In der österreichischen Politiklandschaft sorgt eine aktuelle Umfrage für Aufsehen. Am 30. Januar 2026 veröffentlichte ATV in Zusammenarbeit mit Meinungsforscher Peter Hajek die Ergebnisse einer Befragung, die das Image der ÖVP unter die Lupe nimmt. Die Umfrage zeigt, dass ein Drittel der befragten
In der österreichischen Politiklandschaft sorgt eine aktuelle Umfrage für Aufsehen. Am 30. Januar 2026 veröffentlichte ATV in Zusammenarbeit mit Meinungsforscher Peter Hajek die Ergebnisse einer Befragung, die das Image der ÖVP unter die Lupe nimmt. Die Umfrage zeigt, dass ein Drittel der befragten Österreicher:innen der Meinung ist, die ÖVP stehe für nichts Besonderes. Diese Erkenntnis wirft Fragen über den Zustand und die Zukunft der Partei auf.
Die Österreichische Volkspartei (ÖVP), eine der ältesten und traditionsreichsten Parteien des Landes, sieht sich mit einer Herausforderung konfrontiert. Der Markenkern, der einst stark mit Wirtschaftskompetenz und christlich-sozialen Werten assoziiert wurde, scheint laut der aktuellen Umfrage an Klarheit verloren zu haben. Die Umfrage, durchgeführt von Peter Hajek Public Opinion Strategies, zeigt, dass 30 Prozent der Befragten die ÖVP mit Wirtschaft, Unternehmen und Leistung verbinden. Diese Assoziation ist besonders unter den eigenen Wähler:innen stark ausgeprägt. Doch was bedeutet ein 'Markenkern' eigentlich? In der Politikwissenschaft bezeichnet er die zentralen Werte und Themen, für die eine Partei steht und die sie von anderen unterscheidet.
Die ÖVP wurde 1945 gegründet und spielte seither eine zentrale Rolle in der österreichischen Politik. Ursprünglich als Vertreterin der bürgerlichen und katholischen Bevölkerung konzipiert, hat die Partei über die Jahrzehnte zahlreiche Wandlungen durchlaufen. In den 1980er und 1990er Jahren verstärkte sie ihr Profil als wirtschaftsfreundliche Partei, was ihr in der Folgezeit viele Stimmen aus dem Unternehmerumfeld einbrachte. Doch die politische Landschaft hat sich verändert, und mit ihr auch die Erwartungen der Wähler:innen.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass ähnliche Entwicklungen auch in anderen Ländern zu beobachten sind. In Deutschland hat die CDU, eine Schwesterpartei der ÖVP, ebenfalls mit einem schwächelnden Markenkern zu kämpfen. In der Schweiz hingegen hat die CVP, die Christlichdemokratische Volkspartei, erfolgreich eine Fusion mit der BDP vollzogen, um ihre Position zu stärken. Diese Beispiele zeigen, dass Parteien in ganz Europa vor der Herausforderung stehen, ihre Identität zu schärfen und sich den veränderten politischen Gegebenheiten anzupassen.
Die Unsicherheit über die Positionierung der ÖVP hat konkrete Auswirkungen auf die politische Landschaft Österreichs. Für Wähler:innen bedeutet ein unklarer Markenkern oft Unsicherheit darüber, welche Politik sie von der Partei erwarten können. Dies kann zu einer Abwanderung zu anderen Parteien führen, die klarere Positionen vertreten. Ein Beispiel hierfür ist die FPÖ, die in der Umfrage mit 52 Prozent der Befragten, die angeben, die ÖVP stehe für nichts Besonderes, besonders stark abschneidet. Diese Dynamik könnte langfristig die politischen Mehrheitsverhältnisse in Österreich verändern.
Die Umfrage von Peter Hajek befragte 800 wahlberechtigte Österreicher:innen. Die Ergebnisse zeigen, dass 18 Prozent der Befragten die ÖVP mit Tradition, Familie und ländlichem Raum verbinden, während 16 Prozent Europa, Außen- und Verteidigungspolitik als zentrale Themen sehen. Sicherheit, Ordnung und Stabilität sowie christlich-soziale Werte werden jeweils von 11 Prozent genannt. Diese Vielfalt an Assoziationen zeigt, dass die Partei in vielen Bereichen wahrgenommen wird, jedoch fehlt eine klare Dominanz eines Themas.
Meinungsforscher Peter Hajek kommentierte die Ergebnisse mit der Feststellung, dass die ÖVP noch über einen Markenkern verfügt, dieser jedoch in den letzten Jahren an Schärfe verloren hat. Besonders die hohe Zahl an Befragten, die angeben, die ÖVP stehe für nichts Besonderes, sollte der Partei zu denken geben. Hajek betont, dass die FPÖ-Wähler:innen, von denen jeder Zweite dieser Meinung ist, ein potenzielles Wählerreservoir für die Zukunft darstellen.
Die Ergebnisse der Umfrage legen nahe, dass die ÖVP an ihrem Profil arbeiten muss, um ihre Position in der österreichischen Politik zu festigen. Eine klare Positionierung könnte helfen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und neue Wähler:innen zu mobilisieren. Politische Analysten empfehlen der Partei, sich auf ihre traditionellen Stärken zu besinnen und diese mit aktuellen Themen wie Klimaschutz und Digitalisierung zu kombinieren, um zukunftsfähig zu bleiben.
Die aktuelle Umfrage von ATV und Peter Hajek wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, vor denen die ÖVP steht. Ein verwaschener Markenkern kann langfristig zu einem Problem werden, wenn es der Partei nicht gelingt, ihre Identität zu schärfen. Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, ob die ÖVP die richtigen Schlüsse aus diesen Ergebnissen zieht und sich erfolgreich neu positioniert. Interessierte Leser:innen können die vollständige Diskussion der Umfrageergebnisse in der Sendung „Aktuell: Die Woche“ auf ATV oder im Stream auf JOYN verfolgen.