Die aktuelle Prognose des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) sorgt für Aufsehen: Trotz eines schwierigen internationalen Umfelds und geopolitischer Risiken zeigt sich die Konjunktur in Mittel-, Ost- und Südosteuropa weiterhin robust. Doch wie lange kann dieser Aufschwun
Die aktuelle Prognose des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) sorgt für Aufsehen: Trotz eines schwierigen internationalen Umfelds und geopolitischer Risiken zeigt sich die Konjunktur in Mittel-, Ost- und Südosteuropa weiterhin robust. Doch wie lange kann dieser Aufschwung anhalten?
Die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas, darunter Rumänien, die Slowakei und Ungarn, kämpfen mit hohen Budgetdefiziten und der industriellen Schwäche Deutschlands. Diese Faktoren drücken auf das Wachstum. Dennoch prognostiziert das wiiw für die EU-Mitglieder der Region ein Wachstum von durchschnittlich 2,2% im Jahr 2025, mit einem leichten Anstieg auf 2,6% im Jahr 2026. Diese Zahlen zeigen eine minimale Revision nach unten, aber die Region wächst immer noch schneller als die Eurozone, die für 2025 nur ein Wachstum von 0,9% erwartet.
In den östlichen EU-Staaten verschiebt sich die Basis der wirtschaftlichen Dynamik. Während bisher der private Konsum der Haupttreiber des Wachstums war, gewinnen nun die Investitionen privater Firmen und der öffentlichen Hand an Bedeutung. Diese Verschiebung könnte langfristig positive Effekte haben, da Investitionen oft zu nachhaltigerem Wachstum führen.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist der Einfluss der stark steigenden Verteidigungsausgaben der NATO-Staaten in der Region. Diese Ausgaben könnten in den kommenden Jahren einen zusätzlichen Wachstumseffekt von 0,2 bis 0,3 Prozentpunkten des BIP bringen. Länder wie Polen und die baltischen Staaten könnten sogar noch mehr profitieren, da sie traditionell über eine starke Rüstungsindustrie verfügen.
Doch es gibt auch Risiken. Die hohen Budgetdefizite in einigen Staaten, insbesondere in Rumänien, Ungarn, Polen und der Slowakei, könnten durch steigende Zinsen und EU-Fiskalregeln zu einem Sparzwang führen, der das Wachstum negativ beeinflusst. Zudem destabilisiert Russland mit hybriden Angriffen und Sabotageakten die Länder in der unmittelbaren Nachbarschaft, was Investoren abschreckt und die wirtschaftliche Stimmung trübt.
Besonders betroffen ist die Ukraine. Die Prognosen für 2025 wurden auf ein Wachstum von nur noch 2% gesenkt, mit einem leichten Anstieg auf 3% im Jahr 2026. Diese Zahlen hängen stark vom weiteren Kriegsverlauf ab. Die Zerstörungen an der Infrastruktur und der Arbeitskräftemangel aufgrund von Mobilisierung und Flucht dämpfen die Wachstumsaussichten erheblich.
Russland steuert auf eine Beinahe-Stagnation zu. Die restriktive Geldpolitik der Zentralbank hat zwar die Inflation gesenkt, aber auch das Wirtschaftswachstum abgewürgt. Die Wirtschaft wird 2025 voraussichtlich nur um 1,2% wachsen, mit einer leichten Beschleunigung auf 1,4% im Jahr 2026. Die hohen Zinsen machen Kredite unerschwinglich, was Investitionen hemmt.
Für Österreich bietet die wirtschaftliche Entwicklung in Osteuropa sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Während die Exporte in die Region im ersten Halbjahr um 0,7% gestiegen sind, sanken sie insgesamt um 3%. Länder wie Polen und Tschechien wachsen robust, während wichtige Handelspartner wie Rumänien und Ungarn schwächeln. Dennoch könnte der Strukturwandel in der Region neue Geschäftsmöglichkeiten für österreichische Unternehmen schaffen, insbesondere durch Investitionen in Automatisierung und höhere Arbeitskosten.
Die Zukunft der osteuropäischen Wirtschaft hängt stark von der geopolitischen Lage und den wirtschaftspolitischen Entscheidungen der jeweiligen Regierungen ab. Während die Region weiterhin Wachstumspotenzial zeigt, könnten externe Schocks und interne Probleme den Aufschwung gefährden. Österreich und andere westliche Länder sollten die Entwicklungen genau beobachten und ihre wirtschaftlichen Strategien entsprechend anpassen.