Am 30. Januar 2026 endete in Wien die 73. Wintertagung des Ökosozialen Forums, die größte agrarpolitische Diskussionsveranstaltung Österreichs. Mit einem eindringlichen Appell für mehr Preistransparenz und faire Wettbewerbsbedingungen rückte die Tagung zentrale Fragen rund um Lebensmittelpreise und
Am 30. Januar 2026 endete in Wien die 73. Wintertagung des Ökosozialen Forums, die größte agrarpolitische Diskussionsveranstaltung Österreichs. Mit einem eindringlichen Appell für mehr Preistransparenz und faire Wettbewerbsbedingungen rückte die Tagung zentrale Fragen rund um Lebensmittelpreise und Versorgungssicherheit in den Fokus. Die Veranstaltung machte deutlich: Versorgungssicherheit ist kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen, wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und gesellschaftlicher Verantwortung.
Unter dem Motto „Schnäppchenjagd im Feinkostladen – der wahre Preis billiger Landwirtschaft“ diskutierten Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Handel und Praxis die Spannungsfelder zwischen Inflation, internationalem Wettbewerb und nachhaltiger Produktion. Dabei wurde klar, dass die Ursachen steigender Lebensmittelpreise vielfältig sind. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung der Landwirtschaft als wirtschaftlicher Stabilitätsfaktor. Ob die Versorgung mit Lebensmitteln, die Pflege der Kulturlandschaft oder der Beitrag zur regionalen Wertschöpfung – die Landwirtschaft spielt in Österreich eine zentrale Rolle.
Die österreichische Landwirtschaft hat sich über die Jahrzehnte stark gewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen die Steigerung der Produktion und die Sicherung der Versorgung im Vordergrund. In den letzten Jahrzehnten rückten Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Tierwohl in den Mittelpunkt. Heute stehen die Landwirt:innen vor tiefgreifenden strukturellen, wirtschaftlichen und klimatischen Herausforderungen. Die Wintertagung machte deutlich, dass diese Herausforderungen nur mit wirtschaftlich tragfähigen Betrieben, verlässlichen politischen Rahmenbedingungen und fairen Wettbewerbsbedingungen zu bewältigen sind.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass auch in Deutschland und der Schweiz ähnliche Diskussionen geführt werden. In Deutschland steht die Landwirtschaft ebenfalls unter dem Druck steigender Kosten und wachsender Anforderungen an Umwelt- und Klimaschutz. In der Schweiz wird intensiv über die Zukunft der Landwirtschaft im Hinblick auf Selbstversorgung und Nachhaltigkeit diskutiert. Österreich kann von den Erfahrungen dieser Länder lernen, insbesondere was die Förderung von Innovationen und die Anpassung an klimatische Veränderungen betrifft.
Die steigenden Lebensmittelpreise haben direkte Auswirkungen auf die österreichischen Haushalte. Besonders einkommensschwache Familien spüren die Teuerung bei ihrem täglichen Einkauf. Gleichzeitig sind die Landwirt:innen gefordert, effizienter und nachhaltiger zu produzieren, um den Anforderungen gerecht zu werden. Ein Beispiel ist die steigende Nachfrage nach biologisch produzierten Lebensmitteln, die zwar teurer sind, aber auch einen höheren Standard in Sachen Umwelt- und Tierwohl bieten. Die Wintertagung betonte, dass nur durch eine nachhaltige Intensivierung der Produktion die Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann.
Österreichs Landwirtschaft zeichnet sich durch eine hohe Diversität aus. Rund 40 Prozent der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt, und etwa 10 Prozent der Erwerbstätigen sind im Agrarsektor beschäftigt. Der Bio-Anteil an der landwirtschaftlichen Fläche liegt bei etwa 25 Prozent, was Österreich zu einem der Vorreiter im biologischen Anbau macht. Diese Zahlen verdeutlichen die Bedeutung der Landwirtschaft für die österreichische Wirtschaft und Gesellschaft.
Nach der Wintertagung plant das Ökosoziale Forum, verschiedene Zukunftswege der Landwirtschaft bis 2050 zu entwickeln und zu analysieren. Ziel ist es, praxisnahe Strategien zu erarbeiten, die eine ökonomisch tragfähige, ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Landwirtschaft ermöglichen. Dazu werden Expert:inneninterviews und Workshops durchgeführt, um zentrale Handlungsfelder und Maßnahmen zu identifizieren. Diese Zukunftsvisionen sollen dazu beitragen, die Landwirtschaft in Österreich zukunftsfähig zu gestalten und den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden.
Die 73. Wintertagung des Ökosozialen Forums hat eindrucksvoll gezeigt, dass Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit nur gemeinsam gedacht und umgesetzt werden können. Die Herausforderungen sind groß, aber die Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit der österreichischen Landwirtschaft bieten eine solide Grundlage für die Zukunft. Es bleibt abzuwarten, wie sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickeln und welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Landwirtschaft in Österreich nachhaltig zu stärken.
Für weiterführende Informationen besuchen Sie bitte die offizielle Pressemitteilung des Ökosozialen Forums.