ebenso wie Umweltfaktoren spielen dabei eine Rolle.
Die Krankheit entwickelt sich schleichend über Jahre, bevor die typischen motorischen Symptome auftreten. "Viele Patient*innen bemerken erste Veränderungen lange vor der eigentlichen Diagnose, können diese aber nicht richtig einordnen", erklärt Walter Pirker, Vorstand der Neurologischen Abteilung der Klinik Ottakring. Nicht-motorische Symptome wie Geruchsverlust, Verstopfung oder Schlafstörungen können erste Hinweise sein. Erst im weiteren Verlauf zeigen sich typische motorische Beschwerden wie verlangsamte Bewegungen, reduzierte Mimik, ein kleinschrittiges Gangbild oder das für Parkinson typische Ruhezittern.
Die Behandlung basiert auf zwei zentralen Säulen: Medikamente und Bewegung. Ziel ist es, den Dopaminmangel auszugleichen und die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten. "Die Kombination aus moderner medikamentöser Therapie und regelmäßiger Bewegung kann Beschwerden deutlich lindern und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen", so Pirker.
Aktuell sind Medikamente mit dem Wirkstoff L-Dopa, das im Körper in Dopamin umgewandelt wird, am wirksamsten. Zusätzlich können Abbauhemmer wie z.B. COMT-Hemmer die Wirkung von L-Dopa verlängern. Über die Jahre nimmt der Medikamentenbedarf aufgrund des zunehmenden Nervenzellverlusts zu. Neben der klassischen Tablettentherapie stehen bei fortgeschrittener Erkrankung auch Pumpentherapien zur kontinuierlichen Medikamentenabgabe sowie die tiefe Hirnstimulation zur Verfügung. Ergänzend gewinnen Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie zunehmend an Bedeutung.
In den Parkinson-Spezialambulanzen der Kliniken Ottakring und Donaustadt werden Patient*innen mit unklarer Diagnose und komplexen Verläufen umfassend betreut. Ein Fokus liegt dabei auf modernen Pumpentherapien zur kontinuierlichen Medikamentenabgabe sowie auf der Behandlung motorischer und nicht-motorischer Langzeitsymptome. Für weiterführende Verfahren wie die tiefe Hirnstimulation oder fokussierten Ultraschall besteht eine enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Zentren wie dem AKH Wien.
Eine Heilung der Parkinson-Krankheit ist derzeit nicht möglich, bestehende Therapien können die Symptome jedoch deutlich lindern. "In den letzten Jahren hat sich diesbezüglich sehr viel getan. Es gibt im Augenblick vielversprechende Entwicklungen, die in rund 10 Jahren zu einer Verlangsamung des Krankheitsverlaufs führen könnten. Die in Frage kommenden Medikamente müssen aber noch in großen klinischen Studien getestet werden", betont Pirker. Ein Beispiel sind Ansätze mit Alpha-Synuklein-Antikörper-Infusionen, die darauf abzielen, schädigende Eiweißstoffe zu beeinflussen.
Eine Heilung der Parkinson-Krankheit ist nur dann denkbar, wenn es gelingt, den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen zu stoppen oder zu bremsen. Parallel dazu werden Ansätze mit dem Ziel verfolgt, geschädigtes Gewebe durch Stammzellen zu ersetzen oder die Funktion von Nervenzellen mittels Gentherapie zu verändern.
Die Neurologische Abteilung der Klinik Ottakring engagiert sich intensiv in der Erforschung der Entstehungsmechanismen der Parkinson-Krankheit und ist derzeit an mehreren internationalen Forschungskooperationen beteiligt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Erforschung erblicher Grundlagen der Erkrankung. "In unserer Spezialambulanz haben wir in den vergangenen Jahren zahlreiche Patient*innen mit frühem Krankheitsbeginn oder familiärer Vorbelastung untersucht. Bei ihnen besteht häufig eine genetische Ursache. Die Identifizierung der zugrunde liegenden Gene ist ein wichtiger Schritt für die Entwicklung neuer, krankheitsmodifizierender Therapien", so Pirker. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Behandlung der fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit.
Parkinson-Spezialambulanzen im Wiener Gesundheitsverbund
Weitere neurologische Ambulanzen im Wiener Gesundheitsverbund