Eine neue Studie des Umweltministeriums zeigt großen Rückgang bei Gletschermasse und Schneedecken: Zwischen 70 und 80 Prozent der heimischen Gletschermasse könnten bis 2050 verloren gehen, begleitet von abnehmender Schneehöhe und kürzerer Schneedeckendauer.
Eine neue Studie des Umweltministeriums berichtet von einem starken Rückgang bei Gletschern und Schnee in Österreich. Zwischen 70 und 80 Prozent der heimischen Gletschermasse werden bis zum Jahr 2050 im Vergleich zu 2024 verloren gehen, heißt es in den Zwischenergebnissen. Zugleich nimmt die Schneedecke in Mächtigkeit und Dauer ab, was spürbare Auswirkungen auf den Wasserhaushalt nach sich ziehen kann.
Das interdisziplinäre Forschungsprojekt "Wasser im Klimawandel" unter Leitung der TU Wien fasst Trends zu Schnee und Eis zusammen. Im Mittel verkürzt sich die Schneedeckendauer in Österreich um etwa einen Tag pro Jahr, die mittlere Schneehöhe verringert sich um rund 1 cm pro Jahr. Im längeren Vergleich zeigt sich: Zwischen 1960 und 2020 hat die Schneedeckendauer in tiefen Lagen bereits um rund 60 Prozent abgenommen, die mittlere Schneehöhe um etwa 70 Prozent.
Die Studie stellt zudem fest, dass sich das Abschmelzen der Gletscher in den vergangenen fünf Jahren beschleunigt hat und rascher voranschreitet, als anhand bisheriger Modellierungen angenommen worden war.
Die Untersuchung nennt die Höhenlage um die Nullgradgrenze als besonders empfindlichen Bereich, da dort entschieden wird, ob Niederschlag als Schnee oder Regen fällt. Nach den Daten der Studie hat sich diese Grenze seit den 1980ern um etwa 120 bis 140 Meter alle zehn Jahre nach oben verschoben.
Die Studie gibt modellbasierte Projektionen für die mittlere Schneehöhe bis zur Mitte des Jahrhunderts an:
Für die Gletscherprojektionen nennt die Studie als Spannweite für den Verlust der Gletschermasse bis 2050 zwischen 70 und 80 Prozent im Vergleich zu 2024. Wie schnell der Rückgang weiter verläuft, hängt dem Bericht zufolge vom weiteren globalen Erwärmungspfad ab; vollständig aufhalten lasse sich der Prozess nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr.
Prof. Dr. Wolfgang Schöner von der Universität Graz, der im Projekt zum Thema Schnee und Eis forscht, erklärt, dass der Schneerückgang den saisonalen Rhythmus des Wasserhaushalts verändert: Setzt die Schneeschmelze früher ein, verschieben sich Abflussmaxima und im Sommer steht tendenziell weniger Wasser zur Verfügung.
Für die Messungen, die den Projektionen zu Schnee und Eis zugrunde liegen, werden in der Studie Messnetze mit rund 100 Stationen in ganz Österreich genutzt. Bei den Gletschern wird die Massenbilanz direkt im Gelände erhoben – unter anderem mit Messstangen im Eis. Für die Zukunftsprojektionen kommen Modelle zum Einsatz, die Temperatur- und Niederschlagsinformationen verknüpfen.
Die Zwischenergebnisse fließen in das Forschungsprojekt ein, das im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) unter der Leitung der TU Wien durchgeführt wird. Die Studie betont, dass die klimabedingten Veränderungen bei Schnee und Eis Auswirkungen auf Wasserwirtschaft, Infrastruktur und Regionen haben und Vorsorgemaßnahmen wichtig sind.
Als mögliche Anpassungen nennt die Studie unter anderem stärkere Vernetzung von Versorgungssystemen, angepasste Steuerung von Stauseen und die Identifikation alternativer Wasserquellen für Infrastruktur im Hochgebirge, die bisher auf Gletscherwasser angewiesen ist.
Die Studie wird in den kommenden Monaten weitere Informationen liefern, etwa zur Verdunstung, zur Grundwasserentwicklung in verschiedenen Regionen, zu Hoch- und Niederwasserszenarien sowie zu Wassertemperaturen. Der Endbericht soll Ende 2026 detaillierte Prognosen bis 2100 für Österreich enthalten.
Umweltminister Norbert Totschnig wird in den OTS-Zwischenergebnissen zitiert: "Die sichtbaren Veränderungen bei Gletschern und Schnee werden sich den Ergebnissen zufolge fortsetzen. Die Studie hilft uns zu verstehen, welche Folgen das für unseren Wasserhaushalt hat und wo wir gezielt sinnvolle Maßnahmen setzen können."