„Kalte Spuren
Der ORF Niederösterreich widmet sich in einer neuen Sendereihe ungelösten Kriminalfällen und zeigt erstmals Überwachungsvideos mutmaßlicher Täter.
Wenn Ermittlungen ins Stocken geraten und Akten in den Archiven verschwinden, bleiben für Angehörige und Betroffene oft nur Fragen zurück. Der ORF Niederösterreich greift dieses Thema nun auf und startet mit der Sendereihe „Kalte Spuren" einen ambitionierten Versuch, längst vergessene Kriminalfälle wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Die Statistik des Landeskriminalamtes Niederösterreich kann sich durchaus sehen lassen: In den vergangenen zehn Jahren lag die Aufklärungsquote bei Gewaltverbrechen bei etwa 85 Prozent. Im Jahr 2024 erreichte sie sogar einen Spitzenwert von fast 88 Prozent. Das bedeutet jedoch auch, dass mehr als jeder zehnte Fall ungelöst bleibt – hinter jeder dieser Zahlen stehen reale Menschen, unaufgeklärte Verbrechen und offene Fragen.
Genau hier setzt die neue Sendereihe an. Ab Montag, dem 23. Februar 2026, widmet sich „NÖ heute" an drei aufeinanderfolgenden Montagen jeweils um 19 Uhr auf ORF 2 diesen sogenannten Cold Cases. Bereits am 22. Februar wird eine Auftaktfolge ausgestrahlt, die einen ersten Einblick in die Thematik gewährt.
Die Sendereihe konzentriert sich auf drei konkrete Kriminalfälle, die bisher nicht aufgeklärt werden konnten:
Im Jahr 2019 wurde ein Mann in seinem eigenen Haus in Vösendorf brutal überfallen. Die Täter konnten trotz intensiver Ermittlungen bis heute nicht gefasst werden. Der Fall sorgte damals für Aufsehen in der Region und hinterließ bei den Bewohnern ein Gefühl der Unsicherheit.
Im Bezirk Gänserndorf machten Arbeiter im Jahr 2023 einen grausigen Fund: In einer Schottergrube wurde eine Leiche entdeckt. Die Identität des Opfers sowie die Umstände des Todes konnten bisher nicht vollständig geklärt werden. Die Ermittler tappen nach wie vor im Dunkeln, was die Hintergründe dieses mysteriösen Falls angeht.
Erst im vergangenen Jahr ereignete sich ein Fall von Brandstiftung in Eibesbrunn. Obwohl die Ermittlungen noch relativ frisch sind, konnte der oder die Verantwortliche bisher nicht identifiziert werden. Die Polizei hofft, dass sich durch die mediale Aufmerksamkeit neue Hinweise ergeben könnten.
Ein besonderes Element der Sendereihe stellt die Ausstrahlung von Original-Videoaufnahmen dar. Erstmals werden Ausschnitte von Überwachungskameras gezeigt, auf denen mutmaßliche Täter zu sehen sind. Diese Bilder wurden bisher nur im Rahmen polizeilicher Ermittlungen verwendet und erreichen nun ein breites Fernsehpublikum.
Die Hoffnung der Ermittler ist klar: Jemand könnte eine Person auf den Aufnahmen erkennen oder sich an verdächtige Beobachtungen in der Nähe der Tatorte erinnern. Oft sind es kleine Details, die den entscheidenden Durchbruch bringen können – ein Gesicht, eine Jacke, ein Fahrzeug oder ein ungewöhnliches Verhalten.
Stefan Pfandler, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit mit der Bevölkerung: „Hinweise aus der Bevölkerung stellen einen wertvollen Beitrag für unsere Ermittlungen dar und können den entscheidenden Ausschlag für die Klärung einer Straftat geben."
Der erfahrene Kriminalist weiß aus seiner langjährigen Praxis, dass auch Jahre nach einer Tat noch wichtige Informationen auftauchen können. Menschen, die zum Zeitpunkt des Verbrechens möglicherweise etwas beobachtet haben, sind sich oft nicht bewusst, wie relevant ihre Beobachtung sein könnte. Erst wenn sie durch Medienberichte an den Fall erinnert werden, fällt ihnen manchmal ein, dass sie doch etwas Ungewöhnliches wahrgenommen haben.
„Die visuelle Aufbereitung im Fernsehen unterstützt dabei auch länger zurückliegende Tathandlungen und damit mögliche sachdienliche Beobachtungen wieder ins Gedächtnis der Öffentlichkeit zu rufen