Der österreichische Lebensmittelhandel steht unter Druck. Die sogenannte 'Aktion Scharf', initiiert vom Arbeitsministerium, sorgt für Aufruhr in der Branche. Ziel der Aktion ist es, vermeintliche 'versteckte Preiserhöhungen' und 'irreführende Rabatte' im Lebensmittelhandel zu identifizieren. Doch di
Der österreichische Lebensmittelhandel steht unter Druck. Die sogenannte 'Aktion Scharf', initiiert vom Arbeitsministerium, sorgt für Aufruhr in der Branche. Ziel der Aktion ist es, vermeintliche 'versteckte Preiserhöhungen' und 'irreführende Rabatte' im Lebensmittelhandel zu identifizieren. Doch die Zwischenbilanz dieser Aktion, die von Staatssekretärin Königsberger-Ludwig vorgestellt wurde, stößt auf heftige Kritik.
Die Zwischenbilanz der 'Aktion Scharf' wird vom Handelsverband als intransparent und verzerrt bezeichnet. Die Kritik richtet sich gegen die Darstellung der wirtschaftlichen Realität im österreichischen Lebensmittelhandel. Vereinzelte fehlerhafte Etiketten oder Aktionshinweise, die in einem stark digitalisierten Umfeld auftreten, werden als unvermeidbar angesehen. Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will betont, dass solche Fehler menschlicher Natur sind und keinesfalls absichtlich passieren.
In kaum einem anderen Land sind die regulativen Vorschriften zur Auszeichnung von Preisen und Rabatten so streng wie in Österreich. Der Anspruch der österreichischen Lebensmittelhändler ist es, Preise und Aktionen stets korrekt und transparent auszuloben. Doch bei 150.000 Beschäftigten in 9.400 Geschäften mit über 20.000 Produkten im Sortiment können Fehler passieren. Diese werden jedoch laufend verbessert und korrigiert, so Will.
Der Handelsverband kritisiert den sogenannten Regulierungs-Overkill, der zu vereinzelten Formfehlern führt, die jedoch keine Täuschungsabsicht darstellen. Die Komplexität der Vorschriften, insbesondere beim Thema 'richtig werben mit Rabatten', wird als überbordend beschrieben. Um den Händlern zu helfen, hat der Handelsverband gemeinsam mit der Rechtsanwaltskanzlei TaylorWessing einen 16-seitigen Leitfaden veröffentlicht, der in einem Schulungstermin für Händler vorgestellt wurde.
Der Handelsverband ruft dazu auf, die heimischen Handelsbetriebe nicht weiter mit Bürokratie und Überregulierung auszubremsen. Die Händler investieren jährlich Millionen in Preis-IT, Warenwirtschaftssysteme und Schulungen, um alle Preis- und Rabattangaben korrekt zu gestalten. Der Vorwurf des Arbeitsministeriums, der Handel agiere unredlich, wird als Frechheit bezeichnet.
Die Vorstellung, dass Supermärkte auf Kosten der Kunden satte Gewinne einstreichen, wird vom Handelsverband als falsch abgetan. Die Gewinnmargen im österreichischen Lebensmittelhandel liegen zwischen 0,5 und 2,5 Prozent. Die von der Politik kolportierten 60-prozentigen Gewinnsteigerungen sind laut Handelsverband unrealistisch.
Mit dem Aus von Unimarkt verliert Österreich einen traditionsreichen Lebensmittelhändler. Für den Handelsverband ist dies ein dramatisches Signal, das die prekäre Lage im heimischen Lebensmittelhandel aufzeigt. Explodierende Energie-, Personal- und Mietkosten sowie volatile Weltmarktpreise belasten die ohnehin knappen Margen der Händler.
Die 'Aktion Scharf' ändert laut Handelsverband nichts an der hohen Inflation und der massiven Bürokratiebelastung. Der Vorwurf, der Handel sei der Sündenbock der Republik, wird zurückgewiesen. Statt pauschaler mediale Anschuldigungen fordert der Handelsverband gemeinsame Lösungen im Sinne der Konsumenten.
Die vom Arbeitsministerium forcierte Billigstpreisdebatte könnte laut Handelsverband zu einer Gefährdung von Arbeitsplätzen bei heimischen Produzenten und in der Landwirtschaft führen. Eine kostengünstige Beschaffung bei ausländischen Produzenten würde inländische Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette kosten.
Das Wiener Marktamt hat von Jänner bis August 304 Anzeigen gegen Supermärkte wegen irreführender Rabatte erstattet. Doch bei den größten vier Lebensmitteleinzelhändlern gab es weniger als zehn konkrete Beschwerden. Der Handelsverband kritisiert die fehlende Transparenz des Marktamtes, da keine Statistiken zur Fallzahl je Händler vorliegen.
Der Handelsverband fordert mehr Transparenz, Fairness und Nachvollziehbarkeit von staatlichen Behörden. Der Appell richtet sich auch an Staatssekretärin Königsberger-Ludwig, das Fernost-Förderungsprogramm zu beenden und den Handel nicht länger als Sündenbock darzustellen.
Die Zukunft des österreichischen Lebensmittelhandels hängt von einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft ab. Nur durch einen sachlichen Dialog können praktikable und faire Lösungen für die Herausforderungen der Branche gefunden werden.