Wien – Die Finanzwelt steht Kopf! In einem umfassenden Stresstest, durchgeführt von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und der Europäischen Zentralbank (EZB), haben sich 96 europäische Banken einem strengen Krisenszenario gestellt. Die Ergebnisse, die am 1. August 2025 veröffentlicht wurd
Wien – Die Finanzwelt steht Kopf! In einem umfassenden Stresstest, durchgeführt von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und der Europäischen Zentralbank (EZB), haben sich 96 europäische Banken einem strengen Krisenszenario gestellt. Die Ergebnisse, die am 1. August 2025 veröffentlicht wurden, sind ein Lichtblick in einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit: Österreichische Großbanken haben sich als widerstandsfähig erwiesen und stehen im europäischen Vergleich gut da.
Ein Stresstest ist eine Analyse, die die Fähigkeit einer Bank bewertet, wirtschaftlichen Schocks standzuhalten. Dabei werden verschiedene Krisenszenarien simuliert, um zu sehen, wie sich diese auf die Kapitalquoten auswirken. Die harte Kernkapitalquote, auch bekannt als CET1-Ratio, ist ein zentraler Indikator. Sie misst das Verhältnis des Eigenkapitals einer Bank zu ihren risikogewichteten Aktiva.
Im aktuellen Szenario fiel die CET1-Ratio im Euroraum um 4,0 Prozentpunkte auf 12,0%. Zum Vergleich: Beim letzten Stresstest im Jahr 2023 war ein Rückgang um 5,0 Prozentpunkte auf 10,4% zu verzeichnen. Das zeigt, dass die Banken trotz gestiegener Kreditrisiken stärker aus der Prüfung hervorgehen als vor zwei Jahren. Diese Robustheit wird vor allem der gestiegenen Profitabilität zugeschrieben.
Österreichs Banken schnitten im europäischen Vergleich solide ab. Mit einem Rückgang der Kapitalquote von 3,6 Prozentpunkten auf 13,0% CET1-R landeten sie im Mittelfeld. Auch wenn der Rückgang geringer ausfiel als 2023, bleibt die Performance auf Einzelbanken-Ebene heterogen. Trotz allem erfüllen alle österreichischen Banken die gesetzlichen Kapitalanforderungen im Stress-Szenario.
Ein Vorstandsmitglied der Finanzmarktaufsicht kommentierte: „Gerade in Zeiten großer Ungewissheit erwarten wir von den Banken weiterhin eine solide Kapitalbasis. Die Wirtschaft wird auch in den nächsten Jahren mit unvorhersehbaren Herausforderungen konfrontiert sein und ist daher auf einen stabilen Bankensektor als Partner angewiesen.“
Der Stresstest simuliert ein Szenario mit einem starken Wirtschaftseinbruch, verursacht durch geopolitische Spannungen, Handelskonflikte, steigende Energiepreise und fragmentierte globale Lieferketten. Inflation und Marktzinsen steigen temporär an, was zu höheren Kreditausfällen und geringeren Provisionserträgen führt. Trotz dieser Herausforderungen bleibt die hohe Ausgangsprofitabilität der Banken ein stabilisierender Faktor.
Die Aufsicht warnt jedoch vor schwer quantifizierbaren Risiken wie Cyberattacken und geopolitischen Unsicherheiten, die eine zunehmende Gefahr darstellen. Die individuelle Überwachung der Risikoprofile der Banken bleibt daher ein zentraler Fokus der Aufsichtsbehörden.
Ein Experte betonte: „Die aktuellen Ergebnisse unterstreichen die Widerstandsfähigkeit des österreichischen Bankensektors. Gleichzeitig nehmen schwer quantifizierbare Cyberrisiken und geopolitische Unsicherheiten zu – daher beobachten wir als Aufsicht die individuellen Risikoprofile der Banken mit besonderer Aufmerksamkeit.“
Stresstests sind nicht neu. Sie wurden nach der Finanzkrise 2008 eingeführt, um die Stabilität des Bankensystems zu gewährleisten. Seitdem werden sie alle zwei Jahre durchgeführt und umfassen etwa 83% des Bankensektors im Euroraum. Die Tests helfen, Schwächen im Bankensystem frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.
Für Österreich sind die Ergebnisse des Stresstests von großer Bedeutung. Sie fließen in den aufsichtsrechtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) ein, der Governance, Risikomanagement und Datenqualität der teilnehmenden Banken bewertet. Auch die „Säule-2-Empfehlung“ (P2G), eine zusätzliche Kapitalreserve, leitet sich aus den individuellen Ergebnissen ab und soll sicherstellen, dass potenzielle Verluste aus Stress-Szenarien absorbiert werden können.
Die Einführung der dritten Kapitaladäquanzverordnung (CRR3) ab 1. Jänner 2025 stellt eine weitere Herausforderung dar. Sie sieht eine Übergangsphase bis 2033 vor, um die Banken schrittweise an neue Anforderungen anzupassen. Die Auswirkungen auf österreichische Banken sind jedoch begrenzt, sowohl kurzfristig als auch im Vollausbau.
Parallel dazu führen die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und die Finanzmarktaufsicht (FMA) einen Stresstest für kleinere österreichische Banken durch, die nicht vom EU-weiten Test erfasst sind. Die Ergebnisse werden Mitte November 2025 im Financial Stability Report 50 veröffentlicht.
Ein Wirtschaftsexperte prognostiziert: „Die kommenden Jahre werden für den Bankensektor herausfordernd. Angesichts der steigenden Inflation, geopolitischen Spannungen und technologischen Risiken müssen Banken flexibel und anpassungsfähig bleiben. Die Ergebnisse des Stresstests sind ein positives Signal, aber es gibt keinen Grund zur Selbstzufriedenheit.“
Die Ergebnisse des aktuellen Stresstests sind ein positives Zeichen für den österreichischen Bankensektor. Sie zeigen, dass die Banken gut aufgestellt sind, um zukünftigen Herausforderungen zu begegnen. Dennoch bleibt Wachsamkeit geboten, um auf unvorhergesehene Risiken schnell reagieren zu können.
Als Bürger können wir beruhigt sein, dass unsere Banken trotz widriger Umstände stabil bleiben. Dies ist nicht nur ein Beweis für die Stärke des Bankensektors, sondern auch für die Effektivität der Aufsichtsbehörden, die weiterhin wachsam bleiben, um die Stabilität der Finanzmärkte zu gewährleisten.