Am 9. März 2026 widmet sich das ORF-Magazin "Thema" um 21:10 Uhr einem der brisantesten politischen Themen unserer Zeit: dem Schicksal iranischer Frauen zwischen der Hoffnung auf Befreiung und der ...
Am 9. März 2026 widmet sich das ORF-Magazin "Thema" um 21:10 Uhr einem der brisantesten politischen Themen unserer Zeit: dem Schicksal iranischer Frauen zwischen der Hoffnung auf Befreiung und der Angst um ihre Familien. Christoph Feurstein präsentiert eine Sendung, die weit über die übliche Berichterstattung hinausgeht und tiefe Einblicke in das Leben von Frauen mit iranischen Wurzeln in Österreich gewährt.
"Ich mache mir große Sorgen um meine Familie im Iran und gleichzeitig hoffe ich, dass sie bald frei leben können", fasst Parvin Razavi die zerreißende Situation vieler Iranerinnen und Iraner in Österreich zusammen. Razavi, die als Kind mit ihrer Familie nach Österreich flüchtete, steht stellvertretend für eine Gemeinschaft, die seit Jahrzehnten zwischen zwei Welten lebt.
Die iranische Diaspora in Österreich umfasst nach Schätzungen rund 15.000 bis 20.000 Menschen, die in verschiedenen Migrationswellen seit der Islamischen Revolution 1979 ins Land gekommen sind. Diese Gemeinschaft zeichnet sich durch eine besonders hohe Bildungsrate aus – viele sind Akademiker, Ärzte, Ingenieure oder Unternehmer, die ihre Heimat aus politischen Gründen verlassen mussten.
Die Eskalation der Proteste im Iran, die 2022 nach dem Tod von Mahsa Amini ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten, hat die iranische Gemeinschaft weltweit mobilisiert. Das Mullah-Regime – ein Begriff für die theokratische Herrschaft der schiitischen Geistlichkeit seit 1979 – sieht sich mit der größten Herausforderung seiner Geschichte konfrontiert. Frauen stehen dabei an vorderster Front der Proteste, wie die Journalisten Savanka Schwarz und Oliver Rubenthaler in ihrer Recherche dokumentieren.
Tausende von Demonstrantinnen wurden in den vergangenen Jahren getötet, verhaftet oder gefoltert. Die Sittenpolizei, eine spezialisierte Einheit zur Durchsetzung der islamischen Kleiderordnung, wurde zum Symbol der Unterdrückung. Der Slogan "Woman, Life, Freedom" (persisch: "Zan, Zendegi, Azadi") wurde zur internationalen Chiffre für den Widerstand.
Die ORF-Dokumentation verspricht, die komplexe Gefühlslage iranischer Frauen in Österreich zu beleuchten. Dabei wird auch eine unbequeme Frage gestellt: Gibt es unter ihnen welche, die hoffen, dass das Mullah-Regime an der Macht bleibt? Diese Frage ist keineswegs absurd, denn auch in der Diaspora spiegeln sich die gesellschaftlichen Spannungen des Iran wider.
Historisch betrachtet war der Iran vor der Revolution von 1979 ein säkularer Staat unter Schah Mohammad Reza Pahlavi. Die Islamische Revolution unter Ayatollah Ruhollah Khomeini veränderte das Land grundlegend und führte zur Etablierung einer theokratischen Republik. Viele Iraner flohen in mehreren Wellen: zunächst die säkulare Elite unmittelbar nach 1979, später politische Oppositionelle und Kriegsflüchtlinge während des Iran-Irak-Krieges (1980-1988).
Die Integration iranischer Migranten in Österreich gilt als besonders erfolgreich. Anders als bei anderen Migrantengruppen verfügten viele bereits über hohe Bildungsabschlüsse und sprachen oft mehrere Sprachen. Die persische Community in Wien konzentriert sich hauptsächlich in den Bezirken Alsergrund, Währing und Döbling, wo sich auch kulturelle Zentren und persische Restaurants etabliert haben.
Dennoch bleibt die Verbindung zur Heimat stark. Viele iranische Österreicher schicken Geld an Verwandte, organisieren Proteste vor der iranischen Botschaft oder engagieren sich in Menschenrechtsorganisationen. Die doppelte Staatsbürgerschaft, die Österreich in Ausnahmefällen gewährt, ermöglicht es manchen, ihre iranische Identität zu bewahren, ohne die österreichische Staatsbürgerschaft zu verlieren.
Ein zweiter Schwerpunkt der Sendung behandelt ein ebenso kontroverses Thema: die Diskussion um Schutzzonen vor Abtreibungskliniken. "Ich hätte es trotzdem getan und wäre vielleicht dabei gestorben", berichtet die 52-jährige Anja Mochar über ihre Erfahrungen mit Abtreibungsgegnern vor medizinischen Einrichtungen.
In Österreich ist der Schwangerschaftsabbruch seit 1975 durch die sogenannte Fristenlösung geregelt. Diese besagt, dass Abtreibungen in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft straffrei sind, wenn sie von einem Arzt durchgeführt werden. Trotz dieser rechtlichen Klarstellung bleibt das Thema gesellschaftlich umstritten und der Zugang praktisch schwierig.
Vor der Gynmed-Klinik in Wien demonstrieren regelmäßig Abtreibungsgegner, die sich auf das Recht der Meinungs- und Versammlungsfreiheit berufen. "Wir belästigen nicht. Wir sind nur hier und beten", argumentieren Teilnehmerinnen der 40 Tage und Nächte dauernden Demonstration. Diese "40 Days for Life"-Kampagne ist eine internationale Bewegung, die vor allem von christlich-konservativen Gruppen getragen wird.
Frauen und Frauenrechtsorganisationen fordern hingegen Schutzzonen vor Kliniken, ähnlich wie sie bereits in anderen europäischen Ländern existieren. In Großbritannien beispielsweise wurden 2018 buffer zones um Abtreibungskliniken eingeführt, die Proteste in einem Radius von 150 Metern verbieten.
Im Vergleich zu anderen deutschsprachigen Ländern nimmt Österreich eine Mittelposition ein. Deutschland hat eine ähnliche Fristenlösung, allerdings mit der Besonderheit einer verpflichtenden Beratung und einer dreitägigen Wartezeit. Die Schweiz regelt Schwangerschaftsabbrüche ebenfalls über eine Fristenlösung ohne Beratungspflicht.
Die Diskussion um Schutzzonen zeigt die anhaltende gesellschaftliche Polarisierung beim Thema Abtreibung. Während Befürworter argumentieren, dass Frauen in einer ohnehin schwierigen Situation nicht zusätzlich unter Druck gesetzt werden sollten, verweisen Kritiker auf die Meinungsfreiheit und das Recht auf friedlichen Protest.
"Wir haben die Stelle schon 16-mal ausgeschrieben", klagt Christian Weninger, Bürgermeister von Lackenbach im Burgenland. Seine Verzweiflung steht exemplarisch für ein Problem, das ganz Österreich betrifft: den akuten Hausärztemangel im ländlichen Raum.
Die Zahlen sind alarmierend: In den kommenden zehn Jahren wird mehr als jeder dritte Allgemeinmediziner das Pensionsalter erreichen, warnt die Österreichische Ärztekammer. Bereits heute sind über 200 Kassenstellen für Allgemeinmedizin unbesetzt, davon die meisten in ländlichen Gebieten.
Die Gründe für den Ärztemangel sind vielschichtig. Zum einen macht die Work-Life-Balance den Beruf des Landarztes unattraktiv: 24-Stunden-Bereitschaften, Wochenenddienste und die Verantwortung für eine ganze Region schrecken junge Mediziner ab. Zum anderen sind die finanziellen Anreize oft unzureichend – ein angestellter Arzt in einem städtischen Krankenhaus verdient häufig besser als ein Landarzt mit eigener Praxis.
Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Feminisierung der Medizin. Über 60 Prozent der Medizinstudenten sind heute weiblich, und viele Ärztinnen bevorzugen Teilzeitmodelle oder Anstellungsverhältnisse gegenüber der traditionellen Einzelpraxis mit ihren hohen unternehmerischen Risiken.
Der junge Arzt Jakob Naber zeigt einen möglichen Weg aus der Krise auf: Er pendelt von Wien in die kleine Gemeinde St. Georgen im Ybbsfelde und setzt auf das Konzept der Gemeinschaftspraxis. "So habe ich nicht das Gefühl, ich muss mich als Einzelperson komplett verausgaben", erklärt er seinen Ansatz.
Gemeinschaftspraxen, auch Primärversorgungseinheiten (PVE) genannt, gelten als Zukunftsmodell der Hausarztmedizin. Mehrere Ärzte teilen sich Räumlichkeiten, Personal und Bereitschaftsdienste, was die Arbeitsbelastung reduziert und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht.
"Wenn mich die Nachbarn fragen, was ich da mache, antworte ich, Kulturgut bewahren", lacht Michaela Schweiger. Die 43-jährige Steirerin repräsentiert einen Trend, der in Zeiten der Klimakrise und des Wunsches nach authentischen Lebensentwürfen an Bedeutung gewinnt: den Quereinstieg in die Landwirtschaft.
Als gelernte Hotelkauffrau arbeitete Schweiger zunächst in der internationalen Tourismusbranche, bevor sie den 100 Jahre alten Hof ihrer Vorfahren in Villmannsdorf bei Rottenmann übernahm. Heute betreibt sie eine erfolgreiche Marktgärtnerei, die biologische Produkte für die Region erzeugt.
Schweigers Geschichte steht gegen den Trend des landwirtschaftlichen Strukturwandels. Seit 1990 hat Österreich fast die Hälfte seiner landwirtschaftlichen Betriebe verloren – von über 280.000 auf heute rund 155.000. Gleichzeitig wurden die verbliebenen Betriebe größer und spezialisierter.
Die kleinstrukturierte Landwirtschaft, wie sie Schweiger betreibt, galt lange als unrentabel. Doch neue Vermarktungskonzepte wie Community Supported Agriculture (CSA), Direktvermarktung oder Bio-Zertifizierung eröffnen Nischenmärkten wieder Chancen. Besonders in der Nähe von Städten entstehen vermehrt kleine Betriebe, die auf Qualität und Nachhaltigkeit setzen.
Der Einstieg in die Landwirtschaft ohne familiäre Tradition ist jedoch mit erheblichen Hürden verbunden. Hohe Investitionskosten für Land und Maschinen, komplexe EU-Förderrichtlinien und der Mangel an praktischem Wissen stellen Quereinsteiger vor große Herausforderungen.
Andererseits bringen sie oft frische Ideen, unternehmerisches Denken und Erfahrungen aus anderen Branchen mit. Viele setzen auf innovative Konzepte wie Vertical Farming, Insektenzucht oder die Kombination von Landwirtschaft mit Tourismus oder Bildungsangeboten.
Die Themenwahl der März-Ausgabe von "Thema" spiegelt den öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF wider: gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen und verschiedene Perspektiven zu beleuchten. Die Bandbreite von internationaler Politik über Gesundheitspolitik bis hin zu Lifestyle-Trends zeigt die Vielseitigkeit des österreichischen Fernsehens.
In Zeiten der Medienkonkurrenz durch Streaming-Dienste und soziale Medien muss sich der ORF kontinuierlich neu erfinden. Magazine wie "Thema" versuchen, durch investigativen Journalismus und emotionale Geschichten das Publikum zu halten und gleichzeitig den Bildungsauftrag zu erfüllen.
Die vier Themen der Sendung zeigen exemplarisch die Herausforderungen einer modernen Gesellschaft: Migration und Integration, Frauenrechte und Selbstbestimmung, Gesundheitsversorgung und nachhaltige Lebensentwürfe. Sie verdeutlichen auch, wie sich gesellschaftliche Diskurse verändern und neue Lösungsansätze entwickelt werden.
Die Geschichten von Parvin Razavi, Anja Mochar, Jakob Naber und Michaela Schweiger stehen für Millionen von Menschen, die täglich mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind. "Thema" am 9. März 2026 verspricht nicht nur Information, sondern auch Inspiration für alle, die sich für eine offene und vielfältige Gesellschaft einsetzen.